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Kuba. Globalisierung, Medien, Macht

von Annette Massmann
iko-Verlag, Frankfurt am Main (2003)
rezensiert von idw


Autoritär, geschlossen, sozialistisch - so gilt bislang das Mediensystem Kubas. Doch auf der politisch isolierten Insel tut sich was: Das Mediensystem beschleunigt die Globalisierung des Landes, die Wirtschaft agiert zunehmend global vernetzt. Zugleich sind die Medien jedoch systemstabilisierend und bewirken keine politische Veränderung. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Annette Massmann (36) vom Institut für Medienwissenschaft der RUB in ihrer Dissertation (Betreuer: Prof. Dr. Franz R. Stuke), die gerade im iko-Verlag erschienen ist. Die Arbeit ist die erste kommunikationswissenschaftliche Studie im deutschsprachigen Raum über das Mediensystem der touristisch beliebten Insel. Annette Massmann erhält dafür einen der "Preise für Studierende 2003" der RUB auf der Akademischen Jahresfeier am 21.11. im Audimax.

Massmanns Studie berücksichtigt alle Medien, sie analysiert das kubanische "Leitmedium" Hörfunk, die mit der ökonomischen Krise stark eingeschränkten Fernsehsender, Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. Das Ergebnis ist eine umfassende Aufschlüsselung des kubanischen Mediensystems, in der die Autorin mit einigen Vorurteilen aufräumt: So ist das kubanische Mediensystem alles andere als "provinziell" oder isoliert, im Gegenteil. Die Regierung nutze die Medien zur "offensiven und professionellen Außendarstellung", statt ihre weltweite Isolierung durch Binnennutzung zu untermauern. Kubanische Firmen sind inzwischen global vernetzt, vor allem durch die Möglichkeiten des Internets. Damit trifft die traditionelle Klassifizierung der Mediensysteme in "entwickelt" und "nicht entwickelt", "frei" und "unfrei" bezogen auf Industriestaaten und Entwicklungsländer nicht mehr zu: Das Entwicklungsland Kuba hat ein weitgehend entwickeltes Mediensystem, so Massmann. Allerdings bleiben politische Veränderungen aus, politisch ist Kuba nach wie vor ein regional geschlossener Raum.

Am Beispiel der Neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (NIKT) zeigt die Autorin, wie der damit einhergehende ökonomische, rechtliche oder soziokulturelle Wandel zu Globalisierung führen, aber nicht notwendigerweise auch zur Liberalisierung des Mediensystems. Denn die Regierung gewährt nur Teilöffentlichkeiten Zugang zum Internet, allen voran den großen Firmen - das weite und "freie" Internet ist für den Großteil der Bevölkerung nicht erreichbar. Auch in Bezug auf die so genannten alternativen Medien fällt Massmanns Analyse wenig positiv aus: Es gibt wenige alternative, liberale Medien unter dem Dach der katholischen Kirche, doch eine politisch anders denkende "Szene" kann sich nicht entwickeln, weil schlicht die ökonomischen Mittel fehlen. "Das ist das Schizophrene am Handelsboykott der USA, der nun schon 40 Jahre andauert", so Massmann: "Indem diese Mittel nicht ins Land fließen, kann sich das System nicht von innen heraus verändern. Der Handelsboykott stabilisiert das politische System."

Vita
Dr. Annette Massmann studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Philosophie, Geschichte und Germanistik in Bochum sowie zwischenzeitlich lateinamerikanische Geschichte und Ökonomie in Chile. Dort absolvierte sie während des Studiums auch Praktika bei Zeitungen und Zeitschriften. Zwischenzeitlich lebte sie auf Kuba, anschließend arbeitete sie in Chile und Mittelamerika als Journalistin und als Beraterin in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. 1998 kehrte sie an die RUB zurück und begann mit dem Forschungsprojekt über Kuba.

Im Angebot der SDC seit 04.11.03

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Themenbereiche:
Internationale Aspekte, Informationsfreiheit, Internetpolitik




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