Veröffentlicht am: 08.04.13

Benachteiligte Erwachsene kompetent im Internet: DLit2.0 startet Trainingskampagne in sieben europäischen Ländern

Quelle: Stiftung Digitale Chancen

"Digital Literacy 2.0" ist ein europäisches Projekt, das im Rahmen des EU-Programms Lebenslanges Lernen gefördert wird. Sein Ziel ist es sozial- und bildungsbenachteiligten Erwachsenen in ganz Europa zu ermöglichen Web 2.0-Anwendungen zu benutzen und sie so zu einer stärkeren gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen. Um sie zu erreichen, werden Mitarbeitende non-formaler Bildungseinrichtungen - etwa Bibliotheken, Gemeindezentren oder soziale Einrichtungen - zu IKT-Trainern für ihre Zielgruppe qualifiziert. Die zweistufige Trainingskampagne Trainer trainieren & Nutzer qualifizieren" beginnt dieses Frühjahr in sieben europäischen Ländern.

Sicher, das Web 2.0 kann einem ganz schön kompliziert vorkommen. Aber es kann einem den Alltag auch erheblich erleichtern, abhängig davon, wie gut man sich damit auskennt und wofür man welche Anwendung verwendet. Gerade sozial- und bildungsbenachteiligte Erwachsene können von allen Möglichkeiten profitieren, die ihr Leben einfacher machen. Allerdings haben gerade sie oft keinen Zugang zu Web 2.0-Angeboten oder wissen nicht, wie sie sie einsetzen können, um sich den Alltag zu erleichtern oder gesellschaftlich stärker teilzuhaben.

Diese Schlüsse zogen die acht Organisationen aus sieben europäischen Ländern, die als Partner im Projekt "Digital Literacy 2.0" zusammen arbeiten - Aga Khan Foundation in Portugal, Bibnet in Belgien, Stadtbibliothek Köln, Regionalna biblioteka "Pencho Slaveykov" in Bulgarien, Biblioteka Publiczna im. W.J. Grabskiego in Polen, Bibliothèque publique d'information in Frankreich, National Institute of Adult Continuing Education im Vereinigten Königreich und Stiftung Digitale Chancen (Berlin) als koordinierende Einrichtung - aus einer anfänglichen Bestandsaufnahme.

Unter den sieben am Projekt beteiligten Nationen ist der Anteil der Menschen, die das Internet mindestens ein Mal pro Woche nutzen, mit 42 Prozent in Bulgarien am niedrigsten und mit 81 Prozent im UK am höchsten1. Untersuchungen der Projektpartner haben aber ergeben, dass trotz dieser Unterschiede in allen sieben Ländern diejenigen Menschen, die in Bezug auf Bildung, Arbeit, Alter und andere Faktoren benachteiligt sind, in der Gruppe der kompetenten Internetnutzer unterrepräsentiert sind. Allerdings hat eine Best-Practices-Analyse unter allen Projektpartnern ergeben, dass nur 13 Prozent der bis dahin in den Partnerländern durchgeführten IKT-Kurse diese benachteiligten Zielgruppen adressierten. Das ist der Ausgangspunkt für "Digital Literacy 2.0". Die Projektpartner haben nun für die zweistufige Trainingskampagne die entsprechenden Trainingsmaterialien entwickelt: Zuerst werden Mitarbeiter in non-formalen Bildungseinrichtungen qualifiziert, die in einem weiteren Schritt benachteiligte, durch konventionelle Bildungsangebote schwer erreichbare Erwachsene in den Bereichen IKT und Web 2.0 trainieren. Nach Fertigstellung der Materialien kann jetzt die Trainingskampagne beginnen. Vom Frühjahr 2013 an werden in allen sieben Partnernationen Trainings stattfinden.

Die besondere Aufmachung der "Digital Literacy 2.0''-Trainingsmaterialien, einschließlich eines auf Lernende ausgerichteten Curriculums, macht sie sehr niedrigschwellig und zielgruppenrelevant. Sie beinhalten kleine Module mit Web 2.0-Aufgaben (etwa einen Skype-Account oder ein Online-Banking-Konto eröffnen), die Lernende vorzugsweise durch angeleitetes Selbstlernen oder in Gruppen lösen. Dadurch behalten sie die Kontrolle über ihren Lernprozess, was persönliche Erfolgserlebnisse ermöglicht. Darüber hinaus ist das Lerner-orientierte Curriculum so konzipiert, dass bestimmte Module oder Modulblöcke angewendet und andere weggelassen werden können. Dadurch können die Trainer ein Curriculum erstellen, das präzise auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Zielgruppe abgestimmt ist. Der thematische Fokus liegt auf Internet-Anwendungen, die den Alltag der Lernenden ganz konkret verbessern können.

Ebenfalls in die Entwicklung des Curriculums eingeflossen sind die von Eurostat 2 definierten Indikatoren für Informationsgesellschaften, also Faktoren wie die Anzahl der Menschen, die im Internet an Beratungs- oder Abstimmungsprozessen teilnehmen, nach Arbeitsstellen suchen oder sich bewerben, sich über Produkte oder Dienstleistungen informieren und selbst erstellte Inhalte hochladen. Die DLit2.0-Partner erwarten als mittelfristige, positive Begleiterscheinung der Trainingskampagne, dass der Lernprozess die generelle Einstellung der Zielgruppe bezüglich gesellschaftlicher Partizipation und Bildung verbessern wird.

Um mehr über das Projekt zu erfahren, besuchen Sie bitte die Webseite www.digital-literacy2020.eu oder kontaktieren uns: kschuberth@digitale-chancen.de

[1] Quelle: EU ePractice Factsheets: "An overview of the eGovernment and eInclusion situation in Europe" ( http://www.epractice.eu/en/factsheets/); Eurostat (http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/information_society/data/main_tables); Daten von 2010 und 2011

[2] Quelle: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/information_society/data/main_tables


Mehr erfahren Sie unter: www.digital-literacy2020.eu

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