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Technology and Social Inclusion - Rethinking the Digital Divide

von Mark Warschauer
MIT-Press, Cambridge/London (2003)
rezensiert von Jutta Croll


Das Problem der Digitalen Spaltung ist nicht dadurch zu überwinden, dass man Nutzerzahlen von mehr als 50 % der Bevölkerung erreicht. Dies ist eine der zentralen Aussagen des Buches von Mark Warschauer.

Über eine Zeitraum von mehreren Jahren hat er weltweit die verschiedensten Projekte besucht, die den Einsatz von neuen Technologien zur Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung propagieren. Ausgehend von der Definition des Digital Divide der US-amerikanischen National Telecommunications and Information Administration (NTIA), die den Falling through the Net-Berichten zu Grunde liegt und eine Spaltung feststellt in diejenigen Teile der Bevölkerung, die Zugang zu IuK-Technologien haben und diejenigen, die diesen nicht haben, kommt Warschauer durch seine Studien zu einer anderen Sichtweise. Er fordert einerseits eine differenziertere Betrachtung der jeweils von der sog. Digitalen Spaltung betroffenen Teile der Bevölkerung, da eine pauschale Bewertung des Zugangs bestimmter Teile der Bevölkerung die Inhomogenität der unterversorgten Gruppen zu wenig berücksichtigt. Andererseits stellt er in den Vordergrund die bestehenden Benachteiligungen, denen bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgesetzt sind. Diese werden durch den fehlenden Zugang zu den neuen Medien verschärft, können aber nicht durch das bloße Bereitstellen dieses Zugangs aufgehoben werden. Der Zugang zu Hardware und die Ausstattung bisher unterversorgter Gruppen mit neuen IuK-Technologien können nur dann Wirkung entfalten, wenn sie einhergehen mit der Einbettung in die bestehenden sozialen Systeme.

Nicht die statistische Erhebung vorhandener Computerausstattung und bestehender Internetzugänge sollte am Beginn des politischen Handelns stehen, sondern die Analyse der sozialen Strukturen und Probleme, der sozialen Institutionen und der Beziehungen, auf denen diese beruhen. Im Kontext der EU-Kommission wird statt der Überwindung des Digital Divide nun die sog. E-Inclusion gefordert, in Deutschland sprechen wir von Digitaler Integration. Als Mittel zur Erreichung dieses Ziels wird jedoch vielfach nach wie vor die möglichst flächendeckende Verfügbarkeit technischen Zugangs angesehen. So hat sich in Deutschland die Initiative Jugend ans Netz die Ausstattung von 10.000 Jugendzentren bis zum Jahr 2004 zum Ziel gesetzt. Eine begrüßenswerte Initiative, gerade um sozial benachteiligte Jugendliche zu erreichen. Wirksamkeit entfalten wird sie allerdings nur, wenn sie begleitet wird von Maßnahmen, die eine sinnvolle Nutzung im Rahmen bestehender Strukturen fördern.

Bei der Erwägung des Einsatzes von IuK-Technologien sollte nach Mark Warschauer nicht die Überwindung der sog. Digitalen Spaltung im Vordergrund stehen, sondern die soziale Struktur der betroffenen gesellschaftlichen Gruppen und die Chancen, diesen durch den Einsatz von IuK-Technologien mehr demokratische Teilhabe, Gleichberechtigung und soziale Integration zu ermöglichen. Für Warschauer sind Zugang, Erschließung und Gestaltung neuen Wissens durch die Nutzung von IuK-Technologien die kritischen Faktoren der sozialen Integration.

Der Inhalt des Buches rechtfertigt den im Untertitel formulierten Anspruch des Rethinking the Digital Divide'; Warschauer hat damit einen wesentlichen Anstoß gegeben zu einer neuen Diskussion der Mittel und Wege, durch die soziale Integration erreicht werden kann.

Das Buch ist in englischer Sprache erschienen und kostet 32,62 Euro.

Im Angebot der SDC seit 20.03.03 (jcr)

Logo: Bundesinitiative Jugend ans Netz

Bundesinitiative 'Jugend ans Netz'

Die Bundesinitiative "Jugend ans Netz" regt im außerschulischen Bereich junge Menschen unabhängig von ihren sozialen oder Bildungshintergründen zum aktiven Mitgestalten, vernetzten Denken und Kommunizieren über das Medium Internet an.
Dies geschieht durch das Jugendportal 'www.netzcheckers.de' und durch die 'www.ausstattungsoffensive.de '.
Träger: Internationaler Jugendaustausch- und Besucherdienst der BR Deutschland (IJAB) e.V., Stiftung Demokratische Jugend, Universität Bielefeld (Kompetenzzentrum Informelle Bildung - KIB).
Förderung: Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend; "Jugend ans Netz" ist ein Leuchtturmprojekt der Initiative D21.

Weitere inhaltlich zusammenhängende Materialien finden Sie hier.

Verwandte
Themenbereiche:
Medienkompetenz, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung, Mediennutzung allgemein




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