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Studie: Digitale Infrastrukturen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg

doIT online
Quelle: Infoportal des IT- und Medienstandorts Baden-Würtemberg vom 14.08.03

Wo bleiben die Datenautobahnen? Warum gibt es in vielen Dörfern und Gewerbegebieten kein T-DSL? Werden Infrastrukturbedürfnisse des ländlichen Raumes den Wirtschaftlichkeitsüberlegungen der Telekommunikationskonzerne geopfert? Diesen Fragen ging eine Untersuchung des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg nach. Das Ergebnis: Die digitalen Infrastrukturen müssen im ländlichen Raum verbessert werden, sonst drohen Standort- und Wettbewerbsrisiken. Anlass der Studie des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg war, dass die Deutsche Telekom AG – in der ländlichen Region quasi noch Monopolist – ganze Ortschaften und Gewerbegebiete nicht mit dem schnellen Internetanschluss T-DSL versorgt. Nach Ansicht des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg spielt bei umfassender Betrachtung der Standortentwicklung nicht nur die Frage nach dem T-DSL-Anschluss eine Rolle. Weil auch im ländlichen Raum mit einem weiterhin stark anwachsenden Bandbreitenbedarf zu rechnen ist, müssen die Datenautobahnen und lokalen Anschlussnetze insgesamt auf den Prüfstand. Ziel: Ausbau der digitalen Infrastrukturen Als eine der ersten kommunalen Gebietskörperschaften in Baden-Württemberg hat der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg im Jahr 2002 den Ausbau der digitalen Infrastrukturen zu einem originären Bestandteil des Regionalplans erhoben. Leistungsfähige Kommunikationsnetze werden darin als wesentliche Grundvoraussetzung für die weitere Entwicklung des ländlichen Raumes betrachtet und als Instrumente der Strukturpolitik, da sie wie Schienenwege und Straßen der ‚Raumüberwindung’ dienen. Die Überwindung des Raumes war eine der großen Hoffnungen der Wirtschafts- und Standortpolitik beim Aufbau der Informationsgesellschaft seit Mitte der neunziger Jahre. Ländliche Regionen, so die Erwartung, würden im Zuge der Vernetzung die gleichen Potenziale ausschöpfen können wie Ballungsräume. Defizite im ländlichen Raum Nach den Erfahrungen aus der ländlich strukturierten Industrie-, Medizintechnik- und HighTech-Region Schwarzwald-Baar-Heuberg haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Während in Ballungsräumen und Großstädten heute eine gute Auswahl an breitbandigen Diensten für Internet, Multimedia, Telekommunikation usw. besteht und die Netzbetreiber nahezu eine ideale Versorgung anbieten, haben ländliche Regionen vielfach das Nachsehen. Vorwiegend hat dies betriebs- und marktwirtschaftliche Gründe. Die Telekommunikationskonzerne investieren nur dort in den Netzausbau, wo es sich finanziell lohnt. Ländliche Räume bringen unter Umständen nicht die gewünschte Masse an Kunden. Die Studie empfiehlt als Gegenmittel, Interessen zu bündeln, Modellprojekte zu starten und den künftigen Versorgungsbedarf nachdrücklich zu vertreten. Bei Investitionen außen vor Die Gesellschaft Kabel BW hatte noch Anfang 2002 Milliarden-Investitionen in das baden-württem­bergische Fernsehkabelnetz angekündigt. Es sollte mit dem Bau von leistungsfähigen überregionalen Glasfaserleitungen zu einem Multimedianetz aufgerüstet werden, über das man auch telefonieren und mit Hochgeschwindigkeit im Internet surfen kann. Nun zeigt sich jedoch, dass ländliche Gegenden von den angekündigten Investitionen und Leistungen nicht profitieren werden. Ähnlich sieht es bei anderen Systemen und Netzen aus. Zudem stehen der Forderung nach DSL- und anderen Breitbandangeboten physikalisch-technische Hindernisse gegenüber. Im ländlichen Raum liegen die örtlichen Vermittlungsstellen des Telefonnetzes und die Hausanschlüsse oftmals zu weit auseinander, so dass die DSL-Technik gar nicht mehr eingesetzt werden kann. Beispiel: Mönchweiler Besonders betroffen von der DSL-Versorgungslücke ist beispielsweise das Mediendorf Mönchweiler, das im Jahr 2002 für sein Engagement auf dem Gebiet der Internetanwendungen für die Bevölkerung mehrfach gewürdigt wurde. Allein in Mönchweiler ist die Quote der Internetanschlüsse im vergangenen Jahr um über 150 Prozent auf 41,5 Prozent der Telefonteilnehmer gestiegen. Die Dynamik, die darin steckt, dürfte früher oder später auch einen großen Bandbreitenbedarf nach sich ziehen, der mit herkömmlichen Telefon- und Internetanschlüssen nicht mehr zu decken ist. Hemmnisse der IT-Infrastruktur Im Einzelfall könnte nicht einmal die Qualität der digitalen Basisinfrastruktur für Telefonie und Datenübertragung gewährleistet sein. Die Studie förderte zutage, dass es Gewerbestandorte gibt, an denen bereits Pegelverstärker für die einfache ISDN-Übertragung eingesetzt werden müssen, weil die von der Deutschen Telekom AG bereitgestellten Leitungen zu schwach, zu alt oder schadhaft sind. In anderen Fällen lassen sich von der Industrie gewünschte Leitungen mit hohen Bitraten nur zu exorbitanten Preisen bekommen. Die Studie schlägt deshalb vor, eine detaillierte Bestands- und Zustandsanalyse der Netze zu planen, um flächendeckende und gesicherte Informationen über die Versorgungssituation der Region zu erlangen. Darauf aufbauend könnten auch Alternativen wie ein regionales Funknetz (W-LAN oder WLL) entwickelt werden, das wesentlich größere Bandbreiten zur Verfügung stellen könnte als die DSL-Technik oder die mit dritte Mobilfunkgeneration. Der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg sieht mittel- bis langfristig Handlungsbedarf, damit die Breitbandversorgung sichergestellt wird und Wirtschaft und Kommunen in der Informationsgesellschaft die gleichen Chancen haben wie ihre Wettbewerber in Ballungsräumen. Entsprechende Aktivitäten sind derzeit in Planung.


Mehr erfahren Sie unter:
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Themenbereiche:
Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung, Infrastruktur




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