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Die Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW e.V. lud Medienpädagogen, Fachleute und Interessierte aus Schulen, Jugendeinrichtungen und Behörden ein, über die Chancen zur Identitätsentwicklung sowie die soziale Integration und Partizipation in Sozialen Netzwerken zu diskutieren.
In vier Workshops, die an jeweils unterschiedlichen Standorten in Nordrhein-Westfalen stattfanden, wurden ausführlich sowohl die Gefahren als auch die Chancen, die das Web 2.0 und Soziale Netzwerke für Jugendliche mit sich bringen, von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchleuchtet. Die Veranstalter luden neben den Referenten auch Jugendliche zu den Workshops ein, die von ihren Erfahrungen mit Sozialen Netzwerken berichteten. In den Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden zahlreiche Tipps und praktische Ideen zur Sensibilisierung der Jugendlichen und Aufklärung ihrer Betreuer über die Möglichkeiten in Sozialen Netzwerken.
Die Dokumentation fasst die Diskussionen der Workshops zusammen und gibt einen Überblick über die Begrifflichkeiten von und Möglichkeiten in Sozialen Netzwerken. Auch arbeitet sie heraus, dass es gerade in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen notwendig ist, sich als Betreuer mit dem Erfahrungsfeld Soziale Netzwerke auseinanderzusetzen, um nicht nur die Gefahren, sondern auch Vorteile im Umgang mit dem Web 2.0 zu erkennen. Darüber hinaus haben die Verfasser wichtige Links und Hinweise zu Materialien über das Thema zusammengetragen. Die Dokumentation erhebt keinen Anspruch auf eine allumfassende Abhandlung des Themas Soziale Netzwerke, ist jedoch eine hilfreiche Unterstützung bei der Jugendmedienarbeit vor Ort.
Gesellschaftliche Beteiligung und Engagement in Zeiten des Web 2.0
Das Deutsche Jugendinstitut und die Technische Universität Dortmund veröffentlichen den Endbericht zum Forschungsprojekt "Jugendliche Aktivitäten im Wandel. Gesellschaftliche Beteiligung und Engagement in Zeiten des Web 2.0.", das zwischen September 2009 und Dezember 2010 durchgeführt wurde und gefördert wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Ziel war es, Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen dem Freizeitverhalten, der Mediennutzung und dem freiwilligen Engagement Jugendlicher zu gewinnen. Dabei war die Frage, ob und wie sich die Nutzung der neuen Medien auf traditionelle Beteiligungs- und Engagementformen Heranwachsender auswirkt von besonderem Interesse. Außerdem wurde der Frage nachgegangen, ob durch die neuen Medien, insbesondere durch die Möglichkeiten des sogenannten Web 2.0, neue Partizipations- und Engagementformen entstehen und ob sich hier geschlechts- und bildungsspezifische Differenzen zeigen lassen.
Im Endbericht sind die empirisch belegten Ergebnisse des Projekts veröffentlicht. Ein erstes wichtiges Ergebnis ist, dass die verstärkte Internetnutzung Jugendlicher keinen negativen Einfluss auf ihre Bereitschaft zum freiwilligen Engagement hat. Negative Einflüsse einer verstärkten Internetnutzung auf die Bereitschaft Jugendlicher, sich freiwillig zu engagieren, sind nicht festzustellen. Engagierte, aktive und nicht aktive Jugendliche zeigen ein hochgradig ähnliches Verhalten hinsichtlich ihrer Internetnutzung. Dies betrifft ihr Kommunikationsverhalten ebenso wie ihre Nutzung von Informations- und Unterhaltungsangeboten.
Jugendliche, die sich stark mit elektronischen Medien beschäftigen, sind im gleichen Maße freiwillig engagiert wie die, die sich eher nicht mit elektronischen Medien beschäftigen (je 34 Prozent). Hinsichtlich der Dauer und Intensität der Internetnutzung gibt es kaum Unterschiede. Auch in ihren Einstellungen zum Netz unterscheiden sich engagierte, aktive und nicht engagierte Jugendliche kaum. Nur eine kleine Gruppe eher männlicher Jugendlicher mit niedrigem Schulabschluss und starker Internetnutzung fällt durch geringe Engagementbereitschaft auf. Hier dürfte es sich um die Gruppe der sogenannten "Gamer" handeln.
