Veröffentlicht am: 24.01.14

Medienkompetenz als Voraussetzung für chancengleiche Teilhabe

Quelle: Stiftung Digitale Chancen

Experten diskutieren Fragen der Informationsethik in Berlin

Welche Rolle spielen offene Bildungsressourcen bei der Überwindung der digitalen Spaltung? Wie können wir dem informationsethischen Anspruch gerecht werden, allen Bevölkerungsgruppen einen chancengleichen Zugang zu Informationen und Bildung zu ermöglichen? Diese Fragen diskutierten rund 100 Expertinnen und Experten aus ganz Europa am 22. Januar in Berlin.

Auf Einladung der Stiftung Digitale Chancen, die das europäische Projekt Digital Literacy 2.0 über einen Zeitraum von zwei Jahren koordiniert hat, kamen führende Wissenschaftler und Praktiker in Berlin zusammen, um die Möglichkeiten des Zugangs von eher bildungsfernen und sozial benachteiligten Gruppen zu den Chancen der Informationsgesellschaft zu diskutieren. Vorgestellt wurde ein Curriculum, das in der non-formalen Bildung eingesetzt werden kann.

"Wir sehen in allen europäischen Ländern einen deutlichen Abstand zwischen höhergebildeten und niedrigqualifizierten Teilen der Bevölkerung", erklärt Jutta Croll, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung Digitale Chancen. "Diejenigen, die in der Lage sind, das Internet für Bildungszwecke zu nutzen, verschaffen sich einen inhaltlichen Vorsprung. Während diejenigen, die das nicht schaffen, zurückbleiben. Damit verschärft sich die Notwendigkeit, neue Wege zur Überwindung der Digitalen Spaltung zu entwickeln," so Croll.

Podium der Konferenz Digital Literacy 2.0

Die Projektergebnisse zeigen nach der zweijährigen Erprobungsphase, dass Social Media Anwendungen einen niedrigschwelligen Einstieg ermöglichen, der auch bei Menschen, die das Internet bisher kaum oder gar nicht genutzt haben, auf Interesse stößt. Europaweit wurden rd. 850 Mitarbeitende von Bibliotheken, Gemeindezentren oder sozialen Einrichtungen in sieben europäischen Ländern als IKT-Trainer für ihre Zielgruppen qualifiziert und so mehrere tausend Menschen europaweit motiviert, ihren Alltag mit Hilfe von Web 2.0 Anwendungen leichter zu bewältigen.

Der Informationsethikexperte Prof. Dr. Rafael Capurro bestätigte in der Podiumsdiskussion ebenso wie Barbara Lison, Direktorin der Stadtbibliothek Bremen und Vorstandsmitglied der IFLA (International Federation of Library Associations) und Dr. Verena Metze-Mangold, Vizepräsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission die Notwendigkeit, non-formale Lernprozesse durch offene Bildungsressourcen zu unterstützen.

Peter Birch, Europäische Kommission, Konferenz Digital Literacy 2.0

Qualitätssicherung auch über die Laufzeit von Projekten hinaus sei die Voraussetzung für eine weite Verbreitung und nachhaltige Nutzung der Angebote, so die Expertinnen und Experten. Peter Birch, Leiter der Abteilung IKT, Sprachen und Roma bei der Europäischen Kommission lobte die Ergebnisse, die das Projekt Digital Literacy 2.0 erzielt hat. Gleichzeitig wies er auf ein verändertes Verständnis von Qualität hin, diese werde heute nicht allein von Experten definiert, vielmehr entscheide im digitalen Informationszeitalter auch die Allgemeinheit darüber, was als qualitativ hochwertig gelte.

Die in dem Projekt erarbeiteten Schulungsmaterialien, die in sieben europäischen Sprachen vorliegen, sollen ab Frühjahr 2014 unter einer Creative Commons Lizenz frei zur Verfügung gestellt werden.

Mehr über das Projekt und die Lehr- und Lernmaterialien erfahren Sie unter www.digital-literacy2020.eu

“Digital Literacy 2.0'' ist ein europäisches Projekt, das im Rahmen des EU-Programms Lebenslanges Lernen gefördert wird. Sein Ziel ist es sozial- und bildungsbenachteiligten Erwachsenen in ganz Europa zur Nutzung von Web 2.0-Anwendungen zu befähigen und ihnen so eine stärkere gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Um sie zu erreichen, wurden rd. 850 Mitarbeitende non-formaler Bildungseinrichtungen - etwa Bibliotheken, Gemeindezentren oder soziale Einrichtungen - in sieben europäischen Ländern zu IKT-Trainern für ihre Zielgruppen qualifiziert und so mehrere tausend Menschen europaweit motiviert, ihren Alltag mit Hilfe von Web 2.0 Anwendungen leichter zu bewältigen.

Projektpartner sind: Aga Khan Foundation in Portugal, Bibnet in Belgien, Stadtbibliothek Köln, Regionalna biblioteka "Pencho Slaveykov" in Bulgarien, Biblioteka Publiczna im. W.J. Grabskiego in Polen, Bibliothèque publique d'information in Frankreich, National Institute of Adult Continuing Education im Vereinigten Königreich und Stiftung Digitale Chancen (Berlin) als koordinierende Einrichtung.


Mehr erfahren Sie unter: www.digital-literacy2020.eu

Download vorhanden Download dieses Textes (docx-Version, 1.44 MB)