1. Internationale Berliner Gespräche zur Digitalen Integration


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Dokumentation 2003/2004




Eine Veranstaltung von

Stiftung Digitale Chancen

Alcatel SEL Stiftung für Kommunikationsforschung


20. Juni 2005 - 1. Internationale Berliner Gespräche zur Digitalen Integration - Digital auf dem Lande - (Un)begrenzte Möglichkeiten?



Mitschnitt: Überarbeitete Textfassung der Veranstaltungsaufzeichnung (PDF, 0.14 MB) herunterladen

Begrüßung Prof. Dr. Kubicek - Moderator

Guten Morgen, meine Damen und Herren, als wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Digitale Chancen begrüße ich Sie ganz herzlich zu diesen ersten Internationalen Berliner Gesprächen. Einige von Ihnen wissen sicher, dass die Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium schon eine Reihe ähnlicher Gesprächsveranstaltungen auf nationaler Ebene durchgeführt hat. Heute wollen wir uns nun mit internationalen Partnern des Projektes ERDE und mit Ihnen als Expertinnen und Experten mit Fragen der Internetnutzung im ländlichen Raum befassen.

Ich möchte Ihnen zunächst näher erklären, wie dieses Projekt im Einzelnen aufgebaut ist. In der ERDE-Lernpartnerschaft arbeiten Bildungsträger und Organisationen im Weiterbildungsbereich aus Großbritannien, Polen, Litauen, Österreich und Deutschland zusammen. Das Förderprogramm sieht vor, dass jeder der Partner in seinem Heimatland einen Workshop organisiert, in dem er dann versucht, andere verwandte Projekte aus dem jeweiligen Land mit in dieses Netzwerk einzubeziehen. Eine solche Veranstaltung für Deutschland ist unser heutiges Treffen. Die Stiftung Digitale Chancen ist also Gastgeber für ein Treffen, in dem es darum geht, den Kern dieser Partnerschaft als Netzwerk zu erweitern. Das kommt in zwei Dingen zum Ausdruck: Es werden zusätzliche Projekte aus Deutschland vorgestellt werden, die nicht zu dem Kern dieses Projektes gehören. Sie alle als Expertinnen und Experten für die Digitale Integration sind dann eingeladen, mit ihren Kommentaren und Fragen diese Präsentationen anzureichern, also den Erfahrungshintergrund zu erweitern, aber auch danach gerne über die Website und einen Diskussionsraum sich an der weiteren Entwicklung und Ausbreitung und Intensivierung dieses Netzwerks zu beteiligen. Im Wesentlichen ist diese Veranstaltung aber so ausgelegt, dass informiert wird über Projekte. Was heißt "ländlich" überhaupt im europäischen Zusammenhang? Es mag ja sein, dass wir in Deutschland die Alpen oder die Nordsee als ländlichen Raum betrachten - obwohl da immer noch Tourismus und andere Entwicklungen sind -, während es in Europa ganz andere Regionen gibt, die sich noch einmal deutlich von dem unterscheiden, was wir in Deutschland als ländlichen Raum bezeichnen. Worin liegen Grenzen der Internetnutzung bei der Bevölkerung im ländlichen Raum? Ist es eine eigene Konstitution von Mensch oder kumulieren da nicht generell Merkmale der Digitalen Spaltung wie Bildung, Alter, Geschlecht. Weil z. B. die Landbevölkerung sich durch Stadtflucht oder ähnliche Mechanismen so verändert hat, dass da ganz allgemeine Charakteristika auftreten, die gar nichts mit "Ländlichem" im engerem Sinne zu tun haben.

Wie angekündigt übergebe ich jetzt an David Wortley, der aus Großbritannien kommt, aber trotzdem in Deutsch präsentiert. Mr. Wortley ist Berater mit einer eigenen Firma aus Großbritannien. Er ist der ERDE-Lernpartner für das Vereinigte Königreich. Er kommt selbst aus der Community-Radio-Bewegung und versucht den Transfer auf das Internet zu übertragen.

David Wortley: Die Erde-Lernpartnerschaft

Gesprochener Text zur Präsentation von David Wortley und anschließende Diskussion

Mein Name ist David Wortley, und ich komme aus den East Midlands in Großbritannien, aus einem kleinen Dorf namens Lubenham. Ich bin freier Berater im sozialen Bereich mit Schwerpunkt auf der Informationsgesellschaft und den Auswirkungen der Globalisierung auf Dörfer.

Ich fange an mit der Entwicklung auf dem Lande und der Informationsgesellschaft und gehe dann auf einige durch das Informationszeitalter entstandene Themen und Probleme ein. Ich werde kurz etwas zu den Workshops sagen, an denen ich im ERDE-Projekt teilgenommen habe, und gehe dabei auf einige der gemeinsamen Themen und die verschiedenen Ansätze meiner europäischen Partner ein. Anschließend werde ich über das Konzept des Regionalen Informationstrainers sprechen und schließlich darüber, wie wir Informations- und Kommunikationstechniken für die ländliche Entwicklung einsetzen können.

Dieses Bild zeigt den Laden und die Post in meinem Dorf, bevor sie geschlossen wurden. Anscheinend erleiden ländliche Regionen in ganz Europa als Folge der Globalisierung die gleichen Verluste an wichtigen Dienstleistungen und Arbeitsplätzen.

In England werden die schönsten Dörfer zu Feriengebieten für diejenigen, die sich für das Wochenende und den Urlaub einen Platz auf dem Lande leisten können, und vielen ländlichen Gemeinden wird so das Herz herausgerissen. Das passiert, obwohl es in jeder ländlichen Gemeinde viele gut ausgebildete und talentierte Menschen gibt, die viel lieber in ihrem Dorf oder in der Nähe arbeiten würden, aber dazu nicht die Möglichkeit haben. Die beiden Männer, die Sie auf diesem Bild sehen, sind gute Beispiele für die Leute in meiner Gegend. Der Mann mit der Brille ist ein sehr guter Web Designer für die Dorfgemeinschaft und arbeitet als Milchmann. Und der andere Mann half mir dabei, ein Video über mein Dorf zu drehen. Dabei entdeckte ich, dass er als Techniker für Spezialeffekte bei der Herstellung der Harry-Potter-Filme mitwirkt - aber er findet vor Ort nicht genug Arbeit, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Probleme der ländlichen Gemeinden in ganz Europa haben hauptsächlich mit dem Verlust von sozialem und ökonomischem Reichtum als Folge der Globalisierung zu tun. Dadurch wird nachhaltige Entwicklung zu einem wichtigen Thema für ländliche Regionen. Für die Dorfgemeinschaften ist es eine große Herausforderung, die vorhandenen Fähigkeiten und Talente zu halten, besonders bei den jungen Menschen.

Sie kennen sicher alle den Begriff "Digitale Spaltung". Überall auf der Welt investieren die Regierungen große Summen, um die Informations- und Kommunikationstechnik für alle zugänglich und nutzbar zu machen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des lebenslangen Lernens; Informations- und Kommunikationstechnik wird genutzt, um Menschen jeden Alters zu ständigem Lernen zu ermutigen.

Eine meiner Sorgen gegenüber dieser Strategie ist, dass viele Globalisierungsprobleme von der Nutzung der IKT herrühren, die den Menschen mehr Auswahl und mehr Macht gibt. Wie viele von uns haben beispielsweise schon Bücher oder Musik über das Internet bestellt, anstatt die Läden in unserem Ort zu unterstützen. Das heißt, einerseits bin ich ganz enthusiastisch, was das Potential von IKT betrifft, eine bessere und nachhaltigere globale Gesellschaft zu entwickeln. Andererseits sehe ich auch, dass die Überbrückung der Digitalen Spaltung die gleiche Wirkung haben könnte wie Öl ins Feuer zu gießen. Es könnte sein, dass wir die Dinge verschlechtern.

Einer der Ansätze, die weltweit für die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft durch IKT-Nutzung verfolgt werden, ist das Vielzweck-Tele- und Lernzentrum. Dies ist ein Bild des Telezentrums, dessen Aufbau ich in meiner Gemeinde unterstützt habe. Um erfolgreich sein zu können, müssen solche Zentren ein Mittelpunkt der Gemeinde sein, wobei der Schwerpunkt sowohl auf der Entwicklung der Gemeinschaft als auch auf individuellem Lernen und individueller Entwicklung liegt.

Zu dem ERDE-Projekt gehören Partner aus Deutschland, Österreich, Polen, Großbritannien, Slowenien, Ungarn und Litauen. Der erste Workshop fand in Wien statt und wurde von meinem Freund Franz Nahrada ausgerichtet. Wir sahen viele interessante Projekte, darunter Gemeinschaftsrundfunk, private soziale Unternehmungen, Lernzentren in der Gemeinde und eine Schule auf dem Bauernhof. Ebenso wichtig war, dass wir etwas über das kulturelle Erbe dieser Gemeinschaften lernten.

Auf dem Workshop in Coburg besuchten wir eine sehr alte, traditionelle Schule, die moderne Publikationstechnik nutzte, ein Cybercafé, eine moderne Schule mit internationalen Verbindungen, einen sehr modernen Fertigungsbetrieb, das Lern- und Innovationszentrum einer Gemeinde und einige sehr interessante kulturelle Angebote in der Stadt, darunter ein Abend im Ballett. Für mich war es sehr interessant zu sehen, dass Sie in Deutschland einen sehr ähnlichen Ansatz wie bei uns in Großbritannien verfolgen.

Der Ausflug nach Polen war auch sehr interessant und ganz anders. Wir erlebten das Konzept der Themendörfer; hier lag der Schwerpunkt nicht so sehr auf Technik, sondern auf der Entwicklung der Gemeinschaft und dem Aufbau einer Entwicklungsstrategie im Hinblick auf das kulturelle Erbe und einer Identität ähnlich einem Markenprodukt, um eine Vision für die Zukunft zu schaffen. Ich muss sagen, dass unserem polnischen Freund Waclaw Idziak viel Lob gebührt, denn er ist meiner Meinung nach ein gutes Beispiel für einen regionalen Informationstrainer. Der Besuch in Großbritannien wurde von der University of Teesside im Nordosten Englands ausgerichtet. Das Programm wurde von jemandem organisiert, den ich als den perfekten regionalen Informationstrainer bezeichnen würde: Steve Thompson, ein Universitätsangestellter. Steve Thompson ist ein Ex-Stahlarbeiter und Rockmusiker mit einer Leidenschaft für seine Gemeinde. Er organisierte Besuche bei Gemeinde-Lernzentren, Telezentren, volkskundlichen Museen und sogar ein Internet-Quiz in einem traditionellen Pub.

Was haben wir nun bei diesen Workshops und aus den Erfahrungen unserer Zusammenarbeit gelernt? Mir scheint, dass folgende Themen in all diesen Beispielen für gute Praxis zu finden sind:
  • das kulturelle Erbe,
  • Lernen und Innovation,
  • Gemeinschaft und Zusammenarbeit,
  • IKT als Innovationsfaktor,
  • und echte Partnerschaften im öffentlichen, privaten und freiwilligen Bereich.

Das sind die Zutaten, aber die Mischung ist in verschiedenen Situationen unterschiedlich. Damit komme ich zu dem Konzept des regionalen Informationstrainers, der als Katalysator für eine wirklich nachhaltige Entwicklung in ländlichen Gemeinden wirken kann. Die Menschen, die ich hier vorgestellt habe, haben Qualitäten, die für eine solche Position wichtig sind:
  • Sozialer Unternehmergeist
  • Akzeptanz über Bereichsgrenzen hinweg
  • Visionäre Anschauungen
  • Innovation
  • Technische Bildung
  • und vor allem flexibel und zum Erfolg entschlossen.

