Der erste weltweite Index für das Ranking des Zugangs zu Informations- und Kommunikationstechniken (IKT) ergab einige Überraschungen. Slowenien schlägt Frankreich, und die Republik Korea, die sich normalerweise nicht unter den Top Ten der internationalen IKT-Rankings befindet, steht an vierter Stelle. Abgesehen von Kanada auf Platz 10 stammen die ersten zehn Volkswirtschaften ausschließlich aus Asien und Europa. Der Index des digitalen Zugangs (Digital Access Index, DAI) unterscheidet sich von anderen Indices dadurch, dass er eine Reihe von neuen Variablen wie z.B. Bildung und Erschwinglichkeit einbezieht. Darüber hinaus deckt er insgesamt 178 Volkswirtschaften ab und ist damit das erste wirklich weltweite IKT-Ranking.
Die Länder werden in eine von vier Kategorien des digitalen Zugangs eingeteilt: hoch, oben, mittel und niedrig. Zu den Ländern in der oberen Kategorie gehören hauptsächlich Staaten aus Zentral- und Osteuropa, der Karibik, der Golfregion und dem aufstrebenden Lateinamerika. Viele haben IKT als Unterstützung für ihre Entwicklung eingesetzt, und die Maßnahmen ihrer Regierungen trugen dazu bei, dass der IKT-Zugang bei ihnen ein beeindruckendes Niveau erreicht hat. Dazu gehören größere IKT-Projekte wie das
Dubai Internet City Projekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (das im DAI am höchsten bewertete arabische Land), den
Multimedia Super Corridor in Malaysia (dem am höchsten eingestuften asiatischen Entwicklungsland) und
Cyber City auf Mauritius (das zusammen mit den Seychellen das am besten eingestufte Land Afrikas ist). Der DAI ist ein nützliches Instrument zur Beobachtung der zukünftigen Fortschritte dieser ehrgeizigen Volkswirtschaften.
Die vier asiatischen Tiger haben in den letzten vier Jahren die größten Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie gemacht. Das Ergebnis ist, dass Englisch kein entscheidender Faktor mehr für die Übernahme von Technologie ist, insbesondere da immer mehr Inhalte in anderen Sprachen zur Verfügung gestellt werden.
Der DAI bildet einen Teil des Berichts der ITU über die weltweite Entwicklung der Telekommunikation (World Telecommunication Development Report, WTDR, Ausgabe 2003). Veröffentlicht zum Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (World Summit on the Information Society, WSIS), wird es ein wichtiges Arbeitsmittel für Regierungen, internationale Entwicklungsstellen, NROs und den privaten Sektor zur Einschätzung der nationalen Verhältnissen in den Informations- und Kommunikationstechnologien werden.
Eine neue Definition des IKT-Potenzials
Die Ergebnisse des Index für den digitalen Zugang der ITU lassen darauf schließen, dass eine Neudefinition des IKT-Zugangspotenzials erforderlich ist. "Bis jetzt wurde die begrenzte Infrastruktur häufig als größtes Hindernis für die Überwindung der digitalen Spaltung betrachtet", meint Michael Minges von der ITU-Abteilung Markt, Wirtschaft und Finanzen. "Unsere Forschung hat jedoch ergeben, dass Erschwinglichkeit und Bildung genauso wichtige Faktoren sind." Um die Fähigkeit von Einzelpersonen zur Nutzung von IKT zu messen, ging die ITU-Studie über ihren traditionellen Blickwinkel auf die Telekommunikationsinfrastruktur wie z.B. Mobiltelefone und Festleitungen hinaus.
