Ämter nutzen das Internet oft nur zur Selbstdarstellung
Deutschlands Ämter nutzen das Internet kaum. Während sich in vielen Ländern immer mehr Behördengänge online erledigen lassen, bleibe das in der deutschen Verwaltung die Ausnahme, kritisiert der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM).
Der Verband stützt seine Einschätzung auf eine aktuelle Studie der Europäischen Kommission zu den Internet-Diensten der öffentlichen Hand. Im Vergleich der 15 EU-Kernländer landet Deutschland dabei auf dem 13. Platz. Nur Griechenland und Luxemburg schneiden in der Studie noch schlechter ab.
Das ist ein Armutszeugnis
, sagte Jörg Menno Harms, Vizepräsident des BITKOM.
Elektronische Dienste sparen Kosten und verbessern den Service für Bürger und Unternehmen. Eine Chance, die wir auch in Deutschland nutzen müssen.
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Dagegen zeigen, so BITKOM, die deutschen Unternehmen keinerlei Berührungsängste mit dem Internet. Elektronische Geschäftsprozesse gewinnen weiter an Bedeutung. Der Verband verweist diesbezüglich auf die im Auftrag des BITKOM entstandene Studie 'E-Business-Barometer 2006/2007'. Drei Viertel aller Firmen begreifen demnach elektronische Prozesse als Teil des Tagesgeschäfts. Besonders im Online-Handel nimmt Deutschland eine Spitzenposition ein. 2005 wurden etwa 30 Prozent aller in Westeuropa über das Internet gehandelten Waren und Dienstleistungen hier zu Lande verkauft, der Umsatz lag bei 321 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet der BITKOM ein Volumen von mehr als 400 Milliarden Euro in Deutschland - rund 90 Prozent davon entfallen auf Geschäfte zwischen Unternehmen.
Weil die Nutzung des Internets zwischen Staat und Unternehmen immer weiter auseinander klafft, steht Deutschland vor einer digitalen Spaltung - einer Spaltung zwischen Wirtschaft und öffentlicher Hand
, warnte Harms. Er forderte:
Die Behörden müssen das Netz zur kompletten Abwicklung von Verwaltungsvorgängen nutzen. Portale zur Selbstdarstellung allein reichen nicht mehr aus.
Probleme bereitet auch das digitale Zusammenspiel von Bund, Ländern und Gemeinden. Daten, die eine Behörde beispielsweise auf Bundesebene erhebt, können nur schwer von einer Landesbehörde eingelesen und weiterverarbeitet werden.