Aus der Gemeinschaftsperspektive gibt es nach meiner Erfahrung drei wichtige Faktoren, die den Erfolg eines Projektes bestimmen und die ausgewogen sein müssen:
  • Eine visionäre Führung von oben,
  • Engagement von der Basis in einer Gemeinschaft
  • und die notwendigen finanziellen Mittel, Infrastruktur und Menschen.

Dies alles ist für den Erfolg notwendig.
Meine Schlussfolgerungen sind daher: Regionale Informationstrainer und die Entwicklung ihrer Fähigkeiten sind grundlegend für den Erfolg.

Projekte sind um Telezentren der Gemeinden und Lern- und Innovationsmittelpunkte angesiedelt. Vielfalt ist wichtig, und das Kulturerbe wird eine wichtige Rolle bei der Strategieentwicklung spielen. Wir müssen noch Modelle für eine nachhaltige Entwicklung finden, die universell eingesetzt werden können. In jedem Projekt ist es wichtig, global zu denken, aber lokal zu beginnen.

Nachfrage aus dem Publikum
Sie haben das Beispiel von einem Telezentrum in Ihrer Gemeinde vorgestellt und ich frage nach, ob Sie meinen, dass solche Telezentren empfehlenswert für andere Gemeinden sind. Da muss man sicher berücksichtigen, wie viele Menschen in dieser Gemeinde leben. Wie groß war Ihre Gemeinde? Wie sah die Finanzierung aus?

David Wortley
Das Gemeindelernzentrum ist in einer Marktstadt angesiedelt und hat einen Einzugsbereich, der ca. 70 Kleinstädte umfasst. Die Startfinanzierung erfolgte durch ein Programm in Großbritannien mit dem Titel "Community access to life-long learning". Das Programm finanziert in erster Linie technische Ausstattung und diese umfasst das Gemeindelernzentrum, eine Computerschule und Informations- und Kommunikationstechnologie für den Einsatz im Bildungswesen, ein Multimediacenter, einen Community-Radio-Sender und öffentliche Internetzugangspunkte in den Städten. Die britische Regierung stellt darüber hinaus Mittel zur Verfügung, die wir 'revenue funding' nennen. Das ist eine Anfangsfinanzierung, die Projekten die ersten Schritte ermöglichen soll.
Aber es ist wichtig, dass Projekte nach der Startphase finanziell selbständig und unabhängig werden. Die Projekte müssen nach Wegen suchen, wie sie nachhaltig Einkommen generieren können. Viele Projekte schaffen es, indem sie autorisierte Trainingskurse anbieten. Es gibt in Großbritannien Programme, bei denen die Regierung 80 Prozent der Trainingskosten trägt, so dass die Teilnehmenden nur noch 20 Prozent selbst zahlen müssen. Das hilft den Projekten, Einkommen zu generieren und die Lernzentren oder zumindest Teilbereiche davon dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Meiner Ansicht nach gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Geschäftsmodellen, die von diesen Centern ausgehen können, von Gemeinderundfunk über die Bereitstellung von virtuellen Klassenräumen, Geschäftszentren und Marketingaktivitäten für verschiedenen Produkte, die dafür sorgen können, dass ein solches Center sich wirtschaftich selbst tragen kann. Und das ist nicht nur meine Einschätzung, in der Welt finden sich viele erfolgreiche Beispiele für derartige Telezentren, in denen Bildungsangebote und Gemeindeentwicklung gleichermaßen betrieben werden.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Wir werden auf diese Frage im Laufe der Präsentationen bei mindestens jedem zweiten Vortrag zurückkommen. Solche Zentren, die im Einzelnen doch sehr unterschiedliche Zuschnitte haben, sind im übrigen gar nicht so neu. Schon Anfang der 90er Jahre gab es Programme - sowohl in Großbritannien als auch in Dänemark - für Tele Cottages, in Deutschland Telestuben. Das ist die institutionelle Richtung. Die andere versucht, mehr in die Breite zu qualifizieren. Interessant fand ich an dem Vortrag, dass das Berufsbild der Facilitators, um die es dann geht, nicht übersetzt wurde. Da scheint uns das deutsche Wort noch zu fehlen.
Aber wir haben leibhaftige Information-Coaches. Im nächsten Projekt wird Frau Michael vom Deutschen Landfrauenbund IT-Landfrauen vorstellen. Frau Michael hat in der DDR noch im Bereich des Kraftwerk-Anlagenbaus gearbeitet, ist seit 1998 beim Deutschen Landfrauenverband, hat sich dort zunächst mit Fragen der Existenzgründung beschäftigt, aber seit 2002 das Modellprojekt IT-Landfrauen - neue Medien für Landfrauen - begleitet und wird uns aus dieser Tätigkeit ein praktisches Beispiel für Regional Information Coaches bringen.

Dr. Monika Michael: Die Strategien der LandFrauen im IT-Zeitalter

Diskussion des Vortrags von Dr. Monika Michael

Nachfrage aus dem Publikum
Zur Ausbildung der Landfrauen eine konkrete Frage: Wie wurde die Ausbildung zentral organisiert? Waren auch Tele-Learning-Komponenten dabei?

Dr. Monika Michael
Die waren dabei. Es war berufsbegleitend, das heißt, es waren sechs Module in einem Jahr und zwei Erweiterungsmodule. Ein Modul bestand aus 4 Tagen von Montag bis Donnerstag, an der Andreas-Hermes-Akademie in Bonn. Ansonsten gab es Elemente des IT-Learning, ein virtuelles Klassenzimmer, eine gewisse Betreuung durch die Trainer. Es hatte sich dann ganz schnell ein Netzwerk herausgebildet. Die IT-Landfrauen haben sich untereinander ganz hervorragend unterstützt.

Nachfrage aus dem Publikum
An welchen Orten kamen die IT-Landfrauen in Kontakt mit ihren Zielgruppen?

Dr. Monika Michael
Wir haben sie ausgewählt über ein Bewerbungsverfahren, haben das aber so gestreut, dass aus allen Landesverbänden, der deutsche Landfrauenverein hat 22 Landesverbände, IT-Landfrauen dabei waren. Das hing von der Stärke der Landesverbände ab. Über ihre Strukturen vor Ort sind sie auch tätig.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Gibt es von dieser Seite her auch das Bedürfnis, einen Ort zu haben, an dem man solche Tätigkeiten privilegiert - in Kontakt mit den Zielgruppen, die das Internet suchen - auch aufnehmen kann? Das ist ja die Thematik des regionalen Informations-Coaches, dass es auch mit einem Ort verbunden ist. Wo findet der Kontakt mit den Zielgruppen statt?

Dr. Monika Michael
Die Zielgruppe sind ja in erster Linie die Landfrauen. Der Landfrauenverband hat eine ausgeprägte Struktur. 22 Landesverbände, 340 Kreisvereine und über 12.000 Ortsvereine. Das Leben spielt sich eigentlich in diesen Ortsvereinen ab. Diese Struktur wird von den Damen genutzt, indem sie dort Vorträge halten.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Wir werden die unterschiedlichen Wege sehen. Hier ist sozusagen eine existierende Organisationsstruktur, die sich um Vermarktung und alle möglichen Dinge kümmert, und jetzt das Thema Computer und Internet aufnimmt und über die Weiterbildungsangebote dieser Vereinsstruktur an die Mitglieder trägt.
Wir hatten darüber gesprochen, das ERDE-Projekt interessiert sich gerade für die Professionalisierung: Gilt das allgemein für die ländliche Bevölkerung, das ist ja die Idee bei den Tele-Zentren, sozusagen eine Binnendifferenzierung aus einer Institution heraus?

Hier haben wir ein Beispiel, wo für spezielle Teilgruppen etwas passiert: Das nächste Projekt, das jetzt vorgestellt wird, geht noch mal einen anderen Weg: Man kann sich fragen, wie viel Professionalisierung muss überhaupt sein, weil es ja auch Befürworter eines Peer-to-Peer-Teaching gibt, wo der eine die Erfahrung, die er vielleicht gar nicht professionell erlangt hat, an andere weitergibt.

Nun heißen die Regional Information Coaches Senior-Internet-Helfer und -Helferinnen. Und hier ist die Idee, dass eben Senioren ihre Kompetenz direkt an andere Senioren weitergeben. Herr Marquard vom ZAWiW wird dieses Projekt vorstellen. Das Projekt selbst wird im Rahmen einer Landesinitiative des Landes Baden-Württemberg gefördert, wo es in einer ganzen Reihe von Projekten darum geht, die Digitale Integration auf dem Land zu fördern. Wir haben Herrn Winchenbach vom Projektträger und Herrn Reiss vom zuständigen Ministerium im Teilnehmerkreis, wenn es zum Programm und anderen dort geförderten Projekten Fragen gibt.

Markus Marquard: Senior-Internet-HelferIn im ländlichen Raum

Bis die Präsentation aufgebaut ist, möchte ich etwas zum ZAWiW zu sagen. Das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung ist an der Universität Ulm für das Senioren-Studium zuständig, das heißt, unsere Zielgruppe sind ältere Menschen. Uns geht es darum, neben den Angeboten, die wir im Kontext des Seniorenstudiums machen, Modellprojekte umzusetzen, in denen es hauptsächlich darum geht, nachberufliche Tätigkeitsfelder im bürgerschaftlichen Engagement für ältere Menschen zu öffnen und damit die Potentiale älterer Menschen für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Unter diesem Vorzeichen steht auch das Projekt Senior-Internet-HelferIn, ein Projekt das wir für den ländlichen Raum im Jahr 2004 gestartet haben. Bis Ende 2006 wird das gehen. Die Idee ist, Internethelfer, ehrenamtliche Multiplikatoren zu schulen, die dann vor Ort in Anlaufstellen bilden, sogenannte Senior-Internet-Initiativen, die den Einstieg begleiten und auch bei den Problemen weiterhelfen. Eine häufige Erfahrung, nicht nur bei älteren Menschen ist, dass, wenn sie einmal den Einstieg geschafft haben, es ganz oft so ist, dass es beim Auftauchen der ersten Probleme zu Frustrationserlebnissen kommt und sie dann nicht weitermachen.

Diskussion der Präsentation von Markus Marquard

Nachfrage aus dem Publikum
Nutzen Sie bei der Unterstützung der älteren Menschen auch die Möglichkeit des Application Sharings, wo sie sozusagen online mit dem Enduser Probleme besprechen und tatsächlich zeigen können wie die Lösungen aussehen?

Markus Marquard
Wir haben das in einigen Modellfällen gemacht. In der Regel ist das aber kein gangbarer Weg, weil das voraussetzt, dass der Anwender auf der Seite des Problems in der Lage ist, es einzuschalten und so freizuschalten, dass auch nur die Leute darauf einen Zugriff haben, von denen er das möchte. Ich denke, dass wir irgendwann dahin kommen, aber augenblicklich ist es problematisch.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Das waren jetzt zwei Projekte, die sich mit unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen für Trainer und Trainerinnen beschäftigt haben. Landfrauen für Landfrauen, Senioren für Senioren. Das nächste Projekt wird von Herrn Adolf Jändl, Ministerialrat a. D. und heute Geschäftsführer der Regionetz GmbH in München, geschildert. Da ist gar nicht die Rede von Qualifizierung. Das Projekt geht sogar eine Stufe zurück und sagt: Welche Zukunft hat der ländliche Raum, beziehungsweise, was kann man tun, um einen Planungsprozess zu leiten, der dem ländlichen Raum wieder eine bessere Zukunft eröffnet?

Adolf Jändl: Projekt Alp-i-ville

Diskussion der Präsentation von Adolf Jändl

Nachfrage aus dem Publikum
Die römisch-katholische Kirche spielt ja eine wichtige Rolle, man sieht sie hier auf dem Bild im Zentrum des Dorfes. Gibt es eine Kooperation mit der Kirche? Wenn ja, in welcher Funktion ist sie? Wenn nein, warum nicht?

