Veröffentlicht am: 26.07.13

Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche: Eine Bestandsaufnahme

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Referat öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.) (2013)
rezensiert von SDC


Durch die Mediatisierung des Alltags prägen digitale Medien immer stärker das Aufwachsen junger Menschen. Daraus ergibt sich ein steigender Bedarf an geeigneten Maßnahmen der Medienkompetenzförderung. Um diese wiederum gewährleisten, erfassen und koordinieren zu können, ist eine fortlaufende Positionsbestimmung der Medienkompetenzförderung in Deutschland erforderlich.

Erste Schritte dazu hat nun die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) geleistet; einmal durch das Erstellen einer Medienkompetenzdatenbank, in der alle Maßnahmen zur Medienkompetenzförderung erfasst werden sollen; und zweitens durch den ersten, im Rahmen des Dialog Internet veröffentlichten Medienkompetenzbericht mit dem Titel „Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche: Eine Bestandsaufnahme“.

Untersuchungsgegenstand


Der Bericht beleuchtet die zentralen Instanzen, die Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Medienkompetenz begleiten: Eltern/Familie, Kindertageseinrichtungen, Schule und außerschulische Jugendarbeit. Darüber hinaus werden der aktuelle Stand der medienpädagogischen Forschung, das Berufsfeld Medienkompetenzförderung sowie die Aus- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte wiedergegeben und kritisch beurteilt. In einer abschließenden Stellungnahme werden Empfehlungen formuliert, wie bei der Bestandsaufnahme festgestellten Defiziten begegnet werden kann.

Zentrale Ergebnisse


Festzuhalten sind folgende zentrale Punkte, die im Bericht von verschiedenen Autoren thematisiert werden:
  • die Notwendigkeit flächendeckender struktureller Verankerung von Medienkompetenzförderung und ausreichender finanzieller Mittel, was als Forderung an die Politik verstanden werden kann
  • der Hinweis, dass eine Vernetzung von Akteuren die Inklusion fördern und mehr Nachhaltigkeit schaffen könne, beziehungsweise dass erprobt werden müsse, inwieweit das funktionieren kann

Forderungskatalog der GMK


Zum Abschluss des Berichts fasst die GMK-Vorsitzende Dr. Ida Pöttinger die sich aus den Erkenntnissen der Bestandsaufnahme ergebenden Forderungen zusammen:

  1. Medienkompetenz muss als Querschnittsaufgabe anerkannt werden: Genau wie Medien zunehmend die gesamte Alltagskultur durchdringen, muss auch Medienkompetenzförderung darauf abzielen, generationsübergreifend und barrierefrei auch bildungsbenachteiligte Menschen zu inkludieren. Hierbei muss an den jeweiligen Lebenssituationen angesetzt werden.
  2. Medienkompetenz muss in der gesamten Bildungskette verankert werden: Um zu verhindern, dass manche Heranwachsende in ihrer Bildungslaufbahn sehr viel, manche weniger und manche gar nicht mit Medienerziehung in Berührung kommen, muss die Medienkompetenzförderung flächendeckend in allen im Bericht näher betrachteten Bereichen verankert werden.
  3. Medienpädagogische Themen müssen eine kontinuierliche Forschungsaufgabe sein: Nicht alle in der Medienpädagogik relevanten Forschungsfelder sind aktuell in der Forschung gleich stark abgedeckt, zum Beispiel findet - wie auch in der öffentlichen Debatte - eine einseitige Konzentration auf negative Aspekte des Medienkonsums statt. Nötig wären mehr Langzeitstudien, ein regelmäßiger Austausch zwischen Theorie und Praxis sowie ein systematischer überblick, den ein eigenes Review-Journal und eine Forschungsdatenbank bieten könnten.
  4. Medienkompetenzvermittlung muss aktuelle Handlungsfelder bearbeiten: Bei dieser Forderung bleibt die GMK etwas unkonkret. Sie scheint sich hier in erster Linie auf die medienerzieherische Unterstützung von Familien zu berufen, beispielsweise bei der Anwendung des Jugendmedienschutzes oder beim Umgang mit exzessivem Mediennutzungsverhalten. Hierzu sei eine (kommunale) Vernetzung mit Vertretern anderer Disziplinen wie Medizin, Psychologie oder Schuldienst denkbar.
  5. Für Medienkompetenzvermittlung ist Professionalisierung unerlässlich: Hier fordert die GMK ein verpflichtendes, prüfungsrelevantes Curriculum für alle pädagogischen Berufe und ein Zertifizierungssystem medienpädagogischer Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.
  6. Medienkompetenz braucht verlässliche Strukturen: Was finanzielle Förderungen angeht, werden hier sowohl mehr Transparenz, als auch längerfristigere Lösungen angeregt. Für eine bessere Auffindbarkeit von Unterstützungsangeboten, Materialien, Forschungsergebnissen, Fortbildungs- und Fördermöglichkeiten wird ein zentraler Informationsknotenpunkt empfohlen. Zu einer kontinuierlichen Bestandsaufnahme seien dieser Bericht sowie die ebenfalls geplante Datenbank aller medienpädagogischer Projekte ein erster Schritt.
  7. Ausblick


    In der Tat ist es zu begrüßen, wenn der Bericht - inhaltlich kompakt und klar strukturiert wie dieses erste Exemplar - künftig regemäßig erscheinen und fortgeschrieben werden kann. Die Datenbank der Projekte zur Medienkompetenzförderung, deren Veröffentlichung für den Herbst geplant ist, ist die optimale Ergänzung zum Bericht, sofern sie annähernd dem Anspruch auf Vollständigkeit gerecht werden kann.

    Der Bericht als PDF-Download sowie die Datenbank sind unter medienkompetenzbericht.de zugänglich.

    Auch die Stiftung Digitale Chancen leistet einen Beitrag zum Erkenntnisgewinn, da sie mit ihrem aktuellen, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Dialog Internet geförderten Pilotprojekt „Lokale Medienkompetenz-Netzwerke für Familien“ an fünf Standorten in Deutschland Netzwerke lokaler Einrichtungen begleitet, die Maßnahmen zur Unterstützung der Medienerziehung durchführen. So soll erprobt werden, wie gerade auch diejenigen Familien, die durch klassische Bildungsangebote schwer zu erreichen sind, durch eine vernetzte Zusammenarbeit gezielter und niedrigschwelliger unterstützt werden können. Mehr zum Projekt: hier.




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