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Grimme Online Award zeichnet publizistisch Vorbildliches im Internet aus

Quelle: Stiftung Digitale Chancen

Das Adolf-Grimme-Institut verleiht seit 2001 den Grimme Online Award und zeichnet damit qualitativ anspruchsvolle Webseiten aus. So versteht sich der Grimme Online Award auch als Qualitätspreis für Online-Publizistik. Die Teilnehmer können sich für vier verschiedene Kategorien bewerben und insgesamt werden acht Preise verliehen. Eine unabhängige Nominierungskommission wählt herausragende Beiträge aus, die an eine Jury weitergereicht werden. In der Kommission und in der Jury sitzen Experten aus den Bereichen Journalismus, Wissenschaft, Gestaltung sowie aus der Online-Branche. Einer der Mitglieder der Nominierungskommission ist Professor Dr. Christoph Neuberger, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Stiftung Digitale Chancen hat Professor Dr. Christoph Neuberger zum aktuellen Wettbewerb befragt.

SDC: Der Countdown läuft. Noch bis zum 31. März 2009 können Website-Anbieter und Internetnutzer Online-Angebote für den Grimme Online Award vorschlagen. Was ist das Ziel des Wettbewerbs?

Professor Dr. Neuberger: Mit den Preisen wird publizistisch Vorbildliches im Internet ausgezeichnet. Die Frage, die wir uns Jahr für Jahr stellen, lautet: Welchen Gewinn zieht die Gesellschaft, zieht das breite Publikum aus dem neuen Medium? Weil das Internet so viele Möglichkeiten bietet und sich so rasch weiterentwickelt, müssen auch die Maßstäbe immer wieder überdacht werden: Worin besteht die besondere Qualität des Journalismus, von Wissen und Bildung, von Kultur und Unterhaltung im Netz? Dies sind auch die drei Hauptkategorien des Grimme Online Award. Für die positiven Überraschungen wird ein Spezialpreis ausgelobt. Darüber hinaus gibt es einen Publikumspreis - die Abstimmung findet hier natürlich im Internet selbst statt.

SDC: Mehr als 600 Websites wurden bisher für den Grimme Online Award eingereicht, wie ist der erste Eindruck?

Professor Dr. Neuberger: Mein erster Eindruck? Das Web 2.0 hat an publizistischer Reife gewonnen. Es ist nicht mehr nur die Angelegenheit von wenigen Eingeweihten, die unter sich bleiben wollen. Viele Websites wenden sich an ein breites Publikum und regen zum Mitmachen an. Der inhaltliche Ertrag ist dann besonders groß, wenn Anbieter nicht dem Trend zur Beschleunigung und zur Verknappung folgen. Was oft vergessen wird: Das Internet ist ein ideales Medium für das gemeinsame Sammeln, Sichten und Sortieren von Informationen, für Vertiefung und Muße. Und dafür ist Zeit notwendig.

SDC: In diesem Jahr wird erstmals der klicksafe Preis für Sicherheit im Internet zusammen mit dem Grimme Online Award vergeben. Warum diese Zusammenarbeit? Gibt es Gemeinsamkeiten der beiden Preise?

Professor Dr. Neuberger: Die beiden Preise eint das Anliegen, das Gute am Internet zu fördern. Und sie ergänzen sich hervorragend: Mit dem Grimme Online Award werden hochwertige Angebote ausgezeichnet. Den "klicksafe Preis" erhalten solche Websites und Projekte, die den Nutzern Hilfestellung geben und dazu beitragen, dass sie sich in der Onlinewelt zurechtfinden. Dadurch wird sowohl die Anbieter- als auch die Nutzerseite gewürdigt.

SDC: Wie schätzen Sie die Kompetenz der Internetnutzerinnen und -nutzer ein, mit Risiken im Internet verantwortungsbewusst umzugehen?

Professor Dr. Neuberger: Das Internet unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von allen anderen Medien, die wir bisher kennen: Es besitzt keine flächendeckende Qualitäts- und Zugangskontrolle. Nicht alles, was dort veröffentlicht wird, ist von einer Redaktion geprüft oder gestaltet worden. Diese Offenheit bringt Chancen, aber auch erhebliche Risiken: Oftmals bleibt es den Nutzerinnen und Nutzern überlassen, die Herkunft, Richtigkeit und Relevanz der Informationen zu bewerten. Dafür sind ganz neue Kompetenzen erforderlich. Auch auf das eigene Publizieren im Netz sind wir wenig vorbereitet: Was soll ich über mich selbst preisgeben? Was darf ich über andere schreiben? Das Internet schafft globale Sichtbarkeit. Beim Gespräch von Angesicht zu Angesicht oder beim Telefonieren überblicken wir, wer etwas mitbekommt - im Internet geht diese Kontrolle verloren.

SDC: Was wünschen Sie persönlich sich für das Internet der Zukunft?

Professor Dr. Neuberger: Das Internet ist ein formbares Medium mit vielen Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb wünsche ich mir eine aufmerksame Beobachtung des Mediums und eine breite Diskussion darüber in der Öffentlichkeit.

Zur Person:

Christoph Neuberger ist Professor für Kommunikationswissenschaft und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Zuvor hat er in Eichstätt und Leipzig an Journalistik-Studiengängen gelehrt. Seit 1996 beschäftigt er sich in Untersuchungen und Publikationen mit dem Journalismus und der Öffentlichkeit im Internet.




Mehr erfahren Sie unter:
http://www.grimme-institut.de/

Im Angebot der SDC seit 23.03.09 (yze)




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