Adolf Jändl
Die spielt natürlich bei uns eine Rolle, auch an den anderen Standorten ist sie wichtig. Wir wollen ja neben dem alten Dorf das neue bauen. Natürlich ist das ein Problem, wie kann ich das alte Dorf in das Neue integrieren und umgekehrt. Ich nehme an, die Kirche wird im alten Dorf stehen bleiben und wird natürlich auch für das neue Dorf das katholische Zentrum bleiben. Aber das muss im Planungsprozess entwickelt werden. Im Laufe des Planungsprozesses entstehen enge Dispositionen, damit wir keine Vorbehalte entstehen lassen, gewisse Konkurrenzen, sondern damit wirklich die Bürger des alten Dorfes in den Planungsprozess einbezogen werden.
Die Dörfer sind zufällig entstanden, wir haben in Italien über das Internet angeboten, Interessenten aus Norditalien konnten sich melden. Daraufhin haben sich zwei engagierte, technikorientierte Bürgermeister gemeldet. In Bayern ist es ähnlich gelaufen. In Österreich in der Steiermark war es sehr schwierig, wir haben mit sehr vielen Dörfern gesprochen. Das Hauptproblem war der Arbeitsmarktservice, der nicht bereit war, solche Qualifizierungsmaßnahmen zu fördern. Da sind wir dann in der Nähe von Graz und Kirchbach gelandet. Das ist ein Standort, der hervorragend aufbereitet ist mit den neuen Technologien.

Nachfrage aus dem Publikum
Gibt es im Zusammenhang mit dem Projekt und hauptsächlich der Schaffung von neuen Tele-Arbeitsplätzen fortgeschrittene Konzepte in Bezug auf Neugestaltung eines Dorfes, zur Neugestaltung von Schule, aber auch Steuerung moderner landwirtschaftlicher Technik, also Optimierung von dem, was normalerweise so im Dorf stattfindet?

Adolf Jändl
Sie können auf unserer Homepage www.regionetz-online.de eine 65-seitige Broschüre abrufen, in der diese Dinge beschrieben sind. Es ist ganz klar, dass wir z. B. moderne Formen der Telemedizin einsetzen wollen. Denn es ist wichtig, dass in diesen Dörfern, die ja zum Teil sehr abgelegen sind, insbesondere die medizinische Versorgung gesichert ist und die Nahversorgung mit einbezieht. Die umliegende Landwirtschaft soll dieses Dorf mit Nahrungsmitteln versorgen. Wir stellen uns das so vor, dass im engsten Raum die Immobilien stehen, das Dorf an sich, und in einem Ring um das Dorf die Landschaft als Freizeitort organisiert wird. Im Außenbereich kommt die Landwirtschaft, die die Nahrungsmittel produziert, die im Dorf verbraucht werden. Dort gibt es Überlegungen, wie man die Landwirtschaft organisieren kann, dass die Leute über das Internet ihre Nahrungsmittel bestellen können und dass gleichzeitig der Lieferprozess so organisiert wird, dass auch geliefert werden kann, wenn der Kunde nicht zu Hause ist. (…) Wir stellen uns vor, dass in diesem Dorf an ein bis zwei Tagen Tele-Learning für Schüler angeboten wird.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Den Abschluss der Vormittagsrunde bildet ein Projekt, das an einem speziellen Problem des ländlichen Raums ansetzt, nämlich dem Abwandern von Jugendlichen. Das Projekt zielt darauf, den Jugendlichen eine Identifizierung mit Ihrer dörflichen Umgebung zu vermitteln. Eben ging es noch um technikgestützte Planung, jetzt spielt Technik eine geringere Rolle. Es geht um Jugendarbeit mit unkonventionellen Methoden. Es ist das nächste Projekt innerhalb der ERDE-Lernpartnerschaft, das wir kennen lernen. Der Referent ist Piotr Andrzej Bochenek aus Malechewo in Polen.

Piotr Andrzej Bochenek: Themed Villages

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Das Resumee für die vier doch sehr unterschiedlichen Vorträge ist gar nicht so schwierig, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Man kann sagen, es geht um die Integration der Digitalen Integration in soziale Entwicklungsprozesse. Bei den ersten beiden Vorträgen ging es sehr gezielt darum, wie vermittelt man bestimmten Gruppen im ländlichen Raum Internetkompetenz. Bei den letzten beiden war das Thema, wie man einen Prozess in Gang setzen kann, der dem ländlichen Raum selbst Zukunftsperspektiven eröffnet. Wenn wir uns an den ersten Vortrag über die Landfrauen erinnern, in dem es darum ging, dieser Gruppe das, was sie ohnehin schon tut, mit technischen Mitteln nach vorn zu bringen und effektiver zu machen. Auch die vorausgegangenen Berliner Gespräche zur Digitalen Integration sprachen verschiedene Zielgruppen und Themen an: bildungsbenachteiligte Jugendliche, Chancen für Migrantinnen und Migranten, barrierefreien Zugang zum Internet und die Möglichkeiten des ländlichen Raums. Die gemeinsame Erkenntnis bei all diesen Themen war: Es kann nicht darum gehen, Technikkompetenz um ihrer selbst Willen zu vermitteln, denn das macht gar keinen Sinn, man findet niemanden, der sich da bewegt. Die Aktivitäten müssen immer eingebettet sein in bereits existierende Prozesse. Dann kann man schauen, wie man mit Technik diese Prozesse unterstützt. Deswegen ist es gar nicht so abwegig, die Frage eben nicht vom Internet her aufzudrehen, sondern zu fragen, welche Perspektiven man dem Dorf eröffnen kann. Dann kann man fragen, wie in dem Prozess selbst die Vision Technik ihren angemessenen Platz findet. Insofern ist dieses Schlagwort von der Digitalen Integration äußerst missverständlich und muss zurück genommen werden. Vielleicht reden wir in drei oder fünf Jahren nicht mehr über das Internet als Besonderheit, sondern hier über Dorferneuerung, da über berufliche Perspektiven. Wir unterstellen einfach, dass die Techniken hilfreiche Werkzeuge sind, wenn sie entsprechend eingesetzt werden.

Beitrag aus dem Publikum
Ich fand bei den ersten Beiträge eine sehr spannende Frage, dass eine Herausforderung darin liegt, welche Rolle das Internet auch im ländlichen Raum spielen kann. Es hat ja offensichtlich eine Doppelrolle. Einerseits eine Möglichkeit zur Kompensation von Abbau von Infrastrukturen, der offensichtlich passiert, unabhängig vom Internet. Auf der anderen Seite die Rolle in Bezug auf Abwanderung und auf den Abbau von Infrastrukturen. Mir scheinen da zentrale Herausforderungen zu liegen.

Franz Nahrada
Diese beiden Aspekte sind zweifellos gegeben und das Spannende ist: Sie sind gar nicht so klar unterscheidbar. Das heißt, wenn Abbau von Infrastruktur erfolgt, dann ist die landläufige Vorstellung: Wir holen uns vielleicht etwas herein, Telemedizin oder Bildung oder sonst eine Infrastruktur, von der wir glauben, dass sie in irgendeinem städtischen Netzwerkknoten angesiedelt und sozusagen über die Drähte in den ländlichen Raum transportiert werden kann. Es ist jedoch so, dass das Internet uns unter Umständen auch die Möglichkeit gibt, vor Ort Substitutionseffekte hervorzubringen und Eigenaktivierung zu fördern, die diese Infrastruktur ersetzen oder unterstützen können. Das heißt, es ist ein mehrdimensionaler Prozess, der da ausgelöst wird. Denn auch die beste Telemedizin kann nichts nützen, wenn vor Ort niemand da ist, der sie versteht. Wenn man das Beispiel weiterdenkt: Der Mediziner, der der Mittler ist zwischen der Infrastruktur, die jetzt telematisch diagnostische Funktionen bereitstellt, der muss sich selbst verändern, um diese Portalfunktion vor Ort erfüllen zu können. Er muss "empowered" werden und auch bei diesem Empowerment-Prozess spielen die neuen Medien eine ganz wichtige Rolle. Das ist diese spannende Mehrdimensionalität dieses Prozesses.

Beitrag aus dem Publikum
Fangen wir bei den Landfrauen an: Was machen wir denn da, wo wir keinen DSL-Anschluss haben? Wollen Sie da einen Kurs machen, bei dem Sie eine halbe Stunde vor dem Computer sitzen und warten, dass sich irgendeine Homepage aufbaut? Ich denke, bevor wir diese Schiene weiterverfolgen, was ich für richtig halte, muss parallel zumindest überall dort im ländlichen Raum, wo noch kein DSL ist, auch DSL hinkommen. Und es ist ein verdammt schwieriges Geschäft, wenn sie mit der Deutschen Telekom verhandeln müssen, wie die Wirtschaftlichkeitsrelevanz aussieht, bei fünf Teilorten mit insgesamt fünfzehnhundert oder achtzehnhundert Einwohnern. Den Aspekt dürfen wir auch nicht vergessen, weil wir nämlich sonst ganz schnell eine Situation haben, dass wir die Leute zwar qualifiziert haben, aber die Leute ihre Qualifikation gar nicht richtig anwenden können.

Franz Nahrada
Natürlich ist dann auch die Frage, ob sich nicht im ländlichen Raum auch neue Formen der Infrastrukturversorgung eigenständiger herausbilden. DSL, das sind feste Telefonleitungen. Es gibt sehr oft Substitutionseffekte. Man sagt, wir machen Funkwolken, und diese Funkwolken haben im ländlichen Raum eine wesentlich größere Bedeutung in der Infrastruktur gewonnen, in einigen Gebieten in Österreich, z. B. in Retz, als DSL. Das sind aus lokalen Initiativen hervorgegangene eigenständige Infrastrukturprovider, die in Zusammenarbeit mit Versorgern ganz andere Formen von Infrastruktur aufbauen.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Der Infrastruktur-Aspekt ist natürlich wichtig. Ich war auf einer Tagung in Kanada. Da haben natürlich ländliche Region noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Da gibt es in der Tat Satelliten und andere Infrastrukturtechniken.

Gundel Hessemer, Arbeitskreis Neue Erziehung e. V.
Was ich besonders spannend fand an diesem Vormittag, ist der Unterschied zwischen den Nationen, oder auch anders gesagt, der Unterschied zwischen West- und Osteuropa. Ich denke an die Integration des Netzes in andere Prozesse, in Prozesse von Identitätsfindung. Ich denke, ein Dorf gibt sich einen Namen. Wir reden heute allenthalben davon: Schulen, Kindergärten, Städte sollen sich ein Profil geben. Alles muss mit einem Profil belegt sein, um sich kenntlich zu machen. Ein Dorf gibt sich ein Profil und damit einen Namen. Das ist der Inbegriff der Identitätsfindung, sich mit etwas einverstanden zu erklären, was dann darauf als Neues aufbauen soll. Ich frage mich, ob nicht das auch ein gangbarer Weg ist, diese technischen Probleme in den ländlichen Regionen noch einmal anders anzugehen. Denn ich vermute, in jedem Dorf werden es mehr sein, die sich für diese Dinge einsetzen, als wenn wir kommen und sagen, hier soll es die Technologie geben und da muss es Arbeitsplätze geben.

