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Seit 1998 sind im Programm Virtuelle Hochschule Baden-Württemberg 25 Millionen Euro in ausgewählte, sehr umfangreiche Projekte des multimediagestützten Lehren und Lernen geflossen. Zeit für eine Bilanz. Von zwei Mythen muss man sich wohl oder übel verabschieden: Erstens, der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Lehre bietet eine Kostenersparnis. Denn die Realität zeigt: Die Entwicklung von mediengestützten Lerneinheiten kostet, und wenn man um nachhaltigen Einsatz bemüht ist, meist nicht zu wenig. Zweitens, das vollvirtuelle Studium wird es in die Realität der Hochschule schaffen. Die Erfahrungen verdeutlichen: Virtualität und Realität können sich sinnvoll ergänzen, doch der virtuelle Student oder der virtuelle Dozent werden auch künftig nicht die Oberhand gewinnen.
Neue Herausforderungen
Neben ad acta gelegten Legenden sind neue Herausforderungen durch das Projekt Virtuelle Hochschule ans Tageslicht getreten. Eine befristete Projektförderung garantiert schwerlich eine nachhaltige Entwicklung. Hier tut eine strategische Medienentwicklung not. Mediengestütztes Lernen und Lehren muss zur Chefsache an Hochschulen erklärt werden und somit als zentrale Aufgabe an die Rektorate gehen.
Neben technischen, mediendidaktischen und finanziellen Faktoren, die im Programm behandelt wurden, wurden auch organisatorische Bedingungen diskutiert: Wie können Tele-Veranstaltungen von Partneruniversitäten in das Curriculum aufgenommen werden? Wann werden Tele-Veranstaltungen von anderen Universitäten prüfungstechnisch anerkannt? Wie kann man Kooperationen unabhängig vom Engagement einzelner verankern und nachhaltig gewährleisten? Diese und weitere Fragen haben in den Projekten deutlich gemacht, wie wichtig eine Handhabe auf organisatorischer Ebene für den erfolgreichen Einsatz multimedialer Lehre ist.
Ergebnisse können sich sehen lassen
Die Stuttgarter Universität hat sich mit dem Projekt „100-online“ auf die Überholspur abgesetzt. Das Programm hat zwischen April 2001 und Juli 2003 die E-Learning Aktivitäten der Universität Stuttgart vorangetrieben, indem es den Einsatz von neuen Medien in der Präsenzlehre mit 5.000 Euro pro Projekt gefördert hat. Die Dozenten der Universität nahmen das Programm mit großer Offenheit an. So sind statt der geplanten 100 am Ende 230 Projekte entstanden. Um die fortdauernde Unterstützung der E-Learning Aktivitäten sicherzustellen, hat die Universität die technische Infrastruktur ausgebaut, eine mediendidaktische Begleitung organisiert sowie eine vielfältige Unterstützung für die Erstellung der multimedialen Lehrmaterialien koordiniert.
Nachhaltigkeit gefragt
Das Projekt Virtuelle Hochschule hat gezeigt, dass die Qualität von Lehr- und Lern-Prozessen erheblich verbessert werden kann. Jedoch müssen die Hochschulen sich künftigen Herausforderungen stellen. Im Endeffekt geht es darum, die letzte Phase des Innovationszyklus zu erreichen, in der die Nutzung von multimedialen Anwendungen in der Lehre Realität wird. Das Programm Virtuelle Hochschule hat bereits einen Schritte in die richtige Richtung gemacht. Jedoch steht ein ganzheitlicherer Ansatz, gerade unter Einbeziehung der organisatorischen Strukturen und einer strategischen Medienentwicklungsplanung, weiterhin bevor.