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Breitbandausbau als Standortfaktor im ländlichen Raum Baden-Württembergs: Eine Studie

Quelle: Institut für Geographie der Universität Stuttgart vom 26.05.09

Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geographie der Universität Stuttgart und unter der Leitung von Dr. Iris Gebauer eine Studie zum Thema "Breitbandzugang als Standortfaktor für Unternehmen im ländlichen Raum Baden-Württembergs" durchgeführt. Befragt wurden von Oktober bis Dezember 2008 etwa 1007 Unternehmen aus den Bereichen verarbeitendes Gewerbe, Handel oder Dienstleistung, die in den ländlichen Regionen Baden-Württembergs ansässig sind. Ebenfalls wurden Freiberufler und Selbständige dabei einbezogen. Kerngedanke der Untersuchung war, dass die Informations- und Kommunikationstechnologien und ihre Nutzung in einer vernetzten Welt immer mehr an Bedeutung gewinnen. Voraussetzung für die Anwendung der Technologien ist eine gut ausgebaute Infrastruktur, dies ist jedoch gerade im Hinblick auf die Breitband-Infrastruktur in ländlichen Räumen oft nicht gegeben.

Der wichtigste Grund für die mangelhafte Versorgung auf dem Lande ist darin zu suchen, dass sich der teure Breitbandausbau durch die dünne Besiedelung von Flächen für Telekommunikationsdienstleister nicht immer lohnt. Die Folge: Die digitale Kluft vergrößert sich und ländlichen Regionen fehlt der Standortfaktor Breitband. Im schlimmsten Fall droht eine Abwanderung der Unternehmen, denn sie sind auf neue Technologien, insbesondere das Internet, angewiesen. Die Studie wertet daher die Bedeutung des Standortfaktors Breitbandinfrastruktur aus. Von den Unternehmen, die befragt wurden, existieren 65 Prozent seit mehr als zehn Jahren, etwa 25 Prozent wurden zwischen 1999 und 2003 gegründet und 12 Prozent der Unternehmen bestehen höchstens seit fünf Jahren. Insgesamt machten 661 Unternehmen detaillierte Angaben zum Umsatz: Bei 50 Prozent der Unternehmen lag der Jahresumsatz bei unter 200.000 Euro, bei etwa 33 Prozent der Unternehmen liegt der Umsatz zwischen 200.000 und eine Million Euro und 17 Prozent der Unternehmen verzeichnen einen Umsatz von mehr als einer Million Euro.

Die Autoren der Studie haben herausgefunden, dass die Breitbandanbindung auf Grund der Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität ein wichtiger Standortfaktor für die ansässigen Unternehmen ist: Bei der Befragung gaben 88,5 Prozent der Unternehmen an, dass Breitband ein wichtiger oder sogar sehr wichtiger Faktor ist. Von den Unternehmen, die ihren Kundenstamm lokal und regional pflegen, sind immerhin etwa 80 Prozent der Auffassung, Breitband sei wichtig oder sehr wichtig. Dies sagen auch Unternehmen mit nationalen und internationalen Kunden. Auch bei der Frage nach Standortnachteilen wird deutlich, dass die ausreichende Verfügbarkeit von Breitband fehlt. Hinzu kommen die Wünsche nach geringem bürokratischem Aufwand und nach Fachkräften. Die Teilnehmer der Studie mussten außerdem Thesen hinsichtlich ihrer Richtigkeit bewerten und auch dabei wurde das Breitbandproblem deutlich: Von den befragten Unternehmen sind 80 Prozent der Auffassung, der geringe Breitbandausbau sei ein Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und eine Verminderung der Standortattraktivität sowie ein herber Imageverlust. Insbesondere sind 90 Prozent der Befragten der Auffassung, dass der Breitbandausbau Arbeitsplätze schaffen könne.

Die Wichtigkeit des Breitbandanschlusses wird bedingt durch einen gut funktionierenden Internetanschluss: 80 Prozent der Befragten tauschen via Internet Daten mit Kunden aus, 70 Prozent konferieren im Netz mit Zulieferern und 60 Prozent mit Kooperationspartnern. Außerdem betreiben 50 Prozent der Unternehmen einen Shop im Internet. In Bezug auf den Breitbandbedarf antworteten 930 Unternehmen auf die Frage, ob ihre Internetanbindung für Unternehmenszwecke ausreichend ist: 497 Unternehmen finden die Verbindung unzureichend. Bei etwa 80 Prozent der Unternehmen liegt der Breitbandbedarf zudem bei über 6 Megabit pro Sekunde, viele Unternehmen sehen ihren Bedarf jedoch künftig bei 16 Megabit pro Sekunde. Deutlich wird, dass der Wunsch nach besseren und schnelleren Datenübertragungen vorhanden ist. 65 Prozent der Befragten könnten mit einer höheren Bandbreite ihre Produktivität steigern. Die Unternehmen wünschen sich daher zukünftig die staatliche Unterstützung durch Kommunen oder politische Akteure beim Breitbandausbau im ländlichen Raum. Die Studie "Breitbandzugang als Standortfaktor für Unternehmen im ländlichen Raum Baden-Württembergs" steht auch hier zum Download bereit.