Beitrag aus dem Publikum
Ich stimme da nicht so ganz überein, dass das alles ohne DSL gar nicht funktionieren kann. Ich habe lange mit einem ganz normalen Modem-Anschluss gearbeitet in Berlin, enorm viel im Web gesurft. Geholfen hat mir der kostenlose Opera-Browser. Denn da kann man mit Knopfdruck einstellen, dass Bilder nicht angezeigt werden. Auf einmal bauen sich die ganzen Seiten ganz schnell auf, alles Textbasierte, und das reicht in der Regel. Ich habe damals an Online-Konferenzen teilgenommen mit mehreren parallelen Konferenzräumen, sehr schönen Oberflächen, mit siebzig Teilnehmern. Das war auch mit Modem überhaupt kein Problem. Wir haben jetzt multimediale Online-Konferenzen mit bis zu 40 Teilnehmern in 20 Ländern. Da gibt es eine kostenniedrige Lösung, und zwar simultanes Web-Browsing, Power-Point-Präsentationen, Auditionen in hervorragender Qualität. Da haben Leute aus ländlichen Regionen in Afrika teilgenommen. Das war ein professionelles Niveau. Die Leute waren ganz begeistert von diesen Lösungen.

Beitrag aus dem Publikum
Wir reden über Arbeitsplätze. Wenn ich ein kleines oder mittleres Unternehmen habe oder schaffen will, und beispielsweise Ausschreibungsunterlagen vom Hoch-Schwarzwald nach Wolfsburg, VW, schicken will. Wenn ich denen kein DSL gebe, wissen Sie, was dann passiert? Bis die Unterlagen in Wolfsburg sind, ist der Auftrag schon vergeben, und die Arbeitsplätze wandern weg vom ländlichen Raum - geschweige denn, wir schaffen neue. Das ist doch das Substanzielle an der ganzen Geschichte. Wir müssen die Leute trotz dieser Defizite im ländlichen Raum halten und möglichst neue Arbeitsplätze schaffen. Dazu reicht das Modem leider nicht aus.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Wir haben ja unterschiedliche Prozesse. Den einen, sich an der Planung zu beteiligen. Das hat natürlich andere technische Anforderungen, als wenn wir sagen, es müssen wirklich Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Betrieben angesiedelt werden.
Ich hatte noch die Frage, wie wir den Erfolg dieser Projekte messen? Einfach nur an der Anzahl derer, die bei der nächsten statistischen Befragung sagen, sie wären Onliner? Das war ja nicht das Ziel an sich. Wie kann man den Effekt messen? Das können wir dann in der Podiumsdiskussion erläutern. Da wüsste ich dann auch gerne, ob es zwischen den doch sehr unterschiedlichen Projekten innerhalb ihrer Lernpartnerschaft eine Diskussion über Indikatoren gibt und Evaluationen? War das ein größerer Schritt nach vorne oder ein kleiner?

Mittagspause

Fred Garnett: Community Development Model of Learning vorgetragen von David Wortley

Bernhard Haas: Niederösterreich ans Netz vorgetragen von Laurent Straskraba

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Wir bleiben in Österreich, aber wir wechseln noch einmal die Perspektive: Jetzt gehen wir wieder auf die Ebene der Dorferneuerung. "Open Source Villages" ist das Thema von Herrn Franz Nahrada. Er ist Leiter der GIVE Forschungsgesellschaft Wien.

Franz Nahrada: Open Source Villages

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Jetzt schauen wir noch ein wenig weiter nach Osten. Von Österreich nach Ungarn und werden etwas hören von Herrn Dr. István Bessenyei, Universität West-Ungarn.

Dr. István Bessenyei: Das elearning-Potential von ungarischen Telehäusern

Diskussion der Präsentation von Istvan Bessenyei

Nachfrage aus dem Publikum
Kann man die Idee des Regional Information Coach am Beispiel des Pfarrers in Hidség denn mit wirtschaftlichen Aspekten verbinden?

Dr. István Bessenyei
Das kann man. Wenn ich den Biogarten des Pfarrers anschaue, dann sind die Produkte da. Aber die Leute fahren in die nächsten Stadt in ein Warenhaus, und dort können sie das 30% billiger kaufen. Das wäre die Aufgabe, in dieser Wirtschaftsumgebung Marketing zu machen.

Beitrag Franz Nahrada
Vielleicht kann ich das ein bisschen beleuchten. Es ist nicht die Frage, ob man wirtschaftliche oder kulturelle Aspekte verbinden kann, sondern die Frage ist, wann man es sieht. Man sieht es besonders dann, wenn ein bestimmter Wirtschaftszweig in die Krise gerät. Dann breitet sich entweder Hoffnungslosigkeit aus, oder die Leute kommen sofort auf etwas Neues, und haben überhaupt kein Problem sich wirtschaftlich anzupassen. Wir hatten in Wien einmal einen Ökonomen eingeladen, das war Richard Knight. Der nannte das Ganze das "knowledge based development". Er hatte sehr viel Energie investiert in die Frage, welche Wissensbasis ein Ort aufweist. Das ist eine Frage der Kultur, eines Speichers für Informationen, die abgerufen werden können. Manchmal werden sie jahrzehntelang nicht abgerufen, weil sie kein Mensch braucht. Aber dann, wenn eben wirtschaftliche Aktivitäten in die Krise kommen, dann zeigt sich, wie stark und wertvoll die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Kultur sind.

Dr. István Bessenyei
Wir haben ein Telehaus, nicht weit von der österreichischen Grenze. Das ist ein Dorf, in dem Leute kroatischer Abstammung leben. Sie pflegen einen sehr regen kulturellen Austausch mit Kroatien, auch mit den wiener-kroatischen Gruppen, sie machen Tänze usw. Irgendwann tauchte die Frage auf: Wir haben einen Überfluss an Kartoffeln, was machen wir damit? Durch dieses kulturelle Netzwerk haben sie diese Kartoffeln an die Kroaten verkauft.

Iris Gebauer: Telearbeits- und Teleservicezentren im ländlichen Raum - Erfolgs- und Hemmnisfaktoren beim Aufbau

Podiumsdiskussion

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek: Vorstellung des Podiums
Herr Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, der sich dort mit allem, was "e" ist, beschäftigt - e-government, e-learning. Im Städte- und Gemeindebund sind auch kleinere Gemeinden vertreten, insofern der ländliche Raum.
Frau Gebauer haben Sie schon gehört.
Herr Professor Rebensburg vertritt Herrn Dr. Klumpp. Er gehört selbst nicht zur Alcatel SEL Stiftung. Andrius Kulikauskas vertritt den ERDE-Partner aus Litauen.

Franz Nahrada
Darf ich ihn vorstellen? Andrius Kulikauskas ist Begründer einer Parallelstruktur von Menschen an der Universität, einem Netzwerk von unabhängigen Denkern. Diese Leute sind an den Peripherien anzutreffen. Er ist einer derjenigen, die sehr radikal und mit großem persönlichen Engagement diese Menschen in ein globales Netzwerk der Zusammenarbeit hineinbringt.

Moderator, Prof. Dr. Herbert Kubicek
Herrn Nahrada haben wir auch schon gehört. Mit Jens Mofina, Geschäftsführer von City & Bits, haben wir dann einen weiteren ERDE-Lernpartner Deutschland.

In dem Programm waren vier Fragen für das Podium vorgegeben:
Was heißt überhaupt ländlich im europäischen Zusammenhang? Wodurch ist die Zielgruppe der Menschen auf dem Lande in den EU-Mitgliedsstaaten charakterisiert? Was unterscheidet sie also z.B. von Menschen in Städten? Liegt die geringe Internetverbreitung an der mangelnden Infrastruktur - DSL war ein Stichwort - oder an den nicht vorhandenen Erfahrungsorten und zielgruppengerechten Inhalten? Oder kumulieren in dieser Bevölkerungsgruppe - Menschen auf dem Land - nur andere Charakteristika von den im Internet Unterrepräsentierten, also die älteren, die weniger gebildeten und die einkommensschwachen Gruppen?
Die Fragen hatte ich in Vorbereitung für die Diskussion den Teilnehmern mit auf den Weg gegeben und würde bitten, dass jeder versucht, kurz und knapp die vier Fragen aus seiner Erfahrung, vor seinem Hintergrund zu beantworten.

Franz-Reinhard Habbel
Wir haben heute Morgen vor der Bundespressekonferenz ein Papier vorgelegt mit dem Thema: Ohne Wachstum und Arbeitsplätze in der Fläche kein Aufschwung, womit wir noch einmal deutlich gemacht haben, dass in Deutschland das Wachstum der Volkswirtschaft auch im Wesentlichen durch die Fläche getragen wird. Deswegen auch zur ersten Frage: Was heißt eigentlich ländlich? Ich sage es einmal negativ: Alles das, was nicht großstädtisch und städtisch ist, das ist ländlich.

Wir haben in Deutschland eine Situation, wonach 70 % der Bürger in ländlichen Regionen leben. 75 % aller Gemeinden in Deutschland haben weniger als 5.000 Einwohner. Das vergessen wir häufig, weil wir durch die Medien sehr stark auf Metropolen konzentriert sind. Hinzu kommt, dass im mittelständischen Unternehmensbereich mehr als die Hälfte aller Unternehmen Wachstum in der Fläche erzeugen. Daran sehen Sie, dass die Fläche in Deutschland auch für unser Land eine große Bedeutung hat. Noch ist heute auch der ländliche Raum Wachstumsmotor. Ich frage mich allerdings, wie die Situation später aussieht, wenn sich aufgrund von Veränderungen in den Wertschöpfungsketten in der Unternehmensstruktur die Dinge verändern und gerade schnelle Datennetze in den nächsten Jahren doch immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Ein Beispiel aus dem ländlichen Raum: In Appeldorn, einer Stadt im Sauerland mit 15.000 Einwohnern, gibt es einen kleinen Zulieferer von BMW, der Rückleuchten produziert. Das sind 150 Mitarbeiter. Diese Rückleuchten wurden bisher per UPS nach München ins Werk geschickt. Nun werden diese ganzen Konstruktionsarbeiten ausschließlich im Netz durchgeführt. Das heißt, es gibt keinen Versand mehr, sondern nur noch Datenübermittlungen. Wenn diese Ortschaft, dieser Betrieb nicht an das DSL, an Breitbandnetze angeschlossen wird, bedeutet es das Aus für die jeweilige Unternehmensgruppe in diesem Ort.

Das Problem ist, der Bürgermeister, die Politik kennt dieses Thema nicht, weiß auch nicht, wie die Dinge in den Betrieben aussehen. Schon sitzen wir in einer Falle, was letztlich auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Arbeitsraumes stark beeinträchtigt.

Zielgruppe im ländlichen Raum: Auch hier haben wir Unterschiede zu den städtischen Bereichen. Wir haben andere Wohnformen, andere Familienverhältnisse. Es leben mehr Kinder im ländlichen Raum. Die Senioren nehmen auch hier dramatisch zu, weil immer mehr Wanderungsbewegungen aus den großen Städten in die Ballungsrandzonen, aber auch in die ländlichen Zonen erfolgen. Das heißt für uns, dass wir in den nächsten Jahren auch andere Infrastrukturen brauchen, die sicherlich auch seniorengerechter sein müssen.

Stichwort geringe Internetverbreitung im ländlichen Raum: Auch hier ist ein Grund die mangelnde Ausstattung der Infrastruktur. Wir haben in Deutschland im Moment eine große Nachfrage von Bürgermeistern und Politikern aus dem ländlichen Raum nach W-LAN, nach Wireless, nach DSL, nach Wi-Max, wo inzwischen auch - zumindest in der Politik der Kommunen - diese Technologie angekommen ist, weil sie für Wachstum, für Bildungsbereiche usw. auch im ländlichen Raum eingesetzt werden kann. Aber uns fehlen hierzu entsprechende Strategien, wie wir dieses mit verschiedenen, auch alternativen Anbietern, in den nächsten Jahren in die Fläche hineinbringen. Ich denke, Breitband wird eines der ganz wesentlichen, entscheidenden Instrumente sein, um den ländlichen Raum zu vitalisieren. Das sollte eine unserer wichtigsten Forderungen sein.

