von Angie Radtke, Dr. Michael Charlier
Addison-Wesley, München (2006)
rezensiert von Ulrike Peter, (ifib Bremen)

Seit langem gibt es den Vorbehalt, dass attraktives Webdesign und Barrierefreiheit sich gegenseitig ausschließen. Das dies nicht notwendigerweise so sein muss, wollen die Autoren Angie Radtke und Dr. Michael Charlier in ihrem Buch zeigen. Entsprechend ist der Stil des Buches ein praxisnahes Aufräumen mit Vorurteilen. Sie zeigen, dass die Beschäftigung mit Barrierefreiheit kein trockenes, vom Gesetzgeber auferlegtes, Geschäft ist. Dr. Michael Charlier hat sich als Berater, Referent und Journalist im Bereich Barrierefreiheit einen Namen gemacht; Angie Radtke bringt als Webentwicklerin ihr Know-How zu technischen, konzeptionellen und operativen Fragen direkt aus der eigenen Praxis ein. Das Buch richtet sich sowohl direkt an Profis aus Web-Entwicklung und -Design als auch an Verantwortliche in Entscheidungspositionen.
Besonders die ersten Kapitel geben eine anschauliche und gut lesbare Einführung in die Thematik mit vielen Anregungen aus der Praxis für die Praxis. Dem Vorbehalt, dass sich Barrierefreiheit und attraktives Design widersprechen, widmet sich das dritte Kapitel. Dem folgt eine pragmatische Auseinandersetzung mit den rechtlichen Grundlagen, ihrer Entstehung und der sich in der deutschsprachigen Diskussion herausgebildeten Einbettung, ohne dabei den aktuellen Stand der Technik und bekannte Nutzergewohnheiten aus dem Blick zu verlieren.
Im Weiteren wird das anschauliche Szenario eines Relaunch-Prozesses der frei erfundenen Gemeinde Bad Seendorf beschrieben. Nicht nur technische Überlegungen werden diskutiert, sondern der gesamte Meinungsbildungsprozess der fiktiven Auftraggeber, von Überlegungen zur Korrektur des bestehenden Auftritts bis hin zur Entscheidung über einen kompletten Relaunch des Webauftritts, wird praxisnah dokumentiert. Darüber hinaus lassen sich die vorgestellten Inhalte über Code-Beispiele hinaus auf eigens zum Buch erstellten Demo-Webseiten unter
www.bad-seendorf.de
nachvollziehen.
Weitere Kapitel zur barrierefreien Gestaltung proprietärer Formate, wie PDF, Flash und Gebärdensprach-Filme komplettieren den inhaltlichen Bogen. Einen kritischen Blick werfen die Autoren auf die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Content Management Systemen am Beispiel von zwei Open Source Produkten.
Für die Leserin und den Leser empfiehlt es sich, dem logischen Aufbau des Buches zu folgen, um sich in das Thema einzuarbeiten. Dabei machen die Anschaulichkeit und Praxisnähe des Buchs es zu einer gut lesbaren und wirklich empfehlenswerten Lektüre. Den Autoren gelingt es hervorragend zu zeigen, dass sich Barrierefreiheit und attraktive Webseitengestaltung keineswegs ausschließen müssen und dass es sich keineswegs um ein langweiliges, trockenes Thema handelt.
Im Angebot der SDC seit 11.12.06 (jch)