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Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Informationsgesellschaft

von Michael Angrick (Hrsg)
Metropolis, Marburg (2003)
rezensiert von Marianne Wollenweber


Die modernen Informationstechniken versetzen uns in die Lage, überall und zu jeder Zeit miteinander zu kommunizieren. Doch welchen Beitrag kann die Informationstechnik zu einer nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung leisten? Ökoeffizienz und Dematerialisierung sind in der Entwicklung der Technik nichts Neues, meint der Umweltwissenschaftler Franz Josef Radermacher. Denn die zunehmenden, effektiver und schlanker werdenden Kapazitäten der Informationsverarbeitung sind im Grunde so alt wie die industrielle Entwicklung. Das Problem liegt bisher immer in der Überkompensation oder dem Bumerangeffekt (Rebound-Effekt). Nord und Süd trennt unter anderem ein tiefer "digitaler Graben": Von der Informationsgesellschaft lässt sich nur bei 20 Prozent der Menschheit sprechen, 80 % sind von der Technik bisher ausgeschlossen oder: Tokio hat mehr Telefonanschlüsse als ganz Afrika. Allein dieses Ungleichgewicht, so der Herausgeber Michael Angrick vom Umweltbundesamt, demonstriert schlagartig das Problem, die Leitbilder Nachhaltigkeit und Informationstechnologie miteinander zu verzahnen. Und selbst innerhalb der reichen Länder sind viele von den Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) bisher ausgeschlossen. Vielfach angesprochen wird in dem Sammelband die Zwiespältigkeit der IuK-Technik in ihrer bisherigen Form: Einerseits belastet sie durch ihren hohen Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die Schadstofffracht des Elektronikschrotts die Umwelt, anderseits kann sie zur Umweltschonung beitragen, etwa indem mit ihrer Hilfe Umweltdaten erhoben werden und verbreitet werden. Sie eröffnet für viele ein Mehr an Partizipationsmöglichkeiten und "E-Democracy", sie kann aber auch zu einer digitalen Vereinsamung des Einzelnen und zu einem Verlust an persönlichem Datenschutz führen. Viel hat man sich bisher von der IuK bei der Verkehrsvermeidung versprochen, etwa durch Fernbesprechungen per Video oder bei der Erledigung von Arbeit und Einkäufen vom heimischen PC bzw. "zwischendurch" vom Handy aus. Thomas Schauer hält es für wahrscheinlich, dass auch hier ein Rebound-Effekt herrscht: Der Straßenverkehr hat nicht trotz, sondern gerade wegen der Einführung der virtuellen Welten zugenommen. Anders gesagt: Je mehr und je weiter wir mailen, desto mehr reisen wir, desto mehr bestellen wir weit entfernt lagernde Konsumgüter. Nach diesem Problemaufriss ist klar: So schwierig sie ist - an der Verzahnung des IuK-Sektors mit nachhaltigem Denken und Handeln führt langfristig kein Weg vorbei. Und da bietet der Band einige hoffnungsvolle Ansätze. So macht sich der ZDF-Intendant Markus Schächer stark für eine Fernsehberichterstattung jenseits von kurzsichtigem und schnell wieder vergessenem ad hoc Katastrophen- und Sensationsjournalismus nach dem Motto: Warum immer nur der zerborstene Öltanker, warum nicht vermehrt auch die "simple" Streuobstwiese? Warum immer nur das quantitative Wachstum à la Bruttosozialprodukt, warum nicht der qualitative Dreh gesamtgesellschaftlicher Leistung? Der Bundestag hat 2000 das IuK-"Road Mapping" initiiert: Frühzeitig verständigten sich IuK-Wirtschaft, Umwelt- und Verbraucherverbände und die Politik über die Hauptentwicklungslinien und Prioritäten. Erste Erfolge sind heute zu vermelden: So werden die UTMS-Stationen strahlungs- und energieoptimiert, ebenso die Handys und außerdem werden sie schadstoffärmer, ihre Ergonomie und Datensicherheit wird verbessert. Durch das Umstellen von Hohl- auf Flachbildschirme und Leuchtfolien werden Displays zukünftig umweltfreundlicher. Und schließlich macht das öffentliche Beschaffungswesen als großer Nachfrager seinen Einfluss geltend, um zu möglichst umwelt- und gesundheitsverträglichen IuK-Geräten zu kommen. Das Buch gibt einen umfassenden und kritisch-fundierten Einblick in eines unserer wichtigen Gegenwarts- und Zukunftsthemen.

Im Angebot der SDC seit 11.05.04 (tsc)

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Themenbereiche:
Nachhaltigkeit, Internetkritik, Internetpolitik




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