Das zweite wichtige Ergebnis aus dem Projekt zeigt, dass Computer und Internet zum alltäglichen Hilfsmittel auch im traditionellen freiwilligen Engagement Jugendlicher geworden sind. Die Internetnutzung im Rahmen des freiwilligen Engagements hat in allen Bereichen zugenommen. So hat sich die Quote der Engagierten, die das Internet im Rahmen ihrer Tätigkeit nutzen, nach den Daten des Freiwilligensurveys zwischen 2004 und 2009 in vielen Engagementfeldern verdoppelt. Am stärksten wird das Internet im Bereich Politik, Menschenrechte etc. und im Bereich Umweltschutz genutzt. Leicht unterdurchschnittliche Nutzung gibt es in Sportvereinen (71 Prozent) und im kirchlich-religiösen Bereich (74 Prozent).
Das dritte wichtige Ergebnis zeigt, dass sich auch bei Jugendlichen neue Formen internetgestützten Engagements zeigen. Mit den "Politikinteressierte Internetnutzer/innen", "Mitglieder von Internetgruppen" und "Produzent(inn)en" wurden drei Gruppen Internetnutzer/innen identifiziert, die als Vorformen eines (internetgestützten) Engagement 2.0 verstanden werden können.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unten stehendem Download.
Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig hat den "Medienkonvergenz Monitoring Soziale Online-Netzwerke-Report 2010" veröffentlicht und stellt Ergebnisse zur Nutzung Sozialer Netzwerke von Jugendlichen vor. Das Medienkonvergenz Monitoring ist ein Projekt, das regelmäßig die konvergenzbezogene Medienaneignung Jugendlicher untersucht. Als Medienkonvergenz wird das Zusammenwachsen ehemals getrennter Medienbereiche auf technischer und inhaltlicher Ebene bezeichnet. Zur Datenerhebung der Studie wurden 8382 Nutzer sozialer Netzwerkplattformen zwischen 12 und 19 Jahren online quantitativ befragt. Zudem wurden 31 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren aus der Region Leipzig qualitativ interviewt. Der Report zeigt: 92 Prozent der Jugendlichen nutzen oft das Soziale Netzwerk schülerVZ, 15 Prozent sind oft bei MySpace und 11 Prozent der Befragten nutzen oft studiVZ.
Zudem sind 29,7 Prozent der befragten Jugendlichen nur auf einem Sozialen Netzwerk angemeldet, nahezu 70 Prozent sind auf zwei und mehr Netzwerkplattformen aktiv. Bei der Betrachtung der genutzten Netzwerkplattformen hinsichtlich der Geschlechteraufteilung sowie Alter und Bildung wird deutlich: Die Vielnutzer Sozialer Netzwerke sind eher älter und weiblich. Durchschnittlich nutzen Mädchen 2,51 Netzwerkplattformen, bei den Jungen sind es durchschnittlich 2,08 Plattformen. Außerdem nutzen die Jugendlichen zwischen 18 und 19 Jahren durchschnittlich 2,74 Plattformen. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 12- bis 13-Jährigen werden durchschnittlich 1,99 Soziale Netzwerke genutzt.
Die Untersuchung belegt auch, dass Jugendliche in erster Linie durch das nähere Umfeld (Freunde, Mitschüler oder Geschwister) auf die Sozialen Netzwerke aufmerksam geworden sind. Die häufigste Aussage der Jugendlichen lautete, dass sie von jemandem eingeladen worden seien, sich dort anzumelden. Die Studie hat die Herausforderungen beim Umgang Jugendlicher mit Sozialen Netzwerken untersucht: So gaben insgesamt 23 Prozent der befragten Jugendlichen an, schon einmal schlechte Erfahrungen in einem Sozialen Netzwerk gemacht zu haben. Bei der Betrachtung der Geschlechter zeigt sich, dass 25 Prozent der Mädchen und nur 19 Prozent der Jungen bereits negative Erfahrungen in Sozialen Netzwerken gesammelt haben.
