Trotz mancher Verheißungen, dass die sogenannten Silver-Surfer das Netz erobern (z.B. (N)Onliner-Atlas 2003), zeigen Auswertungen aus der ARD/ZDF-Online Studie, dass sich der Abstand in der Internet-Affinität zwischen alt und jung in den letzten Jahren vergrößert hat.
So betrug 1997 der Anteil an Onlinern bei den ab 60jährigen gerade einmal 0,2%. Binnen fünf Jahren stieg der Anteil auf 7,8%. Die Restgruppe 14-59 Jahre hatte 1997 eine Internet-Affinität von 9,2%, bis 2002 stieg der Anteil an Onlinern auf 58,1%. Wenn man nun euphorisch überspitzt die Zahlen für die Senioren auslegen will, dann kann man behaupten, dass sich der Anteil zwischen 1997 und 2002 um den Faktor 39 vergrößert hat, in der Vergleichsgruppe dagegen 'nur' um den Faktor 6. Der relative Zuwachs war in keiner Gruppe höher als bei den Senioren. Doch der Vergleich hinkt. Denn die prozentualen Abstände zwischen den beiden Gruppen sind jährlich angestiegen. Betrug der Abstand 1997 noch 9 Prozentpunkte waren es 2002 50,3!
Entsprechend gilt dies auch für die absoluten Zahlen: Waren 1997 erst 400.000 der Gruppe 60+ online, waren es 2003 schon 1,4 Millionen. In der jüngeren Gruppe stieg jedoch der Nutzeranteil von 4,1 Millionen auf 26,9. Die Kluft hat sich kontinuierlich vergrößert.
Definiert man Senioren bereits ab 50 Jahre so zeigen sich ähnliche, wenngleich mildere Abstände zwischen alt und jung. Denn der Großteil der älteren Onliner entfällt auf die 50-59jährigen:
Enziger Lichtblick: Betrachtet man die Altersstruktur der Online-Nutzerschaft so hat tatsächlich ein Zuwachs an Senioren stattgefunden. Sowohl bei den ab 60jährigen wie auch bei den 50-59jährigen stieg der Anteil im Lauf der Jahre an und liegt nun bei insgesamt 17% - laut (N)Onliner Atlas von 2003 beträgt das Durchschnittsalter der Onliner nun 37,7 Jahre. Doch muss man auch festhalten, dass zum einen dieser Wert seit 1999 stagniert und zum anderen der Wert weit unterdurchschnittlich zur Bevölkerungsgröße der Senioren ist.
Ein Wandel ist in absehbarer Zeit auch nicht in Sicht, denn laut der ARD/ZDF-Online Studie von 2002 wie auch dem (N)Onliner-Atlas 2003 steckt das geringste Potenzial bei den älteren Menschen: Sie zählen zu den größten Verweigerern (Offlinern) und zu den geringsten Nutzungsplanern (Nichtnutzer mit der Absicht, in den nächsten 12 Monaten das Internet zu nutzen).
Die Gründe und Motive für die geringe Nutzung bzw. bewusste Nichtnutzung des Internets älterer Menschen sind vielfältig und scheinen sich auch nicht so schnell aufheben zu lassen. Kohorteneffekte und diverse Zugangsbarrieren werden folglich auch in den nächsten Jahren eine bedeutende Rolle spielen.
Die Grafiken stehen auch als pdf-Datei zur Verfügung
Zunahme der 'digitalen Kluft' zwischen alt und jung