Warum die Internetverbreitung relativ gering ist, liegt sicherlich an fehlenden Erfahrungsorten. Das hängt davon ab, wie diese Nutzung zur Zeit in den Schulen praktiziert wird. Auch hier gibt es regionale Unterschiede. Wir haben natürlich deutlich weniger Internet-Cafés als beispielsweise in den großen Städten und auch weniger W-LAN-Orte, also den Zugang über Wireless-Netzwerke zu verschiedenen Informationsanbietern.

Von der Zielgruppe her, was sind für Content-Angebote eigentlich vorhanden, sehe ich im Moment keinen Unterschied zwischen dem ländlichen Raum und den Städten oder Großstädten. Was die Bereitschaft zur Internetnutzung betrifft, auch hier - von der klassischen Analyse her, Stichwort: geringeres Einkommen, Bildungsmöglichkeiten, Anteil der jungen Population - sind Unterschiede vorhanden. Wir haben eine abweichende Einkommensstruktur, auch im Bildungsbereich sicherlich Disparitäten, so dass von der Seite her auch die Bereitschaft der Internetnutzung im ländlichen Raum nicht auf der gleichen Höhe liegt wie in den städtischen oder großstädtischen Bereichen. Was muss geschehen - das sollte die wichtigste Frage der heutigen Veranstaltung sein -, um den ländlichen Raum zu vitalisieren? Bei mir steht ganz oben auf der Liste: schnelle Datennetze auch in ländlichen Regionen, mobile Internet-Cafés, was auch den einen oder anderen Zugang zum Content, zum Inhalt ermöglichen könnte. Die Internetnutzung muss gerade im ländlichen Raum auch in den Schulen verstärkt werden. Damit meine ich nicht nur die reinen Anschlüsse, sondern auch die Frage, wie gehen wir in den Schulen mit dem Internet im Bereich des Content, der Inhalte, der Gestaltung der Unterrichtseinheiten um?

Darüber hinaus sollten wir darüber nachdenken, auch verstärkt Anstrengungen im Bereich von Veranstaltungen - Internetkurse im Bereich von Volkshochschulen oder Landfrauenbund oder wie die einzelnen Organisationen auch heißen - zu unternehmen, um die Affinität zum Internet zu erhöhen. Wir haben aber auch eine Reihe von Chancen im Bereich der Förderung des Tourismus, vielleicht Felder mit dem Bildungsbereich zusammenzulegen. Ich glaube, dass wir bisher noch nicht begriffen haben, dass unsere endogenen Potentiale im ländlichen Raum - gerade auch im touristischen Bereich - hochinteressant sind, sie mit Bildungsangeboten zu verschneiden, die ja immer stärker nachgefragt werden. Auch Unternehmen aus größeren Städten nutzen Schulungstage, um Bildungsaspekte am Vormittag mit kulturellen Highlights aus der Region zu verbinden. So könnte eine Verbindung zwischen Bildung Tourismus herbeigeführt werden.

Dass es im ländlichen Raum auch Chancen gibt, in neue Märkte hineinzugehen, will ich an einem kurzen Beispiel darstellen. Sie wissen, dass Ebay so genannte Experten zur Vermarktung von Produkten ausbildet. Hier gibt es Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern, wo junge Frauen sich da engagieren und als Makler für bestimmte Kinderwagen auftreten, die in einer bestimmten Form produziert werden und dann über eine solche dörfliche Stelle im Internet weltweit organisiert verbreitet und angeboten werden. Dafür ist es natürlich wichtig, dass gerade dieser kleine Ort in Mecklenburg-Vorpommern einen Anschluss ans Netz hat, sonst ist diese junge Frau, die dort als Maklerin auftritt, nicht in der Lage, sich in einem solchen weltweiten Netz als Anbieterin zu etablieren. Mir scheint auch wichtig darüber nachzudenken, Creative hot spots in Regionen zu hinterfragen, weil wir eine ganze Reihe von Wissenspotentialen haben, die dahin führen können, lokales Wissen auch in globale Wertschöpfungsketten einzubringen. Das ist eine große Herausforderung, das, was an Wissenspotentialen im lokalen Bereich vorhanden ist - wir haben das heute schon von Franz Nahrada gehört -, stärker auch global anzubieten und global zugänglich zu machen.

Das wären meine ersten Grundüberlegungen, um den einen oder anderen Ansatz in der Regionalität zu verbessern, im Lokalen die Digitale Spaltung zu vermeiden. Ich denke, wir haben große Potentiale im ländlichen Raum. Wir müssen sie schöpfen. Wir müssen aber auch in der Politik klare Verhältnisse schaffen, dass diese Metropolenzentriertheit, die wir heute in der Politik - zumindest in Deutschland - haben, nicht überhand nimmt, sondern dass wir auch unsere Möglichkeiten im ländlichen Raum nutzen können und dass wir unsere Politiken, unsere Fördermaßnahmen, unsere Finanzströme auch anders ausrichten.

Das gilt beispielsweise auch für die Finanzausgleichsmittel, die heute ja veredelt werden. Die Einwohner, die in Großstädten leben, bekommen mehr Geld aus dem gesamten Finanztopf als die ländlichen Gemeinden. Das muss geändert werden. Man kann es sogar umdrehen. Auch hier wäre denkbar, Finanzausgleichsmittel in Regionen zu geben, damit nicht eine einzelne Gemeinde dieses Geld erhält, sondern dass man in der Region auch durch Kooperationen zu einer effizienten und effektiveren Mittelbewirtschaftung beiträgt und in der Fläche auch Kernkompetenzen, die der Einzelne hat, zusammengeführt werden, um dadurch in der Regionalität durch Kooperation eine höhere Wirkung in der politischen Steuerung und Gestaltung zu bekommen.

Nachfrage Moderation
Herr Habbel, haben wir denn in Deutschland auf Bundesebene noch ministerielle Zuständigkeit für Raumordnung, ländliche Entwicklung?

Franz-Reinhard Habbel
Teilweise ja, das ist das Bundesbauministerium, was dieses Thema natürlich unter besonderen Aspekten aufgreift. Wir haben natürlich auf Länderebene in verschiedenen Ländern, wie in Baden-Württemberg, Ministerien für den ländlichen Raum, die auch explizit so heißen. Hieran sehen Sie schon, dass zumindest auf der Bundesebene der ländliche Raum nicht so sehr im Fokus der Politik steht. Ich denke, dass bei einem Neuzuschnitt der Ressorts auch in den nächsten Monaten darauf zu achten ist, inwieweit die Fläche in Deutschland eine höhere Bedeutung bekommt. Wir brauchen Adressaten, das ist ganz klar. Die Bundesregierung, aber auch der Deutsche Bundestag, hat sich heute Morgen noch einmal vehement gegen den Abbau der Postagenturen ausgesprochen. Das ist ein großes Problem in Deutschland, auch unter dem Aspekt der Universaldienstleistungen, die ja - im Gegensatz zu anderen Ländern - bisher nicht den Bereich DSL oder Telekommunikation umfassen. Hier muss nachgebessert werden. Wir fordern auch von der Bundespolitik, solche Services nicht abzubauen, sondern aufzubauen und möglicherweise auch Finanzmittel in diese Maßnahmen zu stecken, um Unternehmen wie die Deutsche Post AG, die ja im Wettbewerb stehen, in die Lage zu versetzen, hier solche Grundinfrastrukturen aufrecht zu erhalten, wie das beispielsweise in England der Fall ist.

Iris Gebauer
Eine kurze Anmerkung nicht nur aus Sicht der Forschungsprojekte, sondern auch aus Sicht der Wissenschaften: Wenn Geographen vom ländlichen Raum reden, unterscheiden sie, wie auch Sie, zwischen städtischen und ländlichen Räumen, aber wir versuchen, diese Heterogenität von ländlichen Räumen in der Wissenschaft zu reflektieren. Welche Entwicklungspotentiale gibt es z.B. in Richtung Tourismus? Aber auch die Chancen der Internetnutzung, wobei da die Frage ist, inwieweit die Infrastruktur schon aufgebaut ist.

Ich möchte die Fragen auch gerne im Zusammenhang mit der Zielgruppe behandeln. In der zweiten Frage heißt es ja, wodurch die Zielgruppe im ländlichen Raum charakterisiert ist.

Da müsste man von der sozialwissenschaftlichen Schiene bedenken, dass das familiäre Umfeld im ländlichen Raum ein anderes ist. Das Leben ist ein anderes, aber auch die sozialen Netzwerke sind andere. Zumeist - nicht in jedem ländlichen Raum, es besteht eine große Heterogenität - sind die Sozialnetzwerke im familiären, im verwandtschaftlichen Verhältnis sehr viel stärker ausgebaut als im urbanen. Im Urbanen sind es eher die Berufskollegen, die Familien, aber auch Freunde, Bekannte das Terrain, mit dem man umgeht.

Das hat auch damit zu tun, wie die Zielgruppe überhaupt an Medien herankommt. Wenn wir aus der Cyber-Geographie z.B. wissen, wodurch die Verbindung zum Internet des Individuums, des Nutzers kommt, dann erfahren wir häufig, dass a) die berufliche Tätigkeit damit zu tun hat - wenn ich im Beruf schon mit Internet in Verbindung gekommen bin, werde ich mir für zu Hause auch einen PC anschaffen - und b) durch Kinder. Zum Beispiel haben wir häufig erfahren, dass ältere Herrschaften, Leute, die nicht berufstätig sind, aber Kinder haben, durch Kinder, Jugendliche zum PC kommen. Das ist auch ein Ansatz für die Zielgruppe im ländlichen Raum.

Die Personen, die nicht berufstätig sind, haben eine größere Hürde mit dem Internet zusammenzuarbeiten, weil sie eben nicht berufstätig sind und dadurch überhaupt keinen Bezug dazu haben. Das heißt, hier müssten Erfahrungsorte geschaffen werden, um diese Personen ans Internet zu bringen bzw. Nutzen und Bedarf herzustellen. Die fehlende Infrastruktur ist für die Verbreitung des Internet ein Problem. Wir haben vorhin in einem Kommentar gehört, dass es durchaus Individuallösungen gibt. Aber ich denke, es ist schon eine gesellschaftspolitische Frage, ob wir das als Infrastrukturmaßnahme langfristig fördern möchten, das heißt, breitbandige Datenleitungen in den ländlichen Raum zu legen.

Zum letzten Punkt wissen wir natürlich auch aus Studien, wo Internet und warum Internet genutzt wird. Natürlich ist es sowohl im städtischen als auch ländlichen Raum so, dass Einkommen und Alter eine Rolle spielen. Da ist die Zielgruppe sehr vergleichbar zwischen städtischem und ländlichem Raum.

Prof. Klaus Rebensburg
Dr. Klumpp hat mich gebeten ihn zu vertreten. Ich habe etwas mit der Alcatal SEL Stiftung für Kommunikationsforschung zu tun. Die hat in Berlin eine Dependance, die sich Stiftungsverbundkolleg Berlin nennt. Dort geben wir auch immer die Tagungen der hiesigen Stiftung bekannt und ich glaube, umgekehrt geht das genauso. Die Themen der Alcatel Stiftung sind Ihnen vielleicht bekannt: Informationsgesellschaft, das ist das Gebiet, das ich vertrete, E-Government, Bildung und neue Medien, Telearbeit und Verkehrstelematik. Wachstum in der Fläche ist das Stichwort, an dem ich immer wieder zusammenzucke, ländlich und städtisch. Ich bin da ein Kind in beiden Richtungen. Ich forsche an der Technischen Universität in Berlin und lehre auf dem Lande, nämlich in Babelsberg bei Potsdam, habe also auch die Studenten bei mir, die dann zwei Stunden mit dem Regionalzug fahren, um Wireless-LAN an der Universität zu haben.

