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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, hatte sich im Juni dieses Jahres dafür ausgesprochen, auch Onlinesüchtigen in Drogenberatungsstellen Hilfe und Unterstützung anzubieten. Onlinesucht ist jedoch ein Phänomen, das in der Gesellschaft noch wenig bekannt ist. Das Onlineportal LizzyNet ist ein Magazin für Mädchen und hat jetzt ein Interview mit Dorothee Mücken von der Fachstelle für Suchtprävention der Drogenhilfe Köln geführt. Die Expertin wurde dazu befragt, ob tägliches Surfen im Web tatsächlich abhängig macht und was man gegen Onlinesucht tun kann.
Wie lautet ihre Definition von Onlinesucht? Hängt die Sucht nicht auch von den Beschäftigungen ab? Z.B. mailen, spielen, chatten, spielen...
Dorothee Mücken: Es zeigt sich, dass bei bestimmten Internetaktivitäten eher ein Risiko besteht online-süchtig zu werden. Oder anderes herum, Online-Süchtige sind überwiegend spielsüchtig, sexsüchtig, glücksspielsüchtig oder chatsüchtig. Von einer Gefährdung der Online-Sucht sprechen wir, wenn jemand in seiner Freizeit das Internet überwiegend nutzt, um bestimmte positive Effekte wie z.B. Entspannung, Belohnung zu erreichen. Andere Hobbys, wie Sport oder Freunde treffen, werden vernachlässigt und die Online-Zeit wird immer länger.
Ab wann ist man süchtig? Würden Sie sagen, dass jemand, der zum Beispiel jeden Tag 3 Stunden im Netz verbringt, schon onlinesüchtig ist?
Dorothee Mücken: Ob man süchtig ist, kann man nicht anhand der Zeit entscheiden, sondern vielmehr anhand der Funktion, warum jemand im Internet ist. Was sucht der- oder diejenige im Internet? Versucht man, z.B. Probleme zu vermeiden oder hat man nur Online-Freunde und im realen ist es ganz still geworden, dann werden wir hellhörig.
Woran kann man erkennen, dass man selbst gefährdet ist?
Dorothee Mücken: Das kann jeder bei sich selbst ganz einfach überprüfen, in dem er versucht, mal einen Tag - oder noch besser - mal eine Woche auf das Internet zu verzichten. Was passiert? Wenn man merkt, dass der Verzicht nicht besonders schwer fällt, ist man wohl eher nicht gefährdet. Merkt man aber, dass sich alle Gedanken um den PC drehen und man etwas unruhig wird und etwas sehr stark vermisst, dann kann eher von einer Gefährdung ausgegangen werden.
Welche Auswirkungen hat Online-Sucht, welche Folgen können für die Persönlichkeit entstehen?
Dorothee Mücken: Bei Jugendlichen kommt es häufig zu Schulabbrüchen und starker Isolierung. Die Betroffenen halten sich meist nur noch in ihren vier Wänden auf und haben keinen Kontakt mehr zu ihren realen Freunden. Sie vernachlässigen körperliche Hygiene und regelmäßige Mahlzeiten. Es gibt ständig Streit mit den Eltern.
Bei anderen Süchten gibt es ja bestimmte Therapieformen, wie ist das bei Onlinesucht? Was macht man da?Dorothee Mücken: Viele Eltern ziehen den Stecker, schalten die Sicherung nachts aus oder schließen die Tastatur weg. Das kann dann hilfreich sein, wenn der Betroffene auch dazu bereit ist und die Einschränkungen mit seiner Einsicht geschehen. Ansonsten empfehlen wir eher langsam vorzugehen. Manchmal ist es wichtiger, über die anderen Aktivitäten zu sprechen als über den PC-Konsum. Wichtig ist es also, die anderen Aktivitäten zu verstärken und zu fördern. Immer wieder zu überlegen: Was kann ich sonst noch unternehmen und machen?
Angaben zur Person:
Dorothee Mücken ist Dipl. Rehabilitationspsychologin (FH), Suchttherapeutin und Projekterin Online-Sucht bei der Fachstelle für Suchtprävention der Drogenhilfe Köln e.V.