Christa Stewens stellt Gewaltdarstellungen und Kosten als Gefährdungspotentiale für Kinder heraus
Kaum ein Medium hat in den vergangenen Jahren einen derartigen Boom erlebt wie das Handy. Jeder zweite sechs- bis 13- Jährige und bereits 92 Prozent aller Jugendlichen besitzen ein Mobiltelefon. Diese Entwicklung birgt allerdings auch erhebliche Risiken. Viele junge Menschen wurden schon einmal 'abgezockt', zum Beispiel durch kostspielige Service- oder Rückrufnummern. Auch unzulässige Medieninhalte wie brutale Gewalt- und Pornofilme, die unter jungen Menschen von Handy zu Handy ausgetauscht wurden, haben die Schattenseiten im Umgang mit diesem Medium gezeigt. Deshalb sind hier alle Beteiligten gefordert, sich für einen zeitgemäßen und effektiven Jugendschutz einzusetzen: Medienwirtschaft, Gesetzgeber - aber auch Eltern und Pädagogen
, erklärte Bayerns Familienministerin Christa Stewens am 16. Oktober 2006 in München.
Leider ist für viele Eltern der Medienkonsum ihrer Kinder geradezu eine 'Black Box' - dies gilt auch für das Handy. Deshalb ist es mir sehr wichtig, mit qualifizierten Informationen und Projekten den verantwortungsbewussten, sorgsamen Umgang mit dem Handy seitens der Eltern und Pädagogen zu unterstützen
, betonte die Ministerin.
Die Aktion Jugendschutz ist ein wichtiger Kooperationspartner des Familienministeriums, um Eltern und Pädagogen bei der Medienerziehung zu unterstützen. Die Broschüre und gleichnamige Website 'Handy in Kinderhand' decken eine Informationslücke bei den Eltern
, lobte die Ministerin das Angebot und ergänzte:
Künftig werden diese Materialien auch in dem bayernweit bewährten Projekt 'Elterntalk' eingesetzt. Dabei wird der Erfahrungsaustausch unter Eltern rund um die Medienerziehung angestoßen. Der Umgang mit dem Handy ist hier ein wichtiger ergänzender Baustein.
Die Aktion Jugendschutz wird durch das Familienministerium mit rund 600.000 Euro jährlich gefördert.
Ein 'Beispiel guter Praxis' sei auch der 'Handykurs mit Polly und Fred', der durch das
FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht erstellt wurde und sich vorrangig an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren richtet.
Ich freue mich, dass das Mobilfunkunternehmen O2 durch sein finanzielles Engagement für diesen Handykurs die Anliegen des Jugendschutzes unterstützt
, dankte Stewens Valentina Daiber, Jugendschutzbeauftragte bei O2, für die Förderung des Handykurses sowie den Erwerb der Landeslizenz für Bayern.
Die Wirtschaft steht angesichts der Gefährdungspotentiale bei den neuen Medien in einer besonderen Verantwortung. Gerade bei internetfähigen Handys ist eine elterliche Kontrolle der Mediennutzung ihrer Sprösslinge sehr schwer. Hier sind neue technische Schutzmaßnahmen notwendig. Ich appelliere an die Mobilfunkunternehmen, Handys verpflichtend mit einer kindersicheren Grundkonfiguration auszuliefern
, betonte die Ministerin. Auch hierdurch könne die Wirtschaft die Eltern ganz entscheidend in ihrer Erziehungsverantwortung unterstützen.
Inwieweit durch die Jugendschutzregelungen des Bundes und der Länder ein wirksamer Jugendschutz sichergestellt werde, stehe derzeit im Rahmen einer Evaluation auf dem Prüfstand. Dabei werde ein unabhängiges Forschungsinstitut eingebunden. Stewens:
Gerade mit Blick auf gewalthaltige Medien ist der Gesetzgeber gefordert, bestmöglich sicherzustellen, dass junge Mensch nicht mit Inhalten konfrontierte werden, die definitiv nicht für sie geeignet sind. Im Rahmen der Evaluation sollten wir auch darüber nachdenken, den Besitz von Gewalt verherrlichenden Inhalten unter Strafe zu stellen, denn diese haben weder auf den Handys von jungen Menschen noch von Erwachsenen etwas verloren.
Derzeit sei nur das Verbreiten solcher Inhalte unzulässig.
Weitere Links:
O2 Handykurs