Die erste Frage war: Was heißt ländlich/rural im europäischen Zusammenhang? Ich habe einige Erfahrungen, bin aber doch mehr von der Technik geprägt, weil ich Informatik lehre. Ich habe einmal an einem Projekt Virtuelles Softwarehaus in Berlin-Brandenburg 1997 teilgenommen. Das ging von der virtuellen und realen Versammlungslust der verstreuten Menschen oder auch kleinen Firmen aus - in Klammern: Tausende. Man hatte sich vorgenommen, da den ländlichen Raum zu erobern. Das Motto war Kooperation, ein Internetportal und ein Handbuch der Kooperation. Das war ein bisschen durchgängig geplant. Die Gründungsinitiative ging von den klein- und mittelständischen Firmen von Berlin und Umgebung aus.

Ich erinnere auch den Ansatz, dass man zum Internet-Arbeiten und -Lernen sich in zentralen Gemeindehäusern, in Telebüros, zusammenfand. Anlässlich dieser Tagung habe ich im Internet geschaut, finde allerdings unter dem Virtuellen Softwarehaus Berlin-Brandenburg nur noch eine Berlin zentrierte Angelegenheit, das heißt ein Angebot der Fachanwendungen für alle möglichen E-Government- und auch Bürgeranwendungen, aber doch vorwiegend aus größeren Firmen dieser Hauptstadtregion, der Hauptstadtmitte beschickt.

Wahrscheinlich entspringen heutige Ansätze ländlich/rural mit Internet zu beglücken einem ungebrochenen städtischen Wachstumsdenken. Das ist mein Verdacht und der hat sich eigentlich hier erhärtet - da muss doch was zu verstädtern sein, wachsende Bevölkerung, wachsende Siedlungen, wachsende Mobilität sind die Schlagworte. Wer kümmert sich aber um Konzepte wie die schrumpfende Stadt - siehe Ostdeutschland - oder eine aktive Verländlichung. Lassen Sie sich das mal auf der Zuge zergehen. Da ist niemand so richtig dabei aktiv zu verländlichen. Wenn Sie sich dieses Gedankenkonzept einmal machen, wie sieht dann wohl eine ländliche Gegend aus, die Sie verkleinern. Haben Sie ein gutes Konzept für die Verkleinerung, das smart und zukunftsträchtig sein soll? Zweite Frage: Wodurch ist die Zielgruppe der Menschen auf dem Lande charakterisiert? Auch dort wieder die Warnung: Es gibt verschiedene Ansichten. Die europäische Diskussion - Zielgebietdiskussion versus Erhalt von Kultur und Landschaft, diese Siedlungsbrei-Tendenz, man möchte doch mehr Häuser, mehr Firmen, mehr Arbeitsplätze haben - führt in jedem der Mitgliedsstaaten eher zu einer simplen Zielprojektion: Was gut für die Stadt ist, muss auch gut sein fürs Land.

Liegt die geringe Internetverbreitung a) an mangelnder Infrastruktur? Aus meiner technikgeprägten Sicht: ja. Die Kosten der Infrastruktur sind das maßgebliche Argument. Dabei ist es eigentlich der Mangel an Wettbewerb, der die Verbreitung hemmt. Das können Sie sogar in großen Städten sehen. In Berlin ist die Ausbreitung von DSL nachweislich gehemmt worden, weil in Berlin kein Wettbewerb war. In Hamburg war Wettbewerb und Sie haben dort in der Anfangszeit eine sprunghaft große Entwicklung von DSL-Anschlüssen gehabt, während Berlin hinterher hinkte. Inzwischen ist es anders geworden. Inzwischen haben wir die Provider, die in Hamburg angeboten haben, auch in Berlin.

Die Erfahrungsorte - der andere Teil der Frage - sind immer hilfreich für Kommunikationsinfrastrukturen. Auch die Internetentwicklung ist am Anfang von den Hochschulen oder vom Militär zu den Hochschulen ausgegangen. Die Städte sind immer enger vernetzt und bieten mehr Dichte, mehr Möglichkeiten, Internetcafés, Hot-Spots, aber das ist es dann auch.

Ob es ein Mangel an zielgruppengerechten Inhalten gibt? Nein! Kaufen, Googeln, Wikis und Blogs, das reicht allemal. Ob ich auf dem Lande bin oder in der Stadt, ist für mich kein Unterschied. Ich sage das eher provozierend, wir haben ja heute anderes gehört - man möchte den lokalen Content sehen. Ich glaube aber eher, es sind übergeordnete gesellschaftliche Kräfte, die den Trend zur Verstädterung propagieren, deren Opfer wir sind. Das Internet wird den ländlichen Raum nicht retten oder auf einen neuen Weg führen.

Die letzte Frage: Kumulieren in dieser Bevölkerungsgruppe Faktoren wie Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen, die auch allgemein Einfluss haben auf die Bereitschaft zur Internetnutzung?

Ich würde sagen, das ist sekundär. Warum alle Altersgruppen, alle Bildungsschichten und alle Reichen und Armen darauf getrimmt werden sollen, das Internet gleichwertig zu nutzen - ich weiß es nicht. Nach langer Erfahrung in all diesen Räumen muss ich sagen, diese Frage hat sich mir erst sehr spät gestellt. Es muss wirklich nicht sein. Gleiche Chancen heißt doch nicht gleiche Werkzeuge und Lebensgrundsätze. Und generell, das mit der Verschriftlichung - auch diese Zweifel sind mir erst in den letzten Jahren gekommen - und der umfassenden Verbildlichung und Ver-Virtualisierung, also alles am Display, alles am Terminal, alles in diesen Büros, über die Sie sprechen, das kann doch nicht ewig gesteigert werden. Denken Sie noch einmal an das, was ich am Anfang sagte. Wenn Sie das Dorf verkleinern, brauchen Sie dann wirklich diese gigantischen Wissensexplosionen zur Fortbewegung? Ich möchte es bezweifeln.

Der Fokus sollte wieder dahin zurückgesetzt werden können, nachdem auch das Internet Gegenstand des täglichen Lebens geworden ist, was wir gesellschaftlich wollen. Und als kleine Anregung würde ich Ihnen empfehlen einmal zu durchdenken, wie es mit einer digitalen Pflegeversicherung für folgende Wirtschaftsdynamik wäre. Das scheint mir das Kernproblem zu sein. Die Wirtschaftsdynamik hat uns eingebrockt, dass wir hinter dem Internet herlaufen müssen, damit wir Arbeitsplätze haben und zukunftsträchtig sind. Aber so eine Pflegeversicherung wäre doch viel besser, denn es sind ja noch weitere Folgen. Da kommen nicht nur die Digitalen Chancen, sondern danach die Wissensgesellschaft, dann die Biogesellschaft. Immer wieder sind wir als Volk da hinterher oder zu spät dran und haben Barrieren. Da würde so eine Versicherung doch helfen.

David Wortley
(deutsche Übersetzung am Ende des Beitrags)

In the UK, we tend to think of rural communities as being communities which are isolated and without infrastructure like roads, which are expensive to provide simply because there isn't the critical mass of people in these locations to provide these services. But the same phenomenon that affects rural communities also affects other locations like market towns and some inner city areas. I tend to think more in terms of the problems which are associated with these types of communities, and these are the loss of services that I mentioned earlier: post offices, banks, schools. And if it were just left market forces to provide these services in these communities, then we would just see a decline in the rural economy.

So, how do we address these issues - poor communities, which don't have a critical mass? I have heard described the way the UK government approaches some of these problems as the European way, which I have heard described as a mixture, a combination of market forces and government intervention and government strategies, which makes money available to shape the way society develops. So where it is financially uneconomic to provide infrastructure and services to some of these communities, the government through their financial intervention makes money available to encourage innovation and social enterprise as a catalyst to help communities take responsibility for their own futures as a community.

I think this is the biggest problem with globalisation and with the choice of communication facilities that we have available in our society today. We have so much freedom of choice that this leads to the disintegration of the notion of community.

It is interesting to compare what is happening in the UK and in other countries in Europe with what happens in other parts of the world. And a lot of it is to do with cultural heritage and politics. If I give maybe just a couple of examples of different approaches in different countries: in India for example, they are a very entrepreneurial society, and so the government provides small amounts of money to encourage individual entrepreneurs to set up their télé-cabines, their IT access points, their telephone access points. And as a strategy, it has transformed the economy into something, which is quite powerful. And in rural communities in India - and I think you find the same in Africa - their culture is to a large extend much more community-based. They are used to sharing technologies and making them available to the rest of the community. So they are very well placed to take advantage of these kinds of strategies.

But in other countries, which maybe have more of a socialist or communist background, they are more used to having governments put everything in place for them without the innovation and enterprise. I think there are differences between what happens in inner cities and in rural areas, but the types of solutions, which are appropriate, in both rural areas and inner cities, are quite similar. They are initiatives, which are driven by civil society, by social enterprise, by corporate social responsibility and all of these factors come to play in trying to once more recreate the notion of community, groups of people working together to be able to shape their own future. So, where you get this type of situation - and we have heard lots of examples from different countries today - this acts as a driver or catalyst to attract the investment to provide the infrastructure and services that we need in rural economies.

The main reasons, I think, for low internet penetration, where this exists, tend to be where you don't have local enterprise, social enterprise as a driver, where this is absent. And you can find it - if you talk about rural communities - if you look at some of the rural communities in the UK and I include my own market town as an example of it - my town has a population of about 20,000 people. And a few years ago, the railway station was significantly improved and instead of a train to London every two hours, they introduced a train to London every 30 minutes. And now, what we found is that almost four times as many people travel to London to work. So they sleep in the town and work in other cities, because this is where they find their livelihood. And I think this very unhealthy. I think in village communities where you have people who can find employment outside, where they don't have a driver, these are the situations where you also tend to find low internet penetration, because they are not aware of what it can do for them.

Übersetzung:
In Großbritannien werden ländliche Gemeinden häufig als isoliert betrachtet, ohne Infrastruktur wie z. B. Straßen, deren Bereitstellung teuer ist, einfach weil es hier nicht die kritische Masse an Menschen gibt, denen man Dienstleistungen anbietet. Aber das gleiche Phänomen trifft auch auf andere Orte zu wie Marktstädte und einige Innenstadtbereiche. Ich denke da mehr an das Problem, das dieser Typ Gemeinde hat, und das ist der Verlust von Dienstleistungen, den ich bereits erwähnte: Postämter, Banken, Schulen. Und wenn man es nur den Marktkräften überlässt, in diesen Gemeinden Dienstleistungen bereitzustellen, dann könnte man nur einen wirtschaftlichen Rückgang der ländlichen Gemeinden beobachten.

Also wie gehen wir mit diesem Problem um - arme Gemeinden, die keine kritische Masse haben? Ich habe gehört, dass die Art, wie die britische Regierung einige dieser Probleme angeht, als die europäische bezeichnet wurde, die als eine Mischung, eine Kombination aus Marktkräften und Intervention und Strategie der Regierung beschrieben wird: Zur Gestaltung der gesellschaftlichen Entwicklung wird Geld zur Verfügung gestellt. Das heißt, wo die Bereitstellung von Infrastruktur und Dienstleistungen für einige dieser Gemeinden finanziell unwirtschaftlich ist, stellt die Regierung Mittel zur Verfügung, um Innovation und soziales Unternehmertum zu fördern, die als Katalysator dafür dienen, dass die Gemeinden Verantwortung für ihre Zukunft als Gemeinschaft übernehmen.

Ich glaube, dies ist das größte Problem bei der Globalisierung und bei der Auswahl der Kommunikationseinrichtungen, die uns heute zur Verfügung stehen. Wir haben eine so große Wahlfreiheit, dass dies zu einer Auflösung der Idee von Gemeinschaft führt.

