Bereich net.werker Bereich Experten Bereich Presse Bereich Einsteiger Bereich Experten
Logo der Stiftung Digitale Chancen
Über d. Stiftung
Service für Experten
Schrift ändern  
Schriftgrad 1Schriftgrad 2Schriftgrad 3
   Start  Suche News  Termine Forum  Newsletter  Broschüren  Kontakt


Kinder und Jugendliche > Kommentare
Zugangsorte finden:
:   

  ::  detailliert suchen
  ::  Zugangsort melden

Kommentare

Jugendkampagne "Watch your web": Verantwortungsvoller und kritischer Umgang mit persönlichen Daten im Netz

Portrait: Daniel Poli, Projektkoordinator

Die Kampagne "Watch your Web" ist am 9. Juni 2009 in Berlin gestartet, sie wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz getragen. Die Stiftung Digitale Chancen ist Partner der Kampagne, sie hat mit dem Koordinator Daniel Poli gesprochen, um zu erfahren, wie es weiter geht mit "Watch your Web".

SDC: Herr Poli, wie ist die Projektidee entstanden? Was ist das Ziel von "Watch your Web?"

Daniel Poli: Wir erleben derzeit einen Boom sozialer Netzwerke wie "StudiVZ.de", "SchuelerVZ.de", "Lokalisten.de" oder "Facebook.com", der auch ein neues Nutzungsverhalten vor allem bei jungen Menschen hervorbringt: Eine überwiegend freizügige Preisgabe persönlicher Daten. Darauf machten auch die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder in ihrer Entschließung vom 3. und 4. April 2008 aufmerksam und fordern Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz junger Menschen, die eine kritische Auseinandersetzung mit den Internetangeboten stärken. Auch die Analysen der JIM Studie 2008 deuten im Bezug auf die Nutzung von Online-Communitys auf ein neues Problemfeld hin, in dem akuter Handlungsbedarf besteht. Daher wurde von Jugend online im April 2008 ein Arbeitskreis mit über 30 Partnern initiiert, um gemeinsam die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken und sie für einen verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit persönlichen Daten im Internet zu sensibilisieren.

SDC: Webman kämpft bei "Watch your Web" für das Gute im Internet, Data Devil ist sein Gegenspieler. Was können Jugendliche von den beiden erwarten?

Daniel Poli: Die beiden Comicfiguren symbolisieren eine Auseinandersetzung mit den Risiken und Chancen des Internet. Webman steht für einen verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit den eigenen Daten im Netz. Data Devil vereint all die negativen Dinge, die im Netz passieren können und vor denen sich jede und jeder Einzelne durch einen sicheren und kompetenten Umgang mit dem Medium schützen kann. In einem ersten Schritt sollen vier Videoclips auf die Risiken aufmerksam machen und für das Thema sensibilisieren. Dies geschieht genau dort, wo sich die meisten Jugendlichen im Netz aufhalten. Im SchülerVZ zum Beispiel hat Webman ein eigenes Profil, das bisher über 65.000 Jugendlichen Fans hat und über eine halbe Million Mal angeschaut wurde. Hier gibt es auch den "Webtest", der dabei hilft, das eigene Verhalten einzuschätzen und darüber nachzudenken in Zukunft vorsichtiger mit den eigenen Daten umzugehen. Eine weitere Möglichkeit bietet Webmans Pinnwand, auf der Jugendliche ihre eigenen Erfahrungen anonym veröffentlichen können, um anderen Hinweise zu geben, sich selbst besser zu schützen. Inzwischen gibt es auch selbst gemachte Videos von Jugendlichen, die die beiden Comicfiguren für sich adaptieren, um eigene Statements zum Thema abzugeben und andere darauf aufmerksam zu machen. Dies zeigt, dass die Symbolisierung des Themenkomplexes durch die beiden Figuren gut funktioniert und von der Zielgruppe angenommen wird.

SDC: Freundschaft, Liebe, nette Kontakte: Soziale Netzwerke sind wichtige Internet-Treffpunkte für Heranwachsende. Welche Empfehlungen gibt "Watch your Web" den Jugendlichen, um sich vor Datenmissbrauch und Cybermobbing schützen?

Daniel Poli: Zunächst einmal begrüßen wir es sehr, dass junge Menschen in Deutschland endlich das Internet als Kommunikations- und Informationsmedium als selbstverständlichen Teil ihres Alltags verstehen und nutzen. Durch die Aktivität innerhalb sozialer Netzwerke entwickeln Jugendliche wichtige Schlüsselkompetenzen wie das Stärken multimedialer Ausdrucksweisen, das Knüpfen von Kontakten und netzwerkbasiertes Lernen. Auch werden hier bestimmte Identitätsfindungsprozesse angestoßen, die es jungen Menschen erlauben sich innerhalb eines jugendkulturellen Raums zu erproben. Um diese Chancen auch sicher nutzen zu können, bietet die Kampagnenseite www.watchyourweb.de Tutorials, die Schritt für Schritt zeigen, wie man seine Privatsphäre innerhalb der verschiedenen Netzwerke schützen kann. Darüber hinaus werden konkrete Hilfen und Adressen unserer Partner vorgestellt, wo Jugendliche weitere Informationen und konkrete Hilfe finden. Wir empfehlen also, sich vor der Nutzung sozialer Netzwerke darüber zu informieren, wie man seine persönliche Daten schützen kann, dass man kritisch mit Freundesanfragen umgehen soll, gerade wenn man die Personen nicht kennt und dass es wichtig ist, darüber nachzudenken, welche Fotos, Texte und Videos man von sich veröffentlicht. Denn nicht alles ist dafür geeignet, es im Internet zu veröffentlichen. So schützt die Datensparsamkeit auch am besten vor Missbrauch. Wichtig dabei ist aber, den Spaß am Internet nicht zu verlieren und die Chancen und Möglichkeiten für sich zu nutzen.

