Überblick
Telezentren sind eine der am schnellsten wachsenden Anwendungen von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in den Entwicklungsländern. Dabei handelt es sich um Modelle mit gemeinsamem Zugang, die eine Vielzahl von Dienstleistungen für mehr Nutzerinnen und Nutzer zu geringeren Kosten bereitstellen, als dies bei im Privatbesitz befindlichen Rechnern zu Hause oder im Büro möglich wäre, die für arme Menschen häufig unerschwinglich sind.
Die
Definitionen des Begriffs Telezentrum sind so unterschiedlich wie die Aktivitäten, die in einem solchen Telezentrum angeboten werden. Kleinere Telezentren bieten normalerweise Basis-Internetdienstleistungen, eventuell auch Fax, Telefon und Fotokopierer. Bei anderen gibt es auch gezielte Aktivitäten in den Bereichen Bildung und Ausbildung, Gesundheit, E-Commerce, E-Government usw. Das Erscheinungsbild eines Telezentrums ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Allgemein verbreitet sind Kioske, Computerlabore von Schulen, die nach dem Unterricht für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, Mehrzweck-Telezentren für die Bürger und mobile Telezentren. Abgesehen von diesen Unterschieden haben alle Telezentren ein gemeinsames Merkmal: Sie nutzen Informationstechnik für die Bereitstellung von Dienstleistungen unter Verwendung eines Modells des gemeinsamen Zugriffs.
Dieser Artikel befasst sich mit den Informationen, die das Projekt Digital Dividends bei seiner Untersuchung von Telezentren gewonnen hat. Die analysierten Daten umfassen die in dem
Digital Dividend Clearinghouseenthaltenen Projekte, in dem zur Zeit über 200 Initiativen für Telezentren aufgeführt sind, die wiederum einige tausend Telezentren repräsentieren. Telezentren im Clearinghouse werden nach Initiative oder Projekt kategorisiert, nicht nach den Gesamtzahlen der Telezentren, die als Teil dieser Initiativen eingerichtet wurden. Es gibt zum Beispiel Initiativen, die nur ein lokales Mehrzweck-Telezentrum betreiben, während andere ein Netz von Hunderten von Kiosken aufbauen. Unsere Daten enthalten zwar nicht alle existierenden Telezentren, aber durch die Untersuchung einer Vielzahl von Telezentren weltweit hoffen wir, einige interessante Erkenntnisse und Trends im Bereich Telezentren und ihrer Aktivitäten liefern zu können.
Telezentren nach Finanz-/Geschäftsführungssektor
Das Clearinghouse kategorisiert die Telezentren nach den Organisationen, von denen sie finanziert und/oder betrieben werden: gewinnorientiert, Regierungsstellen oder gemeinnützig. Auf der Grundlage dieser Klassifizierung ist die Mehrheit der im Clearinghouse erfassten Telezentren gemeinnützig, ca. ein Viertel ist gewinnorientiert.
Gewinnorientierte Projekte werden von Firmen eingerichtet, die mit ihrer Investition einen Gewinn erzielen wollen.
Regierungsprojekte werden von einer Regierung oder Regierungsstelle initiiert, wobei auf der Ebene des einzelnen Telezentrums Nachhaltigkeit/Wirtschaftlichkeit angestrebt wird oder auch nicht.
Gemeinnützige Projekte werden von Stiftungen, internationalen Stellen, NROs und anderen Organisationen der Zivilgesellschaft eingerichtet. In diese Kategorie gehören auch die Telezentren, die von Firmen im Rahmen ihrer sozialen Aktivitäten betrieben werden.
Fig. 1: Telezentren nach Sektor
Verteilung: Wo gibt es Telezentren?
Die weltweite Verteilung von Projekten mit Telezentren entspricht allgemein der Verteilung der Projekte im Clearinghouse. Asien und Afrika haben die meisten, was die geringe Teledichte reflektiert, die zu einem größeren Bedarf an Dienstleistungen von Telezentren in diesen Regionen führt. Im Ländervergleich haben Indien (25 %) und Südafrika (8 %) die meisten dieser Projekte.
Fig. 2: Telezentren nach Region

Das Clearinghouse verfolgt nur die Projekte, die IT-gestützte Dienstleistungen für die Bevölkerung von Entwicklungsländern bereitstellen. Projekte mit Sitz in Amerika oder Europa haben dort zwar ihr Hauptquartier, arbeiten jedoch in Entwicklungsländern.
Das Tool
ProjectFinder der Digital Dividend ermöglicht den Nutzern des Clearinghouse, die geographische Verteilung von Projekten mit Telezentren zu sehen. Auf der Karte ist jede Initiative mit einem farbigen Punkt gekennzeichnet, wobei grün für gemeinnützig, rot für Regierung und blau für gewinnorientiert steht. Wenn es an einem Ort mehr als ein Projekt gibt, überschneiden sich die Punkte; das neueste Projekt liegt oben. Eine farbige Markierung kann daher mehr als ein Projekt anzeigen: in der indischen Stadt Bangalore zum Beispiel gibt es sieben verschiedene Initiativen (drei gewinnorientiert, drei gemeinnützig und eine Initiative der Regierung).
Fig. 3: Verteilung der Telezentren in Asien, Afrika und Lateinamerika

In Südafrika befinden sich die meisten im Clearinghouse erfassten Projekte mit Telezentren in der Provinz Gauteng, zu der die Gebiete von Johannesburg und Pretoria gehören.
Fig. 4: Telezentren in Südafrika

In Indien findet man Projekte mit Telezentren im ganzen Land. Eine besonders hohe Konzentration gibt es um die Städte Bangalore und Madras im Süden; dieses Gebiet wird auch manchmal als das Silikon-Valley von Indien bezeichnet.
Fig. 5: Telezentren in Indien
Aktivitäten der Telezentren
Telezentren nutzen Informationstechnik für eine Vielzahl von Angeboten. Computerbildung ist dabei am beliebtesten: Die Hälfte aller Telezentren bieten in irgendeiner Weise ein formales Ausbildungsprogramm an. Bildung (19 %), E-Governance-Aktivitäten (12 %) und Jugendprogramme (12 %) gehören ebenfalls zu den häufigsten Angeboten.
Fig. 6: Von den Telezentren angebotene Aktivitäten in Prozent

Das Clearinghouse verfolgt eine Auswahl von verschiedenen IT-gestützten Aktivitäten, von denen viele von Telezentren angeboten werden. Einige dieser Aktivitäten sind stärker von der Infrastruktur der Telezentren abhängig als andere. Zum Beispiel, obwohl nur 3 % der Telezentren Aktivitäten mit Internet-gestütztem Radio anbieten, stehen sie für fast ein Drittel aller IKT-gestützten Radioaktivitäten im Clearinghouse. Über ein Drittel aller landwirtschaftlichen Anwendungen und Computerbildung werden über Telezentren durchgeführt. Finanz- und Geschäftsdienstleistungen erfolgen auch häufig über Telezentren, obwohl nur ein geringer Prozentsatz (2 bzw. 5 %) sie tatsächlich anbietet.
Fig. 7: Gesamtprozentsatz der von Telezentren angebotenen Aktivitäten
Nicht alle Telezentren sind gleich
Die Aktivitäten von Telezentren unterscheiden sich stark, je nach dem, von welcher Art Organisation sie betrieben werden (gewinnorientiert, gemeinnützig oder Regierungsstelle). Die folgende Abbildung zeigt die Aktivitäten nach Sektor.
Fig. 8: Aktivitäten von Telezentren nach Sektor

Von Regierungsstellen eingerichtete Telezentren bieten, wie zu erwarten, hauptsächlich E-Governance-Dienstleistungen an. Eine geringe Anzahl bietet zwar auch Computerwissen, Bildung und Aktivitäten im Zusammenhang mit Landwirtschaft, Jugend und Weiterbildung für Frauen an; meistens liegen sie damit jedoch hinter den beiden anderen Sektoren. Verschiedene Aktivitäten, insbesondere Finanzdienstleistungen, werden überhaupt nicht angeboten.
Angebote für die Landwirtschaft gibt es am häufigsten in gewinnorientierten Telezentren; das zeigt die Bereitschaft, für landwirtschaftliche Angebote wie die genauen Erntepreise, Wetterberichte und Erntevorhersage zu zahlen. Zu den weiteren Aktivitäten, die fast ausschließlich in gewinnorientierten Zentren zu finden sind, gehören Wirtschaftsentwicklung, E-Commerce und Finanzdienstleistungen. Gesundheitsdienstleistungen werden in diesen Telezentren selten angeboten, ein Indiz dafür, dass der Markt für gebührenpflichtige Gesundheitsdienstleistungen sich eventuell noch entwickelt.
Gemeinnützige Telezentren bieten den Großteil der Aktivitäten in den Bereichen Computerbildung, Bildung und Jugendarbeit an. Gesundheits- und Rundfunkanwendungen werden auch fast nur von diesen Zentren angeboten. Wie bei den von der Regierung eingerichteten Zentren sind Angebote für die Wirtschaft selten.
Anmerkung zu den Daten
Im Bemühen um Nachhaltigkeit bieten Telezentren häufig neue Dienstleistungen an, von denen wir nichts wissen. Dies gilt besonders für die Mehrzweck-Telezentren in den Kommunen. Wenn eine geplante Aktivität nicht schon vorhanden war, als das Projekt in das Clearinghouse aufgenommen wurde, findet sie sich nicht unbedingt in den Daten. Daher sollte die absolute Zahl der Projekte von Telezentren, die eine bestimmte Aktivität anbieten, als konservativ betrachtet werden. |
Lehren aus der Praxis: Informations- und Kommunikationstechnik in Telezentren - Teil II
Lehren aus der Praxis: Informations- und Kommunikationstechnik in Telezentren - Teil III : Aktivitäten der Telezentren Abschnitt 1
Lehren aus der Praxis: Informations- und Kommunikationstechnik in Telezentren - Teil IV : Aktivitäten der Telezentren Abschnitt 2