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Der vierte Band in der Reihe Bildung und Kultur ist von der Heinrich-Böll-Stiftung unter dem Titel "Copy.RightNow! Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht" veröffentlicht worden. Inhaltlich setzt sich die Publikation mit der Frage auseinander: "Wem gehört das Wissen?". Die so genannte Wissensgesellschaft möchte Bürgern neue Chancen der Teilhabe ermöglichen, zum Beispiel durch freien Zugang zum Wissen als Gemeingut. Unternehmen fördern beispielsweise mit Wissensmanagement ihre Mitarbeiter. Im Zuge dieser Entwicklungen hat sich eine Debatte um die Ermöglichung einer freien Nutzung kreativen Wissens entwickelt.
Die Politikwissenschaftlern Jeanette Hofmann berichtet in ihrem Beitrag "Wider die Verschwendung: Für neue Denkfiguren in der Wissensregulierung", dass das Urheberrecht einen normativen Rahmen bietet, innerhalb dessen die Ausprägungen der Wissensregulierung diskutiert werden können. Das Urheberrecht beinhaltet den Gedanken, dass Künstler über ihr Kunstwerk eigentumsähnliche Verfügungsrechte haben. Die aktuelle Debatte, die durch Begriffe wie "Piraterie" oder "Diebstahl" untermauert wird, verstärkt laut Autorin die moralische Komponente des Problems. Jeanette Hofmann rät daher, dem im Weltbild des 19. Jahrhunderts verwurzelten Urheberrecht entgegen zu treten und sich für neue Impulse zu öffnen. Ersatzweise schlägt sie die ökonomische Theorie öffentlicher Güter vor und verweist darauf, dass die Beschränkung des Zugangs zu öffentlichen Gütern aus wirtschaftlicher Sicht Verschwendung sei.
Robin Meyer-Lucht ist Medienwissenschaftler und untersucht in seinem Bericht "Journalismus und Marktversagen - Plädoyer für einen Innovationsfonds Digitale Öffentlichkeit" die Rolle des Journalismus. Der Autor ist der Auffassung, Selektion und Verbreitung von Informationen fänden nicht mehr nur in klassischen Redaktionen statt, sondern häufig direkt über digitale Medienformen wie Soziale Netzwerke oder Twitter. In diesem Zusammenhang nennt er den Strukturwandel der Öffentlichkeit als Problem, denn die Krise im Journalismus gerät aus seiner Sicht zu einer Krise der Anpassung im Hinblick auf die aktuelle Rolle. Die Rollenkrise impliziert, dass der Journalismus seine herausragende Position verliert, da das journalistische System zu starr geworden ist und im Netz zu wenig Verlinkungen zu den gesellschaftlichen Teilsystemen nutzt. Das System Journalismus sollte daher seine Rolle in der digitalen Öffentlichkeit finden, die durch Netzkommunikation und politische Kommunikation zukünftig kleiner ausfallen wird.
Der Autor Professor Dr. Tim Renner beschreibet in seinem Aufsatz "Zurück an den Verhandlungstisch: Worauf die Musikindustrie setzten könnte" die aktuelle Situation in der Musikindustrie: Demnach sind die Verlierer die Unternehmen, da der Umsatz seit 1998 kontinuierlich gesunken ist. Gewinner sind hingegen Konsumenten, da sie CD´s brennen und miteinander tauschen können. Zwischen den Stühlen sitzen nach Ansicht des Autors die Musiker: Die Digitalisierung bedingt, dass sich via Internet neue Distributionsmöglichkeiten ergeben: Beispielsweise, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen oder um den Kontakt zu Fans zu halten. Dennoch muss die Professionalisierung für das Fortbestehen der Karriere erhalten bleiben. Alle drei Marktteilnehmer verlangen nach Auffassung von Professor Dr. Tim Renner etwas Unmögliches. Die Musikindustrie kämpft um ihre Rechte im Netz, die Konsumenten können aber keine musikalischen Entwicklungen erwarten, wenn keiner mehr Geld investieren möchte. Als Lösung schlägt der Autor eine Musikflatrate vor, die zu einem bestimmten Preis im Monat legal verfügbare Musik zum Download bereitstellt.
Der Reader "Copy.RightNow! Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht" steht als PDF im Internet zur Verfügung (1,3 MB), und kann kostenlos bei der Heinrich-Böll-Stiftung unter info@boell.de bestellt werden.