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Medienkompetenz in der Schule

von Andreas Breiter, Stefan Welling, Björn Eric Stolpmann
VISTAS Verlag GmbH, Berlin (2010)
rezensiert von Yvonne Zerbe


Buchtitel: Medienkompetenz in der Schule

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat die Studie "Medienkompetenz in der Schule. Integration von Medien in den weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen" in der Schriftenreihe Medienforschung veröffentlicht. Das Forscherteam, bestehend aus Professor Dr. Andreas Breiter sowie Dr. Stefan Welling und Björn Eric Stoplmann, ist am Institut für Informationsmanagement (ifib) in Bremen tätig. Zur Datenerhebung haben die Wissenschaftler Fragebögen an 3.600 Lehrkräfte verschickt, die an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen fünfte und sechste Schulklassen unterrichten. Insgesamt haben sich 1.458 Lehrkräfte an der Untersuchung beteiligt, dies entspricht einer Rücklaufquote von etwa 43 Prozent. Daneben wurden sechs qualitative Fallstudien an Schulen unter Einbeziehung der sie umgebenden Unterstützungs- und Aufsichtssysteme durchgeführt.

Die Ergebnisse zeichnen ein umfassendes Bild über den Umgang mit digitalen Medien im Schulalltag: 15 Prozent der Befragten haben im Schuljahr 2008/2009 regelmäßig, also mindestens mehrmals pro Woche, digitale Medien im Unterricht eingesetzt. 38 Prozent der Lehrer nutzten zudem gelegentlich, also einmal pro Woche bis einmal im Monat, digitale Medien zu Unterrichtszwecken und fünf Prozent der Pädagogen haben gar keine digitalen Medien im Unterricht gebraucht. Die Studienexperten heben außerdem hervor: 44 Prozent der befragten Lehrkräfte verwenden regelmäßig digitale Medien, um sich auf den Unterricht vorzubereiten.

Im Rahmen der Studie wurden die Lehrkräfte dazu befragt, wie häufig sie Medieninhalte im Unterricht thematisieren. Das Forscherteam wollte insbesondere wissen, wie sich die Anteile klassischer Medienformate (Zeitung, Radio, Fernsehen) und internetbasierter Medienformate (beispielsweise YouTube oder Wikipedia) verteilen: So werden aktuelle Fernsehsendungen von 27 Prozent der befragten Lehrer gelegentlich thematisiert. 34 Prozent der Untersuchungsteilnehmer diskutieren zudem gelegentlich mit den Schülern über Beiträge aus Tages- oder Wochenzeitungen und 31 Prozent der Befragten nutzen die Inhalte von Wikipedia als Unterrichtsthema.

Die Studienexperten haben auch hinterfragt, wie Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen Medienerziehung bewerten und kommen zu dem Schluss, dass dieses Thema häufig für eine wichtige schulische Aufgabe gehalten wird. 19 Prozent der Befragten stimmten der Aussage "Medien sollten Thema in möglichst vielen Fächern sein" voll zu. 55 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage eher zu und sechs Prozent stimmten nicht mit der Aussage überein. Die Lehrkräfte verhalten sich im Hinblick auf die Kommunikation über das Thema "Medien" mit den Eltern ambivalent. 33 Prozent der Studienteilnehmer stimmen eher zu, dass sie regelmäßig mit den Eltern über die Chancen und Risiken der Mediennutzung sprechen, 25 Prozent stimmen jedoch nicht zu. 21 Prozent der Befragten stimmen außerdem der Aussage "Kollegen an unserer Schule sind für die Risiken der Mediennutzung sensibilisiert" voll zu.

Die Lehrkräfte wurden auch über die Ausstattung der IT-Infrastruktur in ihrer Schule befragt und sollten in diesem Zusammenhang die Qualität der IT-Ausstattung in Noten bewerten: Während Lehrer die Ausstattung in Förderschulen mit einer 3,0 bewerten, geben Lehrer am Gymnasium dem IT-Equipment eine 2,8. Die Pädagogen an Hauptschulen geben der IT-Ausstattung ihrer Schule die Note 2,7 und Lehrer an Realschulen benoten die IT-Ausstattung mit einer 2,6. Die Lehrkräfte an Gesamtschulen vergeben für die Ausgestaltung der Informations- und Kommunikationstechnologien an ihrer Schule eine 3,3.

Die aktuelle Untersuchung vergleicht den Zugang zu digitalen Medien in Förderschulen und bei anderen Schularten: In 80 Prozent der Fälle haben Lehrer in Förderschulen jederzeit Zugang zu Rechnern im Klassenraum. Bei anderen Schulformen haben nur 21 Prozent der Pädagogen die Chance, jederzeit auf Rechner zugreifen zu können. In Förderschulen können auch 19 Prozent der Lehrer jederzeit den Computerraum nutzen, bei den anderen Schularten ist das nur in neun Prozent der Fälle möglich.

Die Studienexperten kommen insgesamt zu dem Ergebnis, dass sich der Medienwandel auf den Kontakt zwischen den Lehrkräften und Schülern auswirkt und zur Auseinandersetzung über die Medienwelt der Heranwachsenden beiträgt. Die Institution Schule sollte sich daher damit befassen, wie Kinder- und Jugendliche sinnvoll bei der Aneignung von Medienkompetenz begleitet werden können. Der Wissenschaftler Dr. Stefan Welling erklärt: "Insgesamt sind die digitalen Medien in der Schule weiter auf dem Vormarsch. Sie werden von den Lehrkräften aber primär in einer Art und Weise genutzt, die auf etablierte Lern- und Lehrmethoden aufbaut. Eine qualitative Verbesserung des Unterrichts unter Einsatz der digitalen Medien, die auch den Aspekt der Medienerziehung in geeigneter Weise mit einschließt, bedarf weiterer Anstrengungen unter Beteiligung aller am Prozess der Medienintegration beteiligten Akteure."



Im Angebot der SDC seit 25.11.10 (yze)




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