Schulabgänger haben große Defizite in der Konsum- und Wirtschaftskompetenz. So die zentrale Aussage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), der anlässlich des Weltverbrauchertages am 14.03.06 Berliner Schüler zu ihrer Konsumkompetenz befragt hat. Fragen gesunder Ernährung waren dabei genauso Thema wie Rechtsfragen beim Online-Kauf oder der Vergleich von Handy-Verträgen.
Die 17 Fragen stammen allesamt aus dem Konsumalltag der Jugendlichen - der Verband äußert sich jedoch erschreckt über die Ergebnisse. Die Schulbildung würde es versäumen, den jungen Menschen das notwendige Basiswissen mit auf den Weg zu geben. Der vzbv fordert daher ein breites Bündnis für Verbraucherbildung in deutschen Schulen. "Bildungslücken in Konsumfragen haben gravierende individuelle, soziale und gesamtwirtschaftliche Folgen", so vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller zum Weltverbrauchertag. Der Satz "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" müsse in Deutschlands Schulen endlich wieder gelebt werden.
Der nicht-repräsentative Schülertest an Berliner Schulen, an dem 570 Schüler und Schülerinnen verschiedener Schulformen (jedoch keine Hauptschüler) teilnahmen, zeigt dem vzbv zufolge bedenkliche Bildungslücken in allen untersuchten Konsumfeldern. Durchschnittlich konnten die Schüler und Schülerinnen nur die Hälfte der Fragen richtig beantworten. Das Bild werde allerdings differerenzierter, wenn man die verschiedenen Schultypen vergleiche, die an der Befragung teilnehmen konnten. Berufsschulen und Gymnasien würden dabei durchaus positiv auffallen - immerhin zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler konnten mehr als 10 der insgesamt 17 Fragen richtig beantworten - anlass zur Sorge böten hingegen die Real- und Gesamtschulen. 22 Prozent der befragten Realschüler und 16 Prozent der Gesamtschüler waren dem vzbv zufolge nicht in der Lage, mehr als fünf Fragen richtig zu beantworten.
"Die zum Teil Mut machenden Ergebnisse der Umfrage überstrahlen jedoch nicht die vorhandenen Bildungsdefizite", so Edda Müller. Zum Beispiel wusste lediglich jeder Fünfte, dass bei einer Bestellung im Internet in der Regel ausschließlich die Adresse angegeben werden muss. "Verbraucherwissen fliegt einem nicht einfach zu, sondern muss erst erlernt werden", so Edda Müller. Sie erhofft sich vom diesjährigen Weltverbrauchertag eine Kehrtwende.
Problematisch sei in diesem Zusammenhang auch die Fiktion vom informierten und verständigen Verbraucher, wie sie der Europäische Gerichtshof zum Leitbild erhebt. Die Realität sehe aber anders aus. Nicht zuletzt die vielen Fehlentwicklungen und Fehlentscheidungen der Verbraucher im Konsumalltag seien ein Indiz dafür, dass die Schule nicht das Notwendige leiste, um Kinder und Jugendliche auf das Leben als Konsument vorzubereiten. Als Beispiele nennt die vzbv-Chefin Fehlernährung und Übergewicht, die hohe Zahl falsch abgeschlossener Versicherungsverträge und einen nicht nachhaltigen Lebensstil in einer Geiz- ist Geil-Gesellschaft.
"Um eine bewusste und souveräne Entscheidung treffen zu können, muss der Verbraucher nicht nur ausreichend informiert, er muss auch ausreichend gebildet sein", so Edda Müller. Für die Schulen bedeute dies, dass der Unterricht sich durch eine hohe Alltagsrelevanz auszeichnen und die Schüler in ihrer Erfahrungswelt abholen müsse.
Das fordert der vzbv:
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Die grundsätzliche Anerkennung des Rechts der Schüler auf Verbraucherbildung als Teil des Allgemeinwissens und im Umkehrschluss die Pflicht der Schulen zur Verbraucherbildung
- Die Verankerung von Verbraucherbildung in den Lehrplänen aller Schularten - von der Grundschule bis zum Gymnasium, in allen Bundesländern und auf allen Altersstufen
- Die Weiterentwicklung traditioneller Fächer wie Hauswirtschaft/Haushaltslehre und Arbeitslehre zu einem eigenständigen Fach "Ernährungs- Verbraucherbildung"
- Integration von Verbraucherthemen in Lehrpläne, Stundentafeln, Kerncurricula, Lehr- und Lernmaterialien und Schulbücher auch in anderen Fächern: "Wie liest man einen Kauf- oder Versicherungsvertrag?" kann im Deutschunterricht behandelt werden, "Welche Rolle spielt Musik in der Werbung?" im Musikunterricht
- Die Erarbeitung von überprüfbaren Bildungsstandards.
- Stützung der Verbraucherbildung durch die Aus- und Fortbildung kompetenter Fachlehrer
- Die Einrichtung einer Europäischen Verbraucheragentur analog zur Europäischen Umweltagentur zur systematischen Untersuchung zum Stand der Verbraucherbildung in Europa sowie deren Unterstützung
Weitere Informationen zum Fragebogen und den Ergebnissen finden Sie auf folgender Seite des vzbv:
http://www.vzbv.de/go/presse/687/1/2/index.html
Den Fragebögen mit Antworten finden Sie hier:
http://www.vzbv.de/mediapics/fragebogen_weltverbrauchertag_2006_mitantworten.pdf
Eine zusammenfassende Auswertung der Alltagskompetenz der Schüler liefert das folgende Pdf:
http://www.vzbv.de/mediapics/auswertung_schuelerumfrage_weltverbrauchertag_2006.pdf
Den Fragebögen können Sie interaktiv auch auf der folgendenden Seite zum Selbstausfüllen finden:
http://www.verbraucherbildung.de/projekt01/d/www.verbraucherbildung.de/index.html
Weitere Informationen zum Fragebogen und den Ergebnissen finden Sie auf folgender Seite des vzbv:
http://www.vzbv.de/go/presse/687/1/2/index.html