Download vorhanden  "Breitbandausbau als Standortfaktor im ländlichen Raum Baden-Württembergs: Eine Studie" herunterladen
(pdf, 3.833 MB)


Mehr Infos finden Sie unter:
http://www.mlr.baden-wuerttemberg.de


Im Angebot der SDC seit 26.05.09 (yze)

Verwandte
Themenbereiche:
Ländliche Regionen, Forschung, Mediennutzung allgemein, Breitband/DSL, Mobile Nutzung





Chancen und Risiken der Neuen Medien für den Ländlichen Raum

von: Dr. Iris Gebauer, Torsten Luley, Institut für Geographie der Universität Stuttgart vom 14.07.08

Dargestellt am Beispiel Baden-Württemberg

Auf dem Weg in die Informations-, Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft nehmen Informations- und Kommunikationstechnologien eine Schlüsselstellung ein, wobei eine Nutzung der Neuen Medien durch Bürger und Unternehmen vordergründig von den entsprechenden Infrastrukturen abhängt.

Das Ziel der vorliegenden Studie liegt darin, Chancen und Risiken neuer Informations- und Kommunikationstechnologien für den ländlichen Raum auszuloten. Wichtigster Aspekt ist dabei die Untersuchung der aktuellen Anbindung des ländlichen Raumes an die "virtuelle Autobahn" des breitbandigen Internet. Ohne diese Anbindung auf dem neuesten Stand der Technik bieten die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien kaum Chancen für den ländlichen Raum, eher sogar das Risiko einer schleichenden Abkopplung des ländlichen Raumes von der Gesamtentwicklung mit den entsprechenden wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Konsequenzen.

Auf der Basis einer raumwissenschaftlichen Analyse wird die Verbreitung des breitbandigen Internet aufgezeigt. Zudem werden die Fragen, inwiefern der ländliche Raum in Baden-Württemberg in das System der globalen Kommunikation eingebunden ist und inwieweit regionale Disparitäten zwischen ländlichen Räumen und Agglomerationsräumen bestehen, thematisiert. Der raumwissenschaftliche Fokus der Beschreibung und Erklärung räumlicher Disparitäten in der Breitbandversorgung ermöglicht Aussagen für verschiedene Teilräume Baden-Württembergs.

Diese Veröffentlichung spiegelt die Kernergebnisse aus dem Forschungsprojekt "Chancen und Risiken der neuen Medien bei der Strukturentwicklung in Baden-Württemberg" wider. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum des Landes Baden-Württemberg und dem Institut für Geographie der Universität Stuttgart durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass hinsichtlich des Ausbaus der Breitbandnetze strukturelle Nachteile im ländlichen Raum vorhanden sind. Um diesen Strukturschwächen entgegenzuwirken, ist ein Mix aus verschiedenen Instrumenten notwendig. Dazu zählen zum Beispiel gehaltvolle Informationen (und Moderation) für die relevanten Akteure aus Kommunen und Unternehmen. Um den Abstand zwischen Zentren und Peripherien nicht noch größer werden zu lassen, gilt es erfolgreiche bestehende Konzepte weiterzuentwickeln und neuen Ansätzen offen gegenüberzustehen.

Der Bearbeitungszeitraum war zwischen Dezember 2006 und August 2007. Folgende Methoden kamen zur Anwendung: Literatur- bzw. Sekundärdatenanalyse; qualitative Experteninterviews; Auswertung von Primärdaten aus einer Erhebung des Gemeindetages Baden-Württemberg.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Internetseite www.geographie.uni-stuttgart.de.

Download vorhanden  "Chancen und Risiken der Neuen Medien für den Ländlichen Raum" herunterladen
(pdf, 1.358 MB)


Mehr Infos finden Sie unter:
http://www.geographie.uni-stuttgart.de


Im Angebot der SDC seit 14.07.08 (sbe)

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Themenbereiche:
Ländliche Regionen, Städte / urbane Regionen






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