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Das Praxishandbuch "Internet- und Computersucht" richtet sich an Therapeuten, Pädagogen und Eltern. Einer breitgefächerten Zielgruppe wird das Thema umfassend dargeboten. So spannt sich der thematische Bogen von den Grundlagen der exzessiven Internet- und Computernutzung über soziologische, psychologische, psychiatrische und klinische Aspekte der Internet- und Computersucht bis hin zu Fallbeispielen sowie den Möglichkeiten zur Beratung, Behandlung und Prävention.
Die Beiträge geben ein umfassendes wissenschaftliches Bild sowohl über den medialen Einfluss im jugendlichen Alltag als auch über die möglichen Gründe für Medienabhängigkeit. Die Autoren des Beitrages "Epidemiologische Daten zur Medien- und Computernutzung bei Kindern und Jugendlichen" zeigen auf, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit heutzutage in einem noch nie dagewesenen Maß mit Bildschirmmedien konfrontiert sind. Die Häufigkeit der Mediennutzung besorgt verantwortliche Erwachsene, die jedoch in Betracht ziehen sollten, dass nicht jedes Kind oder Jugendlicher anfällig für Suchtverhalten ist und "Digital Natives" selbstbewusst und kontrolliert ihr Medienverhalten steuern können. Weiterhin wird aus sozialwissenschaftlicher Perspektive umfassend der aktuelle Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Medienkonsum und aggressivem Verhalten von Kindern und Jugendlichen aufgezeigt. Der Beitrag "Einfluss der Medien auf die Schulleistung" stellt anhand eines exzessiven Computerspielers mehrere Hypothesen auf, die kognitive Fehlentwicklungen durch Computerspiele bei Kindern und Jugendlichen und daraus resultierenden Misserfolg in der Schule begründen.
Die Beiträge im Kapitel "Klinische Aspekte der Medien- und Computersucht" machen deutlich, dass im klinischen Bereich die Internet- und Computerabhängigkeit als Sucht behandelt wird, jedoch noch Diskussionsbedarf um das Diagnoseverfahren besteht. Der Medienabhängigkeit wird ein eigenständiger Störungscharakter zugeschrieben, der mit komorbiden Erkrankungen wie Depression, Angststörung, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom oder Persönlichkeitsstörungen einhergeht.
Das vierte Kapitel umfasst Beiträge, die "Besondere Formen der Internet- und Computersucht" erläutern und beispielsweise zwischen Internet- und Computerspielen sowie Pornografiekonsum im Internet bei Jugendlichen unterscheiden. Fallbeispiele des Scheidungskindes Henning, des scheuen World-of-Warcraft-abhängigen Tom sowie des durch die Streitigkeiten seiner Eltern traumatisierten und zurückgezogenen Friedjof veranschaulichen einerseits, welche "häuslichen" Umstände Kinder und Jugendliche in die Mediensucht führen können, und andererseits, wie Betroffenen geholfen werden kann.
Das fünfte Kapitel umfasst Möglichkeiten der "Beratung, Behandlung und Versorgung medien- und computersüchtiger Kinder und Jugendlicher und ihrer Eltern" und zeigt anhand von beispielhaften Projekten wie der ambulanten und stationären Therapiestation "Teen Spirit Island" in Hannover, wie Betroffene einen kontrollierten und gesellschaftlichen Umgang mit den Medien erlernen. Abschließend gibt das sechste Kapitel "Prävention und Ausblick" einen Überblick über präventive Maßnahmen. Gerade beteiligte Erwachsene wie Eltern und Pädagogen sollten dafür sensibilisiert werden, dass der freie Zugriff auf das Internet und Computerspiele die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinflussen kann.
Das Buch wird dem Anspruch gerecht, eine wichtige Informationsquelle zum Thema Internet- und Computerspielsucht für ein breitgefächertes Publikum zu sein. Der Wechsel zwischen wissenschaftlich fundierten Beiträgen und anschaulichen Beispielen ermöglicht einen komplexen Überblick über das Thema.