Bei der Frage, ob die Jugendlichen schon einmal schlechte Erfahrungen bei der Nutzung von Sozialen Online-Netzwerken gemacht haben, zeigen die Antworten: 24 Prozent der Heranwachsenden haben schon einmal Phänomene wie Bedrohung, Beleidigung oder Mobbing erlebt. 18 Prozent der Befragten wurden schon einmal in einem Sozialen Netzwerk belästigt und vier Prozent haben es erlebt, dass private Daten an die Öffentlichkeit gelangten. Bei den Jungen und Mädchen kristallisierten sich Unterschiede beim Erleben schlechter Erfahrungen heraus: 25 Prozent der Mädchen sind schon einmal in einem Sozialen Netzwerk mit sexueller Belästigung konfrontiert worden, dies bestätigten auch sechs Prozent der Jungen. Beleidigungen haben außerdem schon 24 Prozent der Mädchen und 22 Prozent der Jungen erlebt.
Den Jugendlichen wurde außerdem die Frage gestellt: "Hast Du in Sozialen Online-Netzwerken schon einmal etwas gemacht, was du im Nachhinein nicht okay fandest?". Hier gaben 14 Prozent an, bereits einmal (subjektiv) negative Handlungen ausgeführt zu haben. Bei der Betrachtung der Altersgruppen zeigt sich: 18 Prozent der 12- bis 13-Jährigen stimmten dieser Antwort zu, bei den 14- bis 15- Jährigen stimmten 16 Prozent zu und bei den 18- bis 19-Jährigen nur 12 Prozent. Nach Meinung der Studienexperten ist es für Jugendliche unumgänglich, Mitglied in einem Sozialen Netzwerk zu sein. Denn dieser Lebensraum ermöglicht es Jugendlichen, unter Gleichaltrigen zu sein, sich mit ihnen auszutauschen und sich einer Gruppe mit gleichen Interessen zugehörig zu fühlen.
Auch die soziale Realität spiegelt sich in Sozialen Netzwerken wider. Geschlechterunterschiede werden dort deutlich, denn Mädchen scheint es auffallend wichtiger zu sein, Kontakte zu pflegen und sie auch zu erhalten. Insgesamt sind die Handlungsmöglichkeiten laut Experten in Sozialen Netzwerken eher begrenzt, sie beschränken sich im Wesentlichen auf Selbstpräsentation, Informationen über andere Nutzer erhalten und die Kommunikation mit anderen Jugendlichen. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Download, der zur Verfügung steht.
Weitere inhaltlich zusammenhängende Materialien finden Sie hier.
Das Pew Internet & American Life Project ist eines von sieben Initiativen des Pew Research Centers. Diese Non-Profitorganisation stellt Informationen zu Themen oder Trends bereit, die US-Amerika und die restliche Welt betreffen und hat jetzt Studie "Teens and Sexting" veröffentlicht. Inhaltlich wird beleuchtet, wie Teenager mit dem Versenden von SMS, die einen sexuellen Hintergrund haben, umgehen. Das Kunstwort "Sexting" setzt sich hierbei aus den Begriffen "Sexualität" und "Texten" zusammen. Der Report basiert auf Ergebnisse einer Telefonuntersuchung zum Thema "Die Nutzung des Mobiltelefons von Jugendlichen und Erwachsenen", die mit sechs Hauptgruppen in 3 U.S. Städten im Oktober 2009 mit Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren durchgeführt wurde. Die quantitativen Ergebnisse der Untersuchung basieren auf Telefoninterviews, die zwischen Juni und September 2009 mit 800 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren durchgeführt wurden.
Die Studie zeigte: 75 Prozent aller Jugendlichen besaßen ein Mobiltelefon und 66 Prozent von ihnen nutzten die SMS-Funktion (im englischen Sprachgebrauch auch "texting" genannt). Von den Jugendlichen, die ein Mobiltelefon besitzen, verschickten vier Prozent ein sexuell anzügliches Nacktfoto beziehungsweise ein Foto oder Video mit fast nacktem Körper von sich selber an jemand anderen. Insbesondere Jugendliche, die ihre Handykosten selber tragen, sind bei der Versendung anzüglicher Fotos weniger zurückhaltend: 17 Prozent von ihnen sendeten sexuell andeutende SMS an andere, im Gegensatz zu drei Prozent derjenigen Heranwachsenden, die nicht oder nur teilweise für ihre Handykosten selbst aufkommen müssen.
