Die Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien für Frauen in sich entwickelnden Ländern
Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) werden als ein wichtiges Instrument angesehen, um marginalisierte Gruppen, insbesondere Frauen, in die Entwicklung der globalen Informationsgesellschaft einzubeziehen. IuK-Technologien allein werden die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern nicht beenden, aber sie können als Katalysator für soziale Veränderung und für Qualifizierung dienen.
In einem großen Teil der sich entwickelnden Länder erschwert besonders die Diskriminierung der Frau deren Möglichkeiten, Zugang zu IuK-Technologien zu bekommen und von ihnen zu profitieren. Wenn Frauen nicht aktiv in die Planung und Nutzung der neuen Informationstechnologien eingebunden werden, besteht die Gefahr, dass die Ungleichheit aufgrund des Geschlechts durch die IuK-Technologien eher verstärkt als überwunden wird. Viele Projekte erkennen die Bedeutung der IuK-Technologie-Nutzung für die Frauen und beziehen daher den Gender-Aspekt in ihre Analyse der Zugangs- und Nutzungsbedingungen mit ein.
Computerausbildung
Zahlreiche Projekte bieten Computerausbildung für Frauen an. Das
Bayanloco Community Learning Center bildet Frauen im ländlichen Nigeria für die Nutzung der Informationstechnologien zur Förderung des Friedens und Verringerung der Armut aus. Durch das Zentrum haben die Frauen Zugang zu Computerausbildung, Gesundheitsinformationen und einem Programm für Kleinkredite.
Indira Soochna Shakti ist ein ehrgeiziges Projekt, das hauptsächlich von der Landesregierung von Chhattisgarh durchgeführt wird, um eine ganze Generation von Schulmädchen, das sind rd. 250.000 weibliche Jugendliche, in allen 1.605 staatlichen High Schools durch eine vierjährige IT-Ausbildung kostenlos zu qualifizieren. In einem anderen Projekt,
Tel-Nek, erhalten Frauen aus ländlichen Regionen im Bezirk Bangalore eine IT-Ausbildung für berufliche Zwecke.
Meistens erhöht das IT-Training die Chancen der Frauen, einen Job zu bekommen. Die
Datamation Foundation, eine führende Firma für IT-Dienstleistungen in Indien, arbeitet mit verschiedenen Frauengruppen zusammen, um IT-Stellen für Frauen aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Eine der ersten Partnergruppen,
Nari Raksha Samiti, baute ein Computerbildungszentrum auf, das sich an unterprivilegierte, missbrauchte und mittellose Frauen im Bezirk Delhi wendet. Das Zentrum hat auch eine Online-Krisenhilfe eingerichtet, um Mitgift- und Familienprobleme zu lösen. Ein anderes Ausbildungsprojekt,
Digital Divide Data, stellt Frauen ein und bildet sie aus, um für US-amerikanische Firmen und Organisationen von ihrem Standort in Phnom Penh, Kambodscha, aus Dateneingabedienstleistungen auszuführen.
E-Commerce und Geschäftsentwicklung
Einige Projekte nutzen IT, damit Frauen ihr Kunsthandwerk über das Internet vertreiben können.
ArtCamp ist eine erfolgreiche Kunsthandwerk-Kooperative von Frauen in Mexico, die handgefertigten Schmuck entwerfen und herstellen und über das Internet an Einzelhändler in den USA und Europa verkaufen.
India Shopist eine E-Commerce-Website, die speziell für den Verkauf von Produkten von ländlichen Frauenkooperativen und Nichtregierungsorganisationen in Tamil Nadu, Indien, eingerichtet wurde. Durch die Website bzw. den Online-Verkauf erhalten sie höhere Preise und damit größere Gewinnspannen, da sie den Zwischenhandel einsparen. Über die
Tortas Peru Website können Frauen in Lima Aufträge für ihr Gebäck aus der ganzen Welt entgegen nehmen; damit wird Hausfrauen, die nur schwer eine Arbeit außer Haus finden, eine Einkommensquelle eröffnet. Gleichzeitig wird die Computerbildung von Frauen gefördert, die sonst nur wenig Gelegenheit hätten, Zugang zu der neuen Technik zu bekommen.
Andere Projekte bieten Unterstützung für Unternehmerinnen.
Mujeres, Oportunidades, Y Negocios (Frauen, Chancen und Geschäfte) ist ein Informationsportal, wo Frauen unter Verwendung von informationstechnischen Tools Unterstützung und Ratschläge für den Aufbau ihrer eigenen Unternehmungen erhalten können.Das
TechPreneurs Programmim Owerri Digital Village lehrt Teilnehmerinnen das für das effektive Management ihrer Unternehmungen erforderliche technische Wissen. Ein anderes Projekt,
Women's Information Resource and Electronic Services (WIRES), qualifiziert Unternehmerinnen und Geschäftsentwicklungen fördernde Frauenorganisationen, damit sie Mittel und Wege finden können, IK-Technologien für die wirtschaftliche Stärkung der Gemeinschaft zu nutzen.
Qualifizierung
Viele Initiativen wie das Programm
Women on the Net (WoN) unterstützen Frauen bei der Nutzung des Internet für ihre eigene Qualifizierung.