SDC: Und was passiert, wenn es doch mal schief geht? Was raten Sie den Jugendlichen?

Daniel Poli: Wenn einmal persönliche Daten oder Fotos im Netz von Dritten verbreitet werden, so genannte "Fakeprofile" auftauchen, also Profile über die eigene Person ohne deren Wissen gefunden werden oder auch Fälle von Cybermobbing beobachtet werden, dann sollten Jugendliche mit ihren Eltern darüber sprechen und sich gemeinsam in einem ersten Schritt an die Betreiber der Plattformen wenden. Viele Netzwerke bieten hier auch eine Hotline an. Gleichzeitig ist bei einem Datenmissbrauch ratsam, sich an die zuständigen Datenschutzbehörden des jeweiligen Bundeslandes zu wenden. Die Adressen und wer für welche Internetdienste zuständig ist, findet man im Hilfebereich auf www.watchyourweb.de

SDC: "Watch your Web" wird von einem Netzwerk von Partnern getragen, welche Rolle spielen diese Partner bei der Umsetzung der Kampagne?

Daniel Poli: Die Kampagne wurde mit unterschiedlichen Partnern aus den Bereichen Jugend-, Verbraucher- und Datenschutz, Vertreter der Internetwirtschaft, medienpädagogische Initiativen und Projekte, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern, und weitere Vertreter aus dem schulischen und außerschulischen Bildungsbereich und dem Feld der Jugendinformation gestartet. Diese breite gesellschaftliche Basis macht auch den Erfolg von watch your web aus. Partner wie SchülerVZ, die Lokalisten, Wer-kennt-wen oder Facebook tragen dazu bei, dass die Botschaften in Form der Videos und des Webtests innerhalb der sozialen Netzwerke direkt Jugendliche dort ansprechen, wo sie sich auch im Netz aufhalten. Andere Partner haben dabei geholfen, die Kampagne zu verbreiten und für nachhaltige Diskussionen zum Thema Umgang mit persönlichen Daten im Netz zu sorgen. Gerade pädagogischen Institutionen, Projekte der Medienpädagogik, der Freiwilligen Selbstkontrolle aber auch die Stiftung Digitale Chancen haben dazu beigetragen, dass watch your web auch an Eltern, Lehrer und Multiplikatoren/-innen herangetragen wird und hier Aufklärung schafft. Uns erreichen täglich Anfragen von Pädagogen/-innen, die das Thema gerne im Unterricht oder auch in der Jugendarbeit mit jungen Menschen bearbeiten wollen und uns durchweg positive Rückmeldungen darüber geben, dass zum Beispiel unsere Videoclips dabei helfen, für Sensibilität und Diskussion bei den Jugendlichen zu sorgen.

SDC: Wie geht es weiter mit "Watch your Web"? Was ist für die Zukunft geplant?

Daniel Poli: Mit der Kampagne wurde von Jugend online auch ein Methodenset zum Thema Datenschutz und Umgang mit persönlichen Daten im Internet entwickelt. Bestandteil davon sind neben Informationen und praktischen Methodenmodellen auch zwei Spiele, die direkt in Schule und Jugendeinrichtungen mit Jugendlichen gespielt werden können. Diese bieten einen spielpädagogischen Zugang zum Themenkomplex, stärken das Wissen in diesem Bereich und vertiefen die Auseinandersetzung. In Form begleiteter Spielaktionen werden wir im September bundesweit in Kooperation mit Jugendeinrichtungen vor Ort das Methodenset einsetzen und bieten das Paket auch weiteren Bildungseinrichtungen an. Auch wird die Kampagne weiter laufen und verstärkt neben SchülerVZ auch bei Facebook den direkten Dialog mit Jugendlichen suchen und für Fragen junger Menschen zum sicheren Umgang mit dem Medium Internet zur Verfügung stehen.

SDC: Vielen Dank für das Gespräch.




Mehr erfahren Sie unter:
http://www.watchyourweb.de

Im Angebot der SDC seit 13.08.09 (yze)

Verwandte
Themenbereiche:
Datenschutz, Jugendschutz, Bürgerbeteiligung, Medienkompetenz, Mediennutzung durch Kinder / Aktivitäten für Kinder, Mediennutzung durch Jugendliche / Aktivitäten für Jugendliche, Mediennutzung allgemein, Medienpädagogische Konzepte, Sicherheit




 Nach oben

Copyright 2012, SDC.