So gaben z. B. fast 40 % der Peruaner bei einer Erhebung an, dass sie entweder keinen Computer haben oder sich die Internetdienstleistungen nicht leisten können, was auf die Erschwinglichkeit als einen kritischen Erfolgsfaktor hinweist. Die Untersuchungen ergaben weiterhin, dass die Internetnutzung eng mit Bildung zusammenhängt. In China haben mehr als die Hälfte der Internetnutzer Universitätsabschlüsse. Um solche Befunde berücksichtigen zu können, enthält der Index eine Reihe neuer Kriterien wie z. B. die schulische Ausbildung und Internettarife in Prozent des Einkommens.
Der DAI umfasst acht Variable, die fünf Bereiche abdecken und das Gesamtergebnis eines Landes ergeben. Die Bereiche sind: Vorhandensein einer Infrastruktur, Erschwinglichkeit des Zugangs, Bildungsniveau, Qualität der IKT-Dienstleistungen und Internetnutzung. Die Ergebnisse des Index weisen auf potenzielle Hindernisse bei der Übernahme von IKT hin und können den Ländern dabei helfen, ihre relativen Stärken und Schwächen zu erkennen.
Der DAI überwindet weitere Beschränkungen anderer IKT-Indices. Neben seiner globalen Ausrichtung garantieren die sorgfältig ausgewählten Variablen Transparenz. Der DAI konzentriert sich auf Faktoren, die unmittelbare Auswirkungen darauf haben, ob eine Person Zugang zu IKT hat oder nicht. Variable, die einer qualitativen Beurteilung unterliegen, wie z. B. die regulative Umgebung, werden absichtlich ausgelassen. "Marktstrukturen und der Umfang des Wettbewerbs sind offen für verschiedene Ebenen der Interpretation", erklärt Minges. "Wir schließen qualitative Faktoren absichtlich aus - um subjektive Einschätzungen bei der Berechnung zu vermeiden."
Informationsgesellschaften brauchen bessere Instrumente, um Ziele zu setzen und den Fortschritt zu messen
Die Bemühungen der ITU, Indikatoren für die Messung des IKT-Zugangs zu identifizieren, reflektieren einen zunehmenden Trend in der internationalen Gemeinschaft in Richtung auf transparente und konkrete Messungen für die Überwachung der Leistung der Länder. Die Vereinten Nationen haben eine Reihe von Entwicklungszielen festgesetzt, die Entwicklungsziele des Jahrtausends (Millenium Development Goals, MDG), und damit zusammenhängende Indikatoren zur Überwachung des Fortschritts bei der Bekämpfung von Armut, Hunger und in anderen Bereichen. Der Zugang zu IKT ist in den MDGs enthalten und unter Ziel 18 erläutert: "In Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor sollen die Vorteile der neuen Technologien, insbesondere Information und Kommunikation, zur Verfügung gestellt werden." Der DAI bietet ein konkretes Instrument zur Unterstützung der Messungen bei diesem Ziel.
Die IKT-Diskussion ist insbesondere deshalb interessant, weil erkannt wurde, dass ein verbreiteter Zugang die wirtschaftliche Entwicklung ankurbelt und das Leben der Bürger verbessert. Das Internet gestattet sofortigen Zugang zu Informationen von überall und zu jeder Zeit und ist vielversprechend, was Verbesserungen im Gesundheitswesens, Bereitstellung von Bildungsangeboten und Umweltschutz betrifft. Es wurde ebenfalls festgestellt, dass IKT entscheidend dazu beitragen, andere Entwicklungsziele zu erreichen einschließlich der Entwicklungsziele des Jahrtausends.
Der Bericht insgesamt bietet einen Überblick über die für die Beurteilung des Zugangs zur Informationsgesellschaft verwendeten Indikatoren, betrachtet die Übernahme der Informationstechnik in der Wirtschaft, dem Bildungs- und Verwaltungsbereich und untersucht die Beziehung zwischen IKT und den UN-Entwicklungszielen des Jahrtausends. Der Bericht über die weltweite Entwicklung der Telekommunikation wird Anfang Dezember veröffentlicht, kurz vor dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, einem bedeutenden Treffen der UN zur Beobachtung der Informationsgesellschaft.