Ein Vergleich zwischen dem, was in Großbritannien und anderen europäischen Ländern passiert, und den Ereignissen in anderen Teilen der Welt ist interessant. Ein großer Teil davon hat mit kulturellem Erbe und Politik zu tun. Ich gebe nur ein paar Beispiele für unterschiedliche Herangehensweisen in verschiedenen Ländern: Indien zum Beispiel ist eine sehr unternehmerisch ausgerichtete Gesellschaft, also stellt die Regierung kleinere Geldbeträge zur Verfügung und ermutigt damit einzelne Unternehmer, Telekabinen oder IT- oder Telefon-Zugänge einzurichten. Diese Strategie hat die Wirtschaft verwandelt, gestärkt. Und die Kultur in ländlichen Gemeinden in Indien - und ich glaube, das gilt auch für Afrika - basiert viel stärker auf Gemeinschaft. Es ist allgemein üblich, dass Technik geteilt und der ganzen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wird. Sie sind also sehr gut vorbereitet, um von dieser Art Strategien zu profitieren.

Aber in anderen Ländern, die vielleicht einen eher sozialistischen oder kommunistischen Hintergrund haben, sind die Menschen an Regierungen gewöhnt, die alles für sie bereitstellen, ohne Innovation und Unternehmertum. Ich glaube, es gibt Unterschiede zwischen Innenstädten und ländlichen Gemeinden, aber die Lösungen, die sowohl für ländliche Gemeinden als auch für Innenstädte geeignet sind, sind ganz ähnlich. Es sind Initiativen, die von der Bürgergesellschaft, von sozialem Unternehmertum, von sozialer Verantwortung der Unternehmen ausgehen. Alle diese Faktoren spielen mit bei dem Versuch, die Idee der Gemeinschaft neu zu beleben, Gruppen von Menschen, die zusammenarbeiten, damit sie ihre eigene Zukunft gestalten können. Wo man diese Situation hat - und wir haben heute viele Beispiele aus verschiedenen Ländern gehört - fungiert dies als Antrieb oder Katalysator, um Investitionen anzuziehen, mit denen die in der ländlichen Wirtschaft benötigte Infrastruktur und Dienstleistungen bereitgestellt werden können.

Der Hauptgrund für die geringe Verbreitung ist das Fehlen von Unternehmertum vor Ort, von sozialen Unternehmern als Antrieb. Und man kann es finden - wenn man von ländlichen Gemeinden spricht - wenn man einige der ländlichen Gemeinden in Großbritannien anschaut, und meine Heimatstadt ist ein Beispiel; meine Stadt hat 20.000 Einwohner. Vor einigen Jahren wurde der Bahnhof ausgebaut, und es fuhr statt alle zwei Stunden alle dreißig Minuten ein Zug nach London. Und jetzt haben wir festgestellt, dass vier Mal so viele Menschen nach London zur Arbeit fahren. Sie schlafen in der Kleinstadt und arbeiten in anderen Städten, weil sie da ihren Lebensunterhalt finden. Das halte ich für sehr ungesund. Ich glaube, in Gemeinden, wo die Menschen außerhalb Arbeit finden, wo keine Antriebskraft existiert, da ist auch die Verbreitung des Internet gering, denn sie sind sich nicht bewusst, was es für sie tun kann.

Andrius Kulikauskas:
(deutsche Übersetzung am Ende des Beitrags)
I come from Lithuania and I lead the laboratory for independent thinkers. So first when I think of rural, I think of Lithuania, because of the province, the periphery. And that's what it's like to be an independent thinker that you are always on the periphery. People who agree easily end up in the centre, and people who agree slowly end up everywhere else. So the exciting thing about independent thinkers is that they are everywhere, absolutely everywhere in the periphery.

When we think about the rural region in Lithuania, first we should compare it with the cities. So for example, Vilnius will be cultural capital of Europe in 2009 and for good reason. The economy in the city is vibrant, we have a growth of 7 percent per year, people earn maybe 200 Euros per month and prices are similar to here, but the general feeling is like the United States in the 1960ties. We are always about 40 years behind the United States. Unemployment is low and the general feeling is good, and we are very grateful to be part of the European Union and NATO. But when we look at the rural reality, it is very bleak. There is a tremendous amount of alcoholism, most of the people who could have all left for the city, there are older people who survive, many old ladies have a cow or two cows, they sell the milk, or a pig, they have a little bit of land, many times the land is ploughed by a horse, similar to people a hundred years ago, except that they get pensions - maybe 50 Euros a month - that is the difference.

So in that environment, there is no reason for a young person to be in the rural area, it is not a good environment, so they leave. And certainly, if they want to participate in the global economy, they need to have this experience of living in the city. So it is very harmful to try to encourage people to stay. But what we find is the opposite. There are many people in the cities, especially young people who are not happy with our civilisation. They are disgusted with especially the type of American Hollywood civilisation that they see. And they want to live in the countryside, because they think that is a better life, that is a better life for their children, it is healthier, so there are quite a lot of young people who are trying to live in the countryside. And When we look at our target group, often it is not the people from the countryside that are the target group, it is the people who are coming to the countryside that are our target group.

The second thing is: if we want to support rural growth, the dynamics, I am a great believer that you support the people who care. So you find the people who care, you filter the people who work for free; you filter the people who already want to do this, who already invested themselves, made their choice. And those people will give and those people will produce.

But the problem with the European Union and the Lithuanian politicians is that they fund from the top down. So what does that mean? Yes, you build a tele-cottage. But it is the mayor's nephew who wins the contest. And it is the mayor's nephew's brother or brother-in-law who becomes the leader of this centre. And the tele-cottage exists on paper, I mean, it exists in reality, but it doesn't make any difference because the young family that went and built a village, all the politicians will do everything possible to make them not succeed, because there is this competition. So this type of top down funding is extremely destructive to our countryside. It is not healthy. And this is very important to realize.

There could be an alternative funding. The way to do it is: you filter out the people who work for free. If you want to have innovation in the countryside, the people have to be self-directed. You cannot pay people money to tell that are self-directed, because you are directing them with money. So first you have to see what they do by themselves. You have to have them work for free and say: yes do this project for free, you do that, and then you also know what that person is really like, what they really want to do. And if we take this very simple test and find 1000 people in the countryside and 1000 people in the government or the universities or businesses and take a million Euros (which is a very small sum of money for all of you) and say: let's divide it up to all the business people and government people and university people who work for free and give them a thousand Euros each. And then we do the same for the people in the rural environment, and let's have them spend money, and everything created belongs to public domain. Now the worst thing that will happen is that the people will eat the money. They will buy food for themselves and eat it. And that is the best thing, because they have already demonstrated that they have deserved that money, they have already done the work. But what will really happen is that they will invest it in what their projects are, they will build relationships, and everybody knows that it is the political relationships that run our countries. The reason that the person is poor is because they are cut off.

So the way to fight poverty is to integrate people. And the kind of secret deals, that are happening, let's make them open. So I am saying that if you invest a million Euros this way, you have a thousand projects, most of them crazy, but their energy will be tremendous, and you will need no reports, you will no proposals, you will need no overhead, you will need no monitoring. I am saying: if you have any role in the government, and if you don't want the European Union to fall apart, because the protest vote in our rural areas is very similar to the protest vote in Holland and France, and we are very close to having populist rulers. I just wanted to say: that is the problem, the type of funding.

And why do we have this? The reason is that the politicians want to control. If you give the money and you can't control what they do, you are not a happy politician. But I am saying: don't think that way! The way to think is that we are humans, and what we can share. There are many things we cannot do, we cannot have a road system that is the same for all Germans, even Germany cannot. You cannot do things uniformly, but the one thing that we can do uniformly are the human things like leadership. So as politicians you can say: yes, I can care for all the people and I can support them and I can realize that they will not be wasting the means.

I think this is a very concrete way how to do this is: instead of funding mass programmes for internet access, it is much more useful to fund programmes for optimised use of poor internet access. Many people around the world will have poor internet access always, because the bandwidth requirements keep increasing, but nobody is designing for them. So if you could design - I am talking of people who have to use tele-cottages, people who have to use them after midnight, because the rates are cheaper, people who are paying per minute. There is no technology designed the make that more efficient, so that you could do your work and then send out instructions and data. That is the rural reality in Lithuania.

In Germany and Austria, you have a very good tradition of the government and the top down and the bottom of working well together. But perhaps that could be a good example of how the top down is smart enough to support the bottom.

Übersetzung:
Ich komme aus Litauen, und ich leite das Laboratorium für unabhängige Denker. Wenn ich "ländlich" denke, dann denke ich an Litauen, wegen der Provinz, der Peripherie. So ist es, wenn man ein unabhängiger Denker ist: Man ist immer an der Peripherie. Menschen, die leicht ihre Zustimmung geben, enden im Zentrum, und Leute, die ihre Zustimmung langsam geben, landen sonstwo. Das Aufregende an unabhängigen Denkern ist also, dass sie sich überall, buchstäblich überall, in der Peripherie befinden.

Wenn wir an die ländliche Region in Litauen denken, sollten wir sie zunächst mit den Städten vergleichen. Vilnius beispielsweise wird 2009 Kulturhauptstadt Europas sein, und das aus gutem Grund. Die Wirtschaft der Stadt boomt, wir haben ein jährliches Wachstum von 7 Prozent, die Menschen verdienen vielleicht 200 Euro im Monat, und die Preise sind so ähnlich wie hier, aber das allgemeine Gefühl gleicht dem in den USA in den 60er Jahren. Wir sind immer etwa 40 Jahre hinter den USA. Die Arbeitslosigkeit ist gering und das allgemeine Gefühl ist gut; wir sind sehr dankbar, dass wir zur europäischen Union und zur Nato gehören. Aber wenn wir die Realität auf dem Lande betrachten, sieht es düster aus. Es gibt viel Alkoholismus; wer kann, geht in die Stadt. Es gibt ältere Menschen, die überleben; viele alte Frauen haben ein oder zwei Kühe, - sie verkaufen die Milch, - oder ein Schwein; sie haben ein bisschen Land, das häufig noch mit dem Pferd gepflügt wird, ähnlich wie vor hundert Jahren, außer dass sie Pensionen bekommen - vielleicht 50 Euro im Monat - das ist der Unterschied.

In dieser Umgebung gibt es keinen Grund für einen jungen Menschen, auf dem Lande zu bleiben; es ist keine gute Umgebung, also gehen sie. Wenn sie an der globalen Wirtschaft teilnehmen wollen, müssen sie natürlich die Erfahrung des Lebens in der Stadt haben. Es ist also sehr schädlich, die Menschen zum Bleiben zu ermutigen. Aber wir stellen das Gegenteil fest. Es gibt viele Menschen in den Städten, besonders junge Menschen, die mit unserer Zivilisation nicht glücklich sind. Besonders die Art von amerikanischer Hollywood-Zivilisation, die sie sehen, stößt sie ab. Und sie wollen auf dem Lande leben, weil sie das Leben dort für besser halten, besser für ihre Kinder, gesünder. Es gibt also eine Menge junger Leute, die auf dem Lande zu leben versuchen. Wenn wir unsere Zielgruppe betrachten, so sind es häufig nicht die Leute vom Lande, sondern die, die auf das Land ziehen.

Dazu kommt: Wenn wir das Wachstum und die Dynamik auf dem Lande fördern wollen, dann glaube ich, muss man die Menschen fördern, denen das wichtig ist. Man findet also die Menschen, denen es wichtig ist, man sucht die Menschen heraus, die ohne Bezahlung arbeiten, die bereits dafür arbeiten wollen, die sich bereits eingebracht, ihre Wahl getroffen haben. Diese Menschen werden etwas geben und etwas hervorbringen.

