Veröffentlicht am: 03.06.09

Studie zur Barrierefreiheit im Internet: 35 Prozent verlassen Webseiten bei unklarer Navigation

Quelle: Stiftung "barrierefrei-kommunizieren!" vom 26.05.09

Die Stiftung "barrierefrei-kommunizieren!" unterstützt behinderte Menschen bei der Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und hat jetzt von dem Marktforschungsunternehmen TNS EMNID eine Untersuchung zum Thema barrierefreie Webangebote durchführen lassen. Barrierefreie Websites sollten so programmiert werden, dass behinderte und nicht behinderte Menschen sie gleichermaßen gut nutzen können. Wichtige Merkmale der Barrierefreiheit im Internet sind beispielsweise eine einfache Sprache, Alternativtexte, die angezeigt werden, wenn der Nutzer mit der Maus über Grafiken, Hyperlinks oder Bilder zeigt sowie eine leicht zu bedienende Navigation.

Im April 2009 wurden 1000 deutsche Internetnutzer befragt und die Ergebnisse der Studie sind verblüffend: Bei der Frage nach der Bekanntheit des Begriffs "Barrierefreie Websites" gaben 78 Prozent an, sich nichts darunter vorstellen zu können. Lediglich 22 Prozent hatten Kenntnis über die Bedeutung der Barrierefreiheit im Internet. Dabei hatte das Alter der Befragten keinen großen Einfluss auf die Antwort, denn 80 Prozent derjenigen, die den Begriff nicht einordnen konnten, waren zwischen 14 und 29 Jahre alt, 81 Prozent waren zwischen 40 und 49 Jahre alt und 75 Prozent waren 60 Jahre alt oder älter.

Eine Frage der Studie der Stiftung "barrierefrei-kommunizieren!" lautete, wie bekannt die Wichtigkeit der Barrierefreiheit für ältere und behinderte Menschen im Netz sei und auch an dieser Stelle wurde der Aufklärungsbedarf in der Gesellschaft deutlich: 60 Prozent der befragten Nutzer waren sich nicht über die Wichtigkeit im Klaren. Davon waren 65 Prozent zwischen 30 und 39 Jahre alt, 58 Prozent zwischen 40 und 49 Jahre alt und 56 Prozent zwischen 50 und 59 Jahre alt. Von denjenigen, die sich über die Wichtigkeit der Barrierefreiheit im Netz nicht bewusst waren, übten 60 Prozent eine Berufstätigkeit aus.

Die Omnibus-Befragung der Stiftung "barrierefrei-kommunizieren!" setzte sich auch mit den Merkmalen der Barrierefreiheit auseinander und stellte eine Frage bezüglich der Gründe für das vorzeitige Verlassen einer Webseite. 52 Prozent der Nutzer waren der Auffassung, dies sei bei unklaren Inhalten oder einer schwer verständlichen Sprache der Fall, 35 Prozent gaben an, Webseiten bei einer unverständlichen Navigation früher zu verlassen und 9 Prozent waren der Auffassung, ein zu klein geschriebener Text sei ein Grund, um sich nicht weiter auf einer Webseite umzusehen.

Bei der Befragung der Stiftung "barrierefrei-kommunizieren!" wurde auch die Frage gestellt, ob es schon vorgekommen sei, dass die Nutzer einen Online-Shop zu früh verlassen hätten, weil die Bedienung zu kompliziert gewesen sei. Darauf antworteten 43 Prozent mit "Nein" und 49 Prozent mit "Ja". Auch im Hinblick auf die Benutzerführung auf Websites gibt es offensichtlich noch viel Potential, das verbessert werden kann. Edeltraut Hanfland, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung "barrierefrei-kommunizieren!" ist der Auffassung, die Studie verdeutliche, dass viele Unternehmen sich noch nicht mit der Barrierefreiheit ihres Internetauftritts beschäftigt hätten.




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