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Lebensstile, Zukunftstechnologien und Nachhaltige Entwicklung
Thomas Schauer, FAW Ulm
Quelle: ISBN 3-929118-05-X vom 01.07.00

Die Propheten der Informationsgesellschaft werben für ihre Technologie mit dem Argument der höheren Ressourceneffizienz. Und zweifellos kann mit Informationstechnologie viel Energie und Material eingespart werden. Doch die höhere Effizienz wird über den Preis an den Markt weitergegeben - und der Verbrauch steigt insgesamt. Ein plakatives Beispiel: König Ludwig von Bayern, mußte ein ganzes Orchester unterhalten, um die Freuden der klassischen Musik zu genießen. Heute kann das jeder - mit einem Walkman, der nur einen Bruchteil der Ressourcen verbraucht. Aber Walkmans gibt es heute in Millionenzahl und zusammen verbrauchen die Geräte ein Vielfaches an Energie und Material, verglichen mit den wenigen Orchestern, die es früher gab. Dieser Effekt, der Rebound-Effekt, kann die Informationstechnologie zur Büchse der Pandora werden lassen. Und dieser Rebound Effekt läßt sich kaum bekämpfen. Denn im Grenzbereich zwischen der sozialen und der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit liegen weit gefährlichere Minen verborgen als in dem traditionellen Konfliktfeld zwischen Industrie und Umweltschutz. Welcher Politiker könnte daran denken, Musikgenuß wieder zu Privileg zu machen ? Hat sich eine neue Technologie erst einmal ihren Weg gebahnt, dann gibt es keinen Weg zurück. Schneller, leichter, billiger, mehr... und irgendwann wird eine im Grunde harmlose Substanz wie Kohlendioxid aufgrund des gigantisch angewachsenen Stoffumsatzes des "Superorganismus Menschheit" das ökologische Gleichgewicht umkippen.
Der Ressourcenverbrauch steigt weltweit in fast allen Lebensbereichen: Kommunikation, Transport, Tourismus, Bauwesen und Ernährung. In allen Bereichen bricht sich die Informationstechnologie ihre Bahn - mit kaum absehbaren Folgen.
Die Informationstechnologien tragen unter den gegenwärtigen ökonomischen Rahmenbedingungen nicht ohne weiteres zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. Die nachhaltige Informationsgesellschaft ist kein Selbstläufer. Die Legende vom papierlosen Büro und das stetig wachsende Verkehrsaufkommen trotz der Verfügbarkeit moderner Kommunikationstechnologien belegen dies in der ökologischen Dimension. Und wie sieht es mit den gepriesenen Vorteilen der weltweiten Wissensgemeinschaft Internet aus ? Informationstechnologien können zwar einerseits Behinderte und Randgruppen vernetzen und integrieren, andererseits kann fehlender Zugang zum Netz selbst ein Handicap werden. Die Gesellschaft könnte gespalten werden, in diejenigen, die "drin" sind (und drin sein müssen, weil sie ihren Wohnsitz nach Monaco verlegt haben und von dort aus ihre Angelegenheiten in Deutschland regeln) und diejenigen, die außen vor bleiben. Damit droht eine Vertiefung gesellschaftlicher Differenzen.
Zweifellos müssen Lösungen auf internationaler Ebene angestrebt werden müssen, um weltweit geltende ökologische, soziale und ökonomische Rahmenbedingungen zu etablieren, die neue Technologien so steuern, daß sie positive Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können.
Eine Studie "Lifestyles, Future Technologies and Sustainable Development ( ISBN 3-929118-05_X), die die skizzierten Zusammenhänge ausführlicher darstellt, ist erhältlich beim
FAW Ulm
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