Das Problem bei der Europäischen Union und der litauischen Politik ist jedoch, dass die Finanzierung von oben nach unten läuft. Was heißt das? Ein Tele-Cottage wird gebaut. Aber es ist der Neffe des Bürgermeisters, der den Wettbewerb gewinnt. Es ist der Bruder oder Schwager des Neffen des Bürgermeisters, der Leiter dieses Zentrums wird. Das Tele-Cottage existiert auf dem Papier, das heißt, es existiert wirklich, aber das macht keinen Unterschied für die junge Familie, die ins Dorf ging und sich etwas aufbaute, denn alle Politiker werden alles Mögliche unternehmen, damit sie keinen Erfolg haben, weil es diesen Wettbewerb gibt. Die Art der Finanzierung von oben ist also extrem destruktiv für unsere ländlichen Regionen. Es ist nicht gesund. Es ist sehr wichtig, sich das klar zu machen.

Eine alternative Finanzierung wäre möglich, und zwar so: Man filtert die Leute aus, die ohne Bezahlung arbeiten. Wenn man auf dem Lande Innovation haben will, müssen die Menschen sich selbst bestimmen. Man kann den Leuten kein Geld zahlen und sagen, sie seien selbstbestimmt, weil man sie mit dem Geld steuert. Erst muss man schauen, was sie von sich aus tun. Man muss sie ohne Bezahlung arbeiten lassen und sagen: ja, mach das Projekt ohne Bezahlung, und dann weiß man auch, wie diese Person wirklich ist, was sie wirklich machen will. Wenn man diesen einfachen Test durchführt und 1000 Leute auf dem Lande findet und 1000 Leute in der Regierung oder in den Universitäten oder Unternehmen, und man nimmt eine Million Euro (was für Sie alle ein kleiner Betrag ist) und sagt: wir verteilen es an alle Leute aus den Unternehmen, der Regierung und der Universitäten, die ohne Bezahlung arbeiten, jeder bekommt 1000 Euro. Und dann machen wir das Gleiche mit den Leuten vom Lande, wir lassen sie Geld ausgeben, und alles, was entsteht, gehört der Öffentlichkeit. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Menschen das Geld aufessen. Sie kaufen sich Nahrungsmittel und essen sie. Und das ist sehr gut, denn sie haben bereits gezeigt, dass sie das Geld verdienen, sie haben die Arbeit bereits gemacht. Aber was wirklich passieren wird, ist: Sie werden es in ihre Projekte investieren, sie werden Beziehungen aufbauen, und jeder weiß, dass unsere Länder von den politischen Beziehungen regiert werden. Der Grund dafür, dass die Leute arm sind, ist, dass sie isoliert sind.

Um Armut zu bekämpfen, muss man Menschen integrieren. Geheime Absprachen müssen offengelegt werden. Wenn man eine Million auf diese Weise investiert, hat man tausend Projekte, die meisten verrückt, aber die Energie wird gewaltig sein. Und man braucht keine Berichte, keine Vorschläge, keine Gemeinkosten, keine Überwachung. Ich sage, wenn Sie eine Rolle in der Regierung spielen und wenn Sie nicht wollen, dass die Europäische Union auseinanderfällt, weil die Protestwahlen in unseren ländlichen Regionen sehr ähnlich den Protestwahlen in Holland und Frankreich sind, und wir sind alle nahe daran, eine populistische Regierung zu haben... Was ich sagen wollte: Das Problem ist die Art der Finanzierung.

Und warum ist das so? Weil die Politiker die Kontrolle haben wollen. Wenn man Geld gibt und kann nicht kontrollieren, was die Leute damit machen, ist man kein glücklicher Politiker. Aber ich sage: Denken Sie nicht so, sondern denken Sie, dass wir Menschen sind und dass wir teilen können. Es gibt vieles, was wir nicht erreichen können, wir können nicht für alle Deutschen das gleiche Straßensystem haben, selbst Deutschland kann das nicht. Man kann nicht alles gleich machen, aber was wir gleich machen können, das sind die menschlichen Dinge wie Führung. Als Politiker kann man sagen: Ja, ich kann mich um die Leute kümmern, ich kann sie unterstützen, und ich kann feststellen, dass sie die Mittel nicht verschwenden.

Ich glaube, ein konkreter Weg ist folgender: Statt große Programme für den Internetzugang zu finanzieren, ist es viel nützlicher, Programme für die Verbesserung von schlechtem Internetzugang zu unterstützen. Viele Menschen auf der Erde werden immer einen schlechten Internetzugang haben, weil die Anforderungen an die Bandbreite stetig steigen, aber niemand gestaltet für sie. Wenn man also gestalten könnte - ich spreche von den Menschen, die Tele-Cottages benutzen müssen, Menschen, die sie nach Mitternacht benutzen müssen, weil es dann billiger ist, Menschen, die pro Minute bezahlen. Es gibt keine Technik, die das effizienter macht, so dass man seine Arbeit macht und dann Anleitungen und Daten verschickt. Das ist die Realität auf dem Lande in Litauen.

In Deutschland und Österreich gibt es die gute Tradition, dass die Regierung und die unteren Stellen gut zusammen arbeiten. Vielleicht könnte das ein gutes Beispiel dafür sein, dass die oberen Stellen so pfiffig sind, dass sie die unteren unterstützen.

Franz Nahrada
Andrius hat uns ja für Juli nach Litauen eingeladen, da wird der letzte ERDE-Workshop stattfinden. Er hat uns halb scherzhaft angedroht, jetzt zeige ich euch einen wirklich ländlichen Raum. Aber das Letzte, was er gesagt hat, fand ich besonders interessant. Wir waren ja auch im Ostviertel und im Alpenvorland und haben ihm auch gezeigt, was wir unter einem wirklich ländlichen Raum verstehen. Da ist ein unglaublich produktiver Dialog zustande gekommen.

Ich möchte die Fragen vielleicht ein bisschen unkonventionell beantworten. Ländlich heißt für mich im europäischen Kontext so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal von Europa. Das ist auch unter Planern ziemlich anerkannt, dass der ländliche Raum als ein in sich komplex gegliedertes regionales System eine europäische Besonderheit ist. Diese europäische Besonderheit ist zumeist bei uns unter dem Gesichtspunkt der Vergangenheit betrachtet worden. Das ist eben die Tradition der Kloster und der kleinen Grafentümer, der regionalen Zentren, die es dann irgendwann einmal nicht mehr geschafft haben usw.

Meine Gegenthese, die ich mit aller Vehemenz vertreten möchte, ist: Europa ist der Kontinent, der der Welt um 50 Jahre voraus ist. Das Absurde ist, dass wir diesen Vorteil überhaupt nicht zu vermarkten verstehen, dass wir nicht sagen, Leute, wir haben etwas, was wir mit euch teilen werden. Wir haben eine intakte Kulturlandschaft, ein gegliedertes System. Wir haben einen unglaublichen Bestand an Wissen, der dazu führt, dass wir mit unseren natürlichen Ressourcen sehr rationell, sehr produktiv und in einer tief gewachsenen Ästhetik umgehen. Wir sehen daran nicht irgendeine Art von chauvinistischem, eurozentrischen Besserstellungsgedanken, sondern wir sind wirklich daran interessiert, dass diese Form zu überleben nicht nur überlebt, sondern auch als eine gute Form, sozusagen als ein Exportartikel Europas angesehen wird.

Da muss ich zu Ihnen die Auseinandersetzung suchen. Ich stelle jetzt einmal die Gegenfrage: Warum muss denn die Stadt wachsen? Warum muss Berlin, das jetzt immerhin schon 4,2 Mio. Einwohner hat, jetzt auch noch einen Speckgürtel kriegen? Warum müssen infrastrukturelle Megaprobleme geschaffen werden? Ich habe das in Phönix Arizona gesehen. Da ist wirklich die Stadt mit diesem Development, mit dem Suburbanen am Tag zehn, 20 Meter gewachsen. Wenn man so will, ist das wie eine Riesenkrebszelle, die sich in die Landschaft hineinfrisst. Und dann saugt sie wie in Vampir das Wasser aus dem Colorado-River. Da sind zwei Großvampire in Arizona und Kalifornien. Die saugen am selben Fluss und irgendwann wird es einen Wasserkrieg geben. Arnold Spiegler und Sixtus Lanner schreiben auch, eine der wesentlichen Funktionen des ländlichen Raums ist Wasserressource zu sein.

Währenddessen habe ich erlebt - jetzt kommen wir zur aktiven Verländlichung - wie in Griechenland, Insel Samos, in einem Zeitraum von zehn Jahren aus blühenden Dörfern Ruinen geworden sind, einfach durch den Einfluss des Tourismus. Die jungen Menschen sind in die Stadt gezogen, die Alten sind hinter ihren Mauern geblieben und in der ganzen Brutalität des Schicksals, bis hin zum Krepieren, vernachlässigt worden. Das heißt, die Ausdünnung des ländlichen Raums ist ein Riesenproblem für die ländliche Bevölkerung. Man kann diese Parole von der aktiven Verländlichung positiv verstehen, dann ist sie ein Aufruf zum qualitativen Wachstum. Man kann sie aber auch gewollt missverstehen.

Ich glaube, wir müssen sie, wenn wir sie positiv verstehen wollen, darum ergänzen, dass wir sagen: Der ländliche Lebensraum hat seine bisherige raison d'être eingebüßt. Er ist nicht mehr durchgängig flächiger landwirtschaftlicher Nahrungsversorgungsraum oder Rohstoffversorgungsraum.

Jens Mofina, City & Bits (www.cityandbits.de)
Die eingangs gestellten Fragen möchte ich wie folgt beantworten:
Die Regionen, die man im europäischen Zusammenhang als ländlich/rural bezeichnet sind durch folgende Aspekte gekennzeichnet:
  • zurückhaltend
  • div. Kriterien in der Raumplanung: räumliche Entfernung zu Ballungszentren (u. a. Ballung menschlicher Beziehungen)
  • Infrastrukturausstattung
  • Lebensart / Kultur / Geschwindigkeit
  • Naturnähe
  • Wirtschaftstruktur (Branchen usw.)
Die Zielgruppe der Menschen auf dem Lande in EU-Mitgliedstaaten ist durch ihre Zurückhaltung gegenüber den technischen Innovationen der Informations- und Kommunikationstechnologien charakterisiert.
Die geringe Internetverbreitung liegt nicht unbedingt an mangelnden technischen Infrastrukturen oder an den nicht vorhandenen Erfahrungsorten und zielgruppengerechten Inhalten. Vor allem fehlt den Menschen dort die Antizipierung der Möglichkeiten und Notwendigkeiten zur Information und Kommunikation. Sie zeigen ein sehr geringes Sich-Einbringen in die Gestaltung und Entwicklung von informationstechnischen Infrastrukturen und eine geringe kreative Anverwandlung der Möglichkeiten für die eigenen Zwecke.
Bei der Diskussion geht es nicht per se um Technologien sondern um den Zugang zu Wissen, Kreativität, Motivation und Kommunikationsfähigkeit als bestimmende Faktoren der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Internetnutzung als Ausdruck verschiedener Faktoren: des Informationsinteresses, des Interesses zu Kommunizieren (Grad der Offenheit), des Zeitrhythmus. Außerdem spielen der Kulturfaktor und die Verfügbarkeit von als relevant eingeschätzten Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten eine Rolle.
Die Diskussion um die Digitale Integration darf nicht losgelöst von der Betrachtung gesamtgesellschaftlicher Entwicklungstrends und -anforderungen geführt werden. Es geht nicht per se um das Ziel, die Internetnutzung im ländlichen Raum zu steigern, sondern darum, ein Klima der Offenheit, des Kommunikationsinteresses, der anderen Zeitrhythmen, der Möglichkeit intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen (auch als Gegenmodell zum urbanen Leben) zu schaffen.

Eine Aktion in Zusammenarbeit mit: