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Clifford Stoll: Das Internet ist überflüssig
Michelle D. Lemme. Interview mit Clifford Stoll
Quelle: Internet world 05/2001, S. 18-20 vom 23.03.01
Clifford Stoll: Das Internet ist überflüssig. Warum Kinder keine Internet-Zugänge und PCs im Klassenzimmer brauchen und die Digitale Kluft ein Ammenmärchen ist
Clifford Stoll hat sich gewandelt. Beschrieb der in der Computerbranche inzwischen oft als "Nestbeschmutzer" geschmähte US-Autor und Internet-Kritiker in seinem letzten Buch "Kuckucksei" noch begeistert die nächtelange Verfolgung von Hackern im weltumspannenden Datennetz,
die in der Aufdeckung eines internationalen Hackerringes endete, schlägt er jetzt ganz andere Töne an. In seinem neuen Buch "LogOut" und im Gespräch mit der INTERNET WORLD fordert er eine Abkehr vom Internet. "Derzeit können wir beobachten, daß Menschen weltweit vom Internet besessen sind," so der Web-Kritiker. Bei Erwachsenen störe es ihn nicht, wenn sie ihre Zeit online verplemperten, aber er frage sich doch, warum in den Industrieländern schon Vorschulkinder mit Internet und Computer konfrontiert würden. "Warum drängen wir PCs mit Web-Zugang in das Leben von Kindern, die noch nicht mal in den Kindergarten gehen ?"
Der Astrophysiker und Vater von zwei Kindern ist davon überzeugt, daß Computer und Internet - entgegen landläufiger Meinung - in Klassenzimmern nichts zu suchen haben. Anstatt daß Kinder von engagierten Lehrern unterrichtet würden oder schlechte Lehrkräfte durch bessere ersetzt würden, setze man Schüler vor Computer.
"Wir sollten Kindern beibringen, wie sie komplexe Zusammenhänge begreifen können, anstatt sie via Internet mit einer Masse zusammenhangloser Daten zu überschütten." Den Internet-Kenner, der nach eigener Aussage seinen "Computer liebt", stört es trotz aller Technikliebe, daß derzeit niemand über die negativen Folgen "unserer Internet-Sucht" spricht. "Jeder der das Internet nutzt - egal ob Kind oder Erwachsener - sitzt allein vor seinem PC, das Surfen im Web ist ein einsames Unterfangen."
Auch die vielbeschworene Digitale Kluft hält er für ein Ammenmärchen. Sie sei - ähnlich wie die angebliche Notwendigkeit Kinder so früh wie möglich mit PCs vertraut zu machen - ein Pseudoproblem. "Ein Großteil der privaten Computer und Web-Zugänge wird für Unterhaltung genutzt und die Informationen, die im Internet transportiert werden, helfen armen Menschen nicht dabei, ihre Situation zu verbessern. Oder haben Sie schon mal einen Bettler gesehen, der sagt: Bitte geben Sie mir mehr Informationen ?"
Mehr erfahren Sie unter:
http://www.internetworld.de/sixcms/detail.php?id=10143
Im Angebot der SDC seit 03.09.01 (mps)
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