Im Hinblick auf den Empfang von sexuell anzüglichen Nackt- oder Halbnacktfotos gaben 15 Prozent der 12 bis 17-Jährigen an, bereits solch ein Foto auf ihrem Handy empfangen zu haben. 18 Prozent der älteren Teenager zwischen 14 und 18 Jahren haben solch ein Foto bekommen, jedoch nur 6 Prozent der 12 bis 13-Jährigen. Bei Teenagern, die anzügliche SMS versenden und erhalten, spielt das Mobiltelefon eine zentrale Rolle in ihrem Leben: 16 Prozent der Jugendlichen, die regelmäßig SMS versenden, erhielten anzügliche Bilder, jedoch gaben nur 7 Prozent der Jugendlichen, die keine SMS-Funktion nutzen an, solche Fotos zu erhalten.
Interessanterweise gaben 80 Prozent der Jugendlichen, die sexuell anzügliche Inhalte erhalten an, sie würden ihre Telefon nutzen, um Langeweile zu kompensieren, dies sagten auch 67 Prozent der Jugendlichen, die keine sexuellen Fotos oder ähnliches zugesandt bekamen. 68 Prozent der Jugendlichen, die obszöne Fotos erhielten, sagten außerdem, sie würden generell nicht ihr Mobiltelefon ausstellen, wenn sie es nicht wirklich müssten. Dies bestätigten auch 46 Prozent der Jugendlichen, die keine anzüglichen SMS bekamen. Die Experten von Pew Internet & American Life Project fanden außerdem heraus, dass drei generelle Situationen vorherrschen, die das Versenden von SMS mit anzüglichen Bildern bedingen: In einer Situation werden diese Bilder zwischen zwei verliebten Partnern geteilt, manchmal ist "sexting" auch Teil einer experimentellen Phase von Teenagern, die noch nicht sexuell aktiv sind. Manchmal werden auch Fotos mit sexuellem Inhalt an Freunde und Klassenkameraden verschickt, beispielsweise aus Rache am ehemaligen Partner oder aus Sehnsucht nach einer Partnerschaft. Weitere Informationen zum Thema "Versenden von SMS mit anzüglichem Hintergrund unter Teenagern" entnehmen Sie bitte der Studie "Teens and Sexting", die zum Download bereit steht.
In der Studie "Merkmale pathologischer Computerspielnutzung im Kindes- und Jugendalter" des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau, wurde die Rolle des Computerspielens im Alltag von Kindern und Jugendlichen untersucht.
Dazu wurden 784 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 - 20 Jahren mittels eines Online-Fragebogens gebeten, Auskunft über ihre Lebenssituation und ihr Computerspielverhalten zu geben. Die Befragten wurden je nach Nutzungsdauer in Nicht- und Wenigspieler, regelmäßige Spieler, Vielspieler und pathologische (krankhafte) Spieler unterteilt. Pathologische Spieler nutzen mindestens 3-4-mal pro Woche und 2 Stunden an Schultagen Computerspiele und erfüllen zusätzlich diagnostische Kriterien zu pathologischem Verhalten; unter den Befragten fielen
11,3 % - vornehmlich Jungen - in diese Gruppe.
Diese geben häufiger an, sich in ihrer konkreten Lebenssituation überfordert zu fühlen und weniger sicher gebunden zu sein, als diejenigen, die viel, regelmäßig oder wenig spielen. Für pathologische Spieler hat der Computer eine Bewältigungsfunktion, er wird dazu benutzt, negative Emotionen zu regulieren bzw. zu verdrängen. Diese Kinder bzw. Jugendlichen sind häufig unzufrieden mit ihrer persönlichen Situation in den Bereichen Schule, Freizeit oder Familie. Die Ergebnisse der nicht repräsentativen Studie lassen keine Rückschlüsse darauf zu, ob das übermäßige Spielen eine Form der Realitätsflucht aus dem nicht bewältigten Alltag darstellt, oder ob vielmehr das Spielen die Alltagsprobleme hervorruft bzw. diese verstärkt.
Die Autoren der Studie betonen, dass häufiges und langes Computerspielen nicht als pathologisch aufgefasst werden muss - auffällig wird das Computerspielverhalten erst, wenn gleichzeitig Merkmale süchtigen Verhaltens erkennbar sind. Dies beinhaltet beispielsweise negative Konsequenzen im schulischen und sozialen Bereich, Schwierigkeiten, das Spielen einzuschränken oder selbst zu beenden sowie körperliche Symptome wie Unruhe, Nervosität und Gereiztheit, wenn längere Zeit nicht am Computer gespielt wird.