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Kinderpornografie im Internet: "Die Brutalisierung übersteigt unsere Fantasie"
Quelle: PM Vogel Burda Communications GmbH, Veröffentlichung auf openPR vom 12.05.06
CHIP-Interview mit dem Polizeipsychologen Adolf Gallwitz
München, 8. Mai 2006. In Deutschland konsumieren 50-70.000 Deutsche regelmäßig Kinderpornografie. Mindestens 100.000 Bundesbürger sind als Sextouristen wegen Kindern und Jugendlichen in aller Welt unterwegs – nur aus Deutschland wohlgemerkt. Nicht nur die Zahl, auch die Brutalität der Verbrechen nimmt zu, wie der Polizeipsychologe Adolf Gallwitz in einem Interview mit dem Computermagazin CHIP konstatiert. Eine entscheidende Rolle komme dem Internet zu: "Wo können Sie zum Beispiel Sex mit toten Kindern feilbieten? Das geht nur in diesem Medium. Wir registrieren eine Brutalisierung, die die Fantasie übersteigt."
Laut Gallwitz könnten sich die Ermittler noch "auf Jahre hinaus mit Fällen befassen, weil die Internet-Provider Hunderttausende von Kreditkartennummern an die Polizei gegeben haben". Das Problem: "Für Online-Ermittungen ist die Manpower in Deutschland wie auf der ganzen Welt ein Klacks zu dem, wie zum Beispiel Zielfahnder Steuerhinterziehung verfolgen." Daher sei es wichtiger, sich auf die kriminellen Organisation an der Spitze zu konzentrieren.
Gallwitz beklagt jedoch rechtliche Hürden, die einer effizienten Polizeiarbeit im Weg stünden: "Online-Ermittler müssen die Keuschheitsprüfung bestehen, das heißt, sie müssen sozusagen als Eintrittskarte in Chat-Foren Kinderpornografie anbieten – und das dürfen sie nicht. Diese Prüfung ist extrem wichtig, wenn man in den inneren Zirkel von Organisationen kommen will." Im Gespräch mit CHIP plädiert der renommierte Polizeipsychologe für mehr Spielraum bei den Ermittlungen: "Bei der Kontenabfrage, wo es für den Staat um viel Geld geht, war der Datenschutz auf einmal nicht mehr so wichtig. Wenn man da ein wenig kopieren könnte, hätten die Behörden etwas mehr Möglichkeiten."
Der Psychologie-Professor an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen fordert, die Medienkompetenz von Kindern und Eltern zu schulen: "Es reicht nicht von den Chancen des Mediums Internet zu schwärmen, man muss auch die Gefahren aufzeigen." Die Kinder müssten lernen, richtig zu reagieren: "Man muss über Pornografie auch im Schulunterricht sprechen. Dann muss Atomphysik eben mal ein bisschen warten." Es gehe um eine Antwort auf die Frage: Warum ist Pornografie sozialfeindlich?
In dem CHIP-Interview bezieht sich Gallwitz auch auf die belgische Kindermord-Serie aus dem Jahr 1996, die weltweit für Schlagzeilen sorgte und deren zentrale Figur Marc Dutroux zu lebenslanger Haft verurteilt wurde: "Belgien ist überall. Dutrouxs Beziehungen reichten weit über die Landesgrenzen hinaus. Ich bekam damals von Journalisten entsprechendes Material zugespielt und habe es an die zuständigen Ermittler weitergereicht. Ich habe keine Rückmeldung, was daraus geworden ist. Mehr sage ich nicht, tut mir leid."
Das vollständige Interview mit Adolf Gallwitz steht in der aktuellen CHIP 06/2006, die seit 5. Mai im Handel ist.
Mehr erfahren Sie unter:
http://www.chip.de/vbc
Im Angebot der SDC seit 19.05.06 (jch)
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