von Ulrike Wagner, Helga Theunert (Hrsg.)
Verlag Reinhard Fischer, BLM Schriftenreihe Bd. 85, München (2006)
rezensiert von Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen

Mit dem Band 'Neue Wege durch die konvergente Medienwelt' liegt der dritte Teil der Konvergenzstudien vor, die das Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis im Auftrag der Bayrischen Landeszentrale für neue Medien seit 2001 durchgeführt hat.
Nach explorativen Fallstudien im Jahr 2001 mit einer Befragung von 28 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 – 14 Jahren, folgte im Jahr 2003 eine quotierte Befragung von 573 Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 19 Jahren. Basierend auf den Erkenntnissen dieser beiden Studien wurde die dritte Konvergenzstudie konzipiert und im Jahr 2005 durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen die medienaffinen Interessen und medialen Präferenzen von 59 befragten Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren.
Mit den Jugendlichen des ausgewählten Samples haben die Autorinnen der Studie qualitative Interviews geführt, die im dritten Kapitel des Bandes dokumentiert sind. Mitarbeitende der Jugendmedienarbeit finden hier tiefe Einblicke in das Mediennutzungsverhalten der Zielgruppe. Die gewählte Vorgehensweise erlaubt es Vertreterinnen und Vertretern der Praxis gleichermaßen wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich ein genaues Bild von den verschiedenen vorgefundenen Nutzungstypen zu machen.
In die Auswertung einbezogen wurden nur die Probandinnen und Probanden, die im Interview tatsächlich ein konvergentes Mediennutzungsverhalten offenbarten. Interessant ist, dass bei Dokumentation der Nutzungswege und -strategien der viel strapazierte Begriff der Medienkonvergenz anhand des Verhaltens der Jugendlichen eine eigene Plastizität gewinnt. Nicht die technische Konvergenz der verschiedenen Geräte steht hier im Vordergrund, sondern vielmehr die konvergente Nutzung. In dem von den Jugendlichen genutzten Medienensemble spielt jedes einzelne Medium seine eigene Rolle und hat eine spezielle Funktion zur Befriedigung der Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse der Heranwachsenden. Konvergenz bezeichnet hier nicht nur, dass mit dem PC oder Handy auch Rundfunkprogramme empfangen werden können, sondern dass die klassischen Medien die Hinweise auf die inhaltlichen Angebote der digitalen Medien geben und umgekehrt die digitalen Medien die Inhalte der klassischen ergänzen, stützen und weiter verbreiten. Erst durch die Verknüpfung der verschiedenen Medien können die Jugendlichen ihr jeweiliges Interesse zielstrebig und mit dem gewünschten Erfolg verfolgen. Es verwundert kaum, dass das Internet dabei als Schaltzentrale in der konvergenten Medienwelt fungiert.
Mit der Frage, wie die Heranwachsenden die Aufgabe der Identitätsbildung in der konvergenten Medienwelt bewältigen, befasst sich das vierte Kapitel des Bandes. Bezug nehmend auf die durch die Studie belegten Aneignungsmuster der Jugendlichen beschreibt Bernd Schorb drei Typen der Identitätsbildung. Diese unterscheiden sich in erster Linie durch den Grad der Selbstbestimmtheit und der Zielorientierung der Jugendlichen. Je deutlicher diese ausgeprägt sind, umso stärker kann die konvergenzbezogene Medienaneignung zur Identitätsbildung beitragen.
Im Hinblick auf die Frage der Digitalen Integration bestätigt die Studie die Unterschiede der Nutzung zwischen denjenigen Jugendlichen mit einem höheren Bildungshintergrund und denjenigen mit einem niedrigeren. Gleichzeitig belegt sie, dass dies kaum mehr eine Frage der Zugangsmöglichkeiten, sondern vielmehr die der Medienkompetenz ist. Das abschließende fünfte Kapitel befasst sich daher mit den Konsequenzen der konvergenten Medienaneignung für medienpädagogisches Handeln.
Durch die Einzelfallstudien wird auch belegt, dass die Nutzung multifunktionaler Medien Risiken für Jugendliche bergen kann, die sich nicht nur auf die Gruppe der Niedriggebildeten beschränken. Die Befunde der Studie legen es nahe, geeignete Maßnahmen zu fordern, um diesen Risiken zu begegnen und die Medienkompetenz von Heranwachsenden zu fördern.
Im Angebot der SDC seit 19.01.07 (jch)