Women'sNet ist ein innovatives vernetzendes Hilfsprogramm für Frauen in Südafrika, mit dessen Hilfe sie die für die sozialen Aktivitäten der Frauen benötigten Themen, Ressourcen, Kontakte und Tools im Internet finden können. Die
Self Employed Women's Association (SEWA), die für über 250.000 Frauen in Indien arbeitet, baut ein Dutzend Technikinformationszentren auf, in denen „Barfuß-Manager“ ausgebildet werden, um ihre Organisatorinnen und Leiterinnen zu qualifizieren und die Kleinbetriebe ihrer Mitglieder zu stärken.
Im Verbund mit anderen Multimedia-Techniken wird IT genutzt, um den Frauen eine Stimme zu geben.
CEMINA ist eine brasilianische Nichtregierungsorganisation, die das Radio als Informationsmedium nutzt, über das Informationen für verarmte Frauen im ganzen Land verbreitet werden. In den täglichen Sendungen stellt Radio Fala Muhler (Frauen sprechen) den Frauen ein Medium zur Verfügung, über das sie ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihr berufliches Know-how austauschen können und damit ein Netz für die Unterstützung der Frauen in Brasilien aufbauen. Die Sendung steht auch online zur Verfügung, damit auch die Frauen erreicht werden, die außerhalb des Sendegebiets wohnen, und um die Frauen zu ermutigen, IT-Wissen zu erwerben. Das
Centro de Mujeres Comunicadoras Mayas (Zentrum für Maya-Kommunikatorinnen) in Guatemala qualifiziert indigene Frauen auf den Gebieten Videoproduktion, Fotografie, Computernutzung und Internetkommunikation; damit entwickeln sie die Fähigkeiten, die sie für ihre Darstellung in den Medien und in der Welt benötigen.
Kleinkredite
Einige Projekte nutzen die Technik, um Kleinkreditprogramme zu unterstützen. Sowohl die
Dhan Foundation als auch
Swayam Krishi Sangamnutzen Palmtops und Chipkarten für die Unterstützung von Kleinkreditprojekten, deren Hauptziel die Qualifizierung von Frauen aus ärmsten Verhältnissen ist. Ein anderes Projekt,
Mahila Sphurthi , unterstützt arme Frauen vom Lande mit einem integrierten Informationssystem, um die Aktivitäten von Selbsthilfegruppen oder lokalen Frauengruppen im Hinblick auf Kleinkredite und Gruppenrabatte zu rationalisieren.
Ein weiteres Projekt, das
Grameen Telecom's Village Phone Program, fördert die Verbreitung der Technik durch Kleinkredite. In dem Programm nutzen die Teilnehmer am umlaufenden Kreditsystem der Grameen Bank einen Bankkredit für den Kauf eines Handy, mit dem sie dann Telefondienstleistungen in unterversorgten ländlichen Gebieten von Bangladesh verkaufen. Über 75 % der Telefonisten sind Frauen, was in dieser Gesellschaft, in der das Zusammenleben von Mann und Frau sehr strikt geregelt ist, dazu geführt hat, dass hier weitaus mehr Frauen die Telefondienstleistungen in Anspruch nehmen können als in Gebieten, wo die Telefonisten männlich sind. Es gibt auch Belege dafür, dass weibliche Telefonisten dazu beigetragen haben, den Status von Frauen in den Gemeinden, in denen sie arbeiten, zu erhöhen, weil die Telefone für das ganze Dorf von Bedeutung sind.
Weitere Quellen
Durchsuchung des Clearinghouse nach über 50 IuK-Technologie basierten Aktivitäten, die die Qualifizierung von Frauen als Aktivitätstyp aufweisen.
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Media and Gender Monitor ist eine halbjährliche Veröffentlichung des Frauenprogramms in der World Association for Christian Communication (WACC). Der Monitor will ein Gleichgewicht zwischen Forschung und Nachrichten schaffen und berichtet ausführlich über die Regionalkonferenzen der WACC zur Gleichberechtigungs- und Kommunikationspolitik, einem Forum, in dem Medienspezialisten mitarbeiten; darüber hinaus bringt er Nachrichten zu Medien- und Gleichberechtigungsthemen aus der ganzen Welt.
Gender, Information Technology, and Developing Countries (Geschlecht, Informationstechnologie und Entwicklungsländer) ist eine analytische Studie, die einen konzeptuellen Rahmen für die Berichterstattung über angemessen informations- und kommunikationstechnische Programme und Aktivitäten für Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern bereitstellt.
Gender Evaluation Methodology (GEM)Softwareist eine Anleitung für die Integration einer geschlechtsbezogenen Analyse in die Evaluation von Initiativen, die Informations- und Kommunikationstechnologien für soziale Veränderungen einsetzen. GEM ist ein Instrument, mit dem festgestellt werden kann, ob IuK-Technologien das Leben von Frauen und die Beziehungen zwischen den Geschlechtern wirklich verbessern können; außerdem fördert es positive Veränderungen auf individueller und institutioneller Ebene und in den Bereichen Gemeinschaft und im Sozialleben im weiteren Sinne.