Am 8. November hat das Bundeskabinett das Programm Informationsgesellschaft 2010 - ID2010 beschlossen. Nach dem Vorgängerprogramm Informationsgesellschaft Deutschland 2006 setzt die Bundesregierung damit ein Zeichen und unterstreicht die Priorität der Aufgabenstellungen in den Bereichen Informations- und Kommunikationtechnologien und neue Medien. Neben der Förderung der Informationsgesellschaft in Deutschland soll das Programm auch die EU bei der Umsetzung der Strategie i2010 für Wachstum und Beschäftigung in der europäischen Informationsgesellschaft unterstützen.
Die Digitale Integration wird als eines der wesentlichen Handlungsfelder des Programms hervorgehoben. Aus Sicht der Stiftung Digitale Chancen begrüßen wir, dass das Programm ausdrücklich die Berücksichtigung der Interessen unterschiedlicher Benutzergruppen und die Integration bisher IKT-ferner Teile der Bevölkerung umfasst. Eine wesentliche Voraussetzung der Erschließung neuer Nutzergruppen wird in einem weiteren Handlungsfeld mit der Verbesserung der Sicherheit des Einzelnen in der Informationsgesellschaft festgeschrieben. Dazu zählen gerade auch im europäischen Kontext Fragen des Verbraucher-, Daten- und Jugendschutz. Im Bereich des Jugendschutzes wird in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt unserer Stiftungsarbeit liegen. Aufbau und Organisation des internationalen Youth Protection Roundtable im Rahmen des Eu-Programms Safer Internet Plus werden somit einen direkten Beitrag zur Verwirklichung der Ziele des Programms ID2010 leisten.
Elektronische Medien in der Aus- und Weiterbildung und die Einbeziehung digitaler Medien in Bildungsprozesse werden im Programm der Bundesregierung als Voraussetzungen dafür genannt, dass alle Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt an der Informationsgesellschaft partizipieren können. Das Internet wird als ein Instrument zur Erschließung neuer beruflicher Möglichkeiten und zur Nutzung von Weiterbildungsangeboten für Frauen gesehen. Damit diese Chancen genutzt werden können, sind aber zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um die digitale Kluft zwischen Geschlechtern zu schließen, lt. (N)Onliner Atlas 2006 sind nur 51,5 Prozent der weiblichen, aber 65,4 Prozent der männlichen Bevölkerung Internetnutzer.
Medienkompetenz ist auch der Schlüssel zur Integration von sozial- und bildungsbenachteiligten Jugendlichen. Die Bundesregierung erachtet dem Programm zufolge die Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder und Jugendliche als eine wichtige Voraussetzung zur Gewährleistung eines effektiven Jugendmedienschutzes. Diese Sichtweise ist angesichts der guten gesetzlichen Verankerung des Jugendmedienschutzes in Deutschland besonders hervorzuheben, spiegelt sie doch wider, dass technische Möglichkeiten und gesetzliche Vorgaben der Ergänzung durch pädagogische Maßnahmen bedürfen. Kinder und Jugendliche müssen fit gemacht werden für die Informationsgesellschaft, so dass sie in der Lage sind, auch den Gefahren im Internet zu begegnen und angemessen darauf zu reagieren. Bei dieser Aufgabe spielen Eltern eine ebenso wichtige Rolle wie Lehrer und Erzieher in der außerschulischen Jugendarbeit. Mit den Trainingsprogrammen der Stiftung Digitale Chancen haben wir bereits mehrere hundert Jugendsozialarbeiter erfolgreich für die Aufgabe der Medienkompetenzvermittlung geschult.
Einen Schwerpunkt legt das Programm ID2010 auf den weiteren Ausbau von E-Government-Angeboten. Die Beteiligung von Menschen mit Behinderung an der Internetnutzung soll durch die Sicherstellung der Accessibility dieser Angebote gestärkt werden. In dieser Aufgabenstellung sehen wir seitens der Stiftung Digitale Chancen auch eine Bestätigung unserer langjährigen Arbeit auf dem Gebiet des barrierefreien Internet. Seit dem Jahr 2003 haben wir gemeinsam mit unserem Partner, Aktion Mensch, mehr als 50 Webseiten, darunter auch solche auch aus dem Bereich des E-Government, mit dem Preis für barrierefrei gestaltete Internetangebote - der BIENE - ausgezeichnet.
Aus Sicht der Stiftung Digitale Chancen bietet das neue Programm der Bundesregierung eine solide Basis für die Ausschöpfung vorhandener Potentiale der Informations- und Kommunikationstechnologien und die Weiterentwicklung der Gesellschaft zu einer alle Bevölkerungsgruppen umfassenden Informationsgesellschaft. Die Umsetzung des Programms in der Praxis bedarf gemeinsamer Anstrengungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik; die Stiftung versteht sich dabei als Partner zur Erreichung der gemeinsamen Ziele.
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