Internationale Aspekte / Nachhaltigkeit > Artikel
Artikel
Online Sein oder Nichtsein - ist das heute die Frage ?
Thomas Schauer

1. Neue Brücken und neue Gräben
Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IST) ermöglichen uns mit dem Internet den Zugang zu einer stetig wachsenden Menge an Informationen und bieten eine Vielfalt an neuen Dienstleistungen. Was wir brauchen, um an dieser neuen Welt teilzuhaben, sind lediglich ein Computer, die Software und der Zugang. Aber genau dies ist oft ein Problem. Viele Amerikaner und Europäer können sich das nötige Zubehör für einen Monatslohn leisten. Doch bereits in den osteuropäischen Ländern sind die Menschen in einer weitaus schlechteren Lage. In Russland und der Ukraine können nur wenige die Vorteile der neuen Medien nutzen und in den Entwicklungsländern ist der Zugang noch stärker beschränkt.
Die Informationsgesellschaft kann zwar Brücken schlagen, aber sie kann auch neue Gräben ziehen. Die Digitale Spaltung(Digital Divide) kann die Kluft zwischen Arm und Reich vertiefen, denn es besteht die Gefahr, daß der fehlende Zugang zu den neuen Informationsmedien den Mangel an Bildung und die Armut zementiert und für viele Gruppen der Gesellschaft oder gar für ganze Länder die Entwicklungschancen weiter beschränkt.
Die bereits bestehenden Gräben zwischen Arm und Reich, Stadt und Land, Alt und Jung, Männern und Frauen könnten durch die Digitale Spaltung weiter vertieft werden. Fragen des Urheberrechtes von Software, Open Source und Standards sind zu brisanten Themen geworden
2. Neue Chancen und neue Risiken
Die heutigen Megatrends sind die Globalisierung und das Entstehen einer auf den neuen Technologien basierenden "Wissensgesellschaft". Die zentrale Herausforderung dieses Jahrhunderts wird darin bestehen, diese Megatrends in eine nachhaltigen Entwicklung zu integrieren.
Die Informationstechnologie birgt nämlich sowohl Chancen als auch Risiken für eine nachhaltige Entwicklung. Sie eröffnet viele Möglichkeiten für die Berücksichtigung der sozialer Aspekte, für kulturelle Vielfalt, für den Schutz der Natur und wirtschaftliches Wachstum. Doch durch den sogenannten Rebound Effekt (die Computer werden immer kleiner und effektiver aber die drastisch steigende Zahl an Computern konterkariert die Ressourceneinsparungen) kann die Informationstechnologie auch neue Umweltbelastungen hervorrufen. Die kulturelle Vielfalt könnte beschränkt werden und es könnten mehr Menschen als je zuvor von der Entwicklung ausgeschlossen sein. Ob es gelingt, in eine positive Richtung zu steuern, hängt von der Schaffung neuer politischer Rahmenbedingungen ab.
Der entscheidende Faktor wird deshalb die Erarbeitung einer internationalen Rahmenordnung für eine globale Wirtschaft sein. In diesem Zusammenhang müsssen die Fragen der Co-Finanzierung von Programmen in Entwicklungsländern auf die Tagesordnung. Der Global Society Dialogue entwickelt ein solches Rahmenwerk, das eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht und humane Lebensbedingungen für alle Menschen auf dieser Erde garantiert.
Kontaktanschrift für weitere Informationen: tschauer@faw.uni-ulm.de
Im Angebot der SDC seit 03.09.01 (tsc)