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Die Schüler thematisieren in ihren Drehbüchern zu Spots die alltägliche Gewalt an den Schulen und appellieren vor allem an die Eltern, sich bewusster mit diesem Thema und seinen Ursachen auseinander zu setzen. Die Idee der Hauptgewinner wurde als TV-Spot umgesetzt. Er wird ab Februar in den Programmen der privaten Fernsehsender deutschlandweit ausgestrahlt.
VPRT-Vizepräsidentin und RTL-Generalsekretärin Ingrid M. Haas betonte anlässlich der Preisverleihung die Verantwortung der privaten Fernsehsender für einen bewussten Umgang mit dem Thema Gewalt. "Gewalt unter Kindern und Jugendlichen ist leider zu einem alltäglichen Phänomen geworden. Wer dafür allein den Medien die Schuld zuweist, macht es sich allerdings zu einfach. Medien sind nicht der Grund für Gewalt in der Gesellschaft. Mit der Kampagne ist es uns gelungen, dass sich bundesweit Schüler mit dem Thema Gewalt in Familien und Schulen intensiv auseinandergesetzt haben. Wir hoffen, dass die Ausstrahlung des Spots diese Diskussion weiter befördert."
Staatsministerin Dr. Christina Weiss zeigte sich beeindruckt von der Kampagne, die die privaten Rundfunkveranstalter initiiert haben, um ein Zeichen gegen Gewalt und gegen Gleichgültigkeit in der Gesellschaft zu setzen. Um Fortschritte bei der Abkehr von der Gewalt zu erzielen, gelte es, die Jugend anzusprechen und zu erreichen. "Das dies gelingen kann, macht die überwältigende Resonanz auf die Ausschreibung des Drehbuchwettbewerbs deutlich", so Staatsministerin Weiss.
Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries begrüßte die Initiative der Privatsender und wies auf den besonderen Stellenwert der Gewaltprävention hin. "Kinder brauchen Selbstbewusstsein. Sie müssen lernen, mit Aggressionen konstruktiv umzugehen – also Konflikte nicht mit Gewalt zu lösen, sondern darüber zu reden, was oder wer einen ärgert oder stört. Lernen können Kinder dies am besten, wenn ihre Eltern, Erzieher oder Lehrer mit gutem Beispiel vorangehen und ihnen ein solches Verhalten vorleben. Denn erfolgreiche Gewaltprävention fängt schon im frühen Kindesalter an", sagte Brigitte Zypries.
Die Preisverleihung ist der vorläufige Höhepunkt einer bundesweiten Fernseh- und Hörfunkkampagne, die von den Privatsendern im Sommer vergangenen Jahres anlässlich des Runden Tisches "Medien gegen Gewalt" initiiert wurde. An der Expertenrunde, die im Jahr 2002 unter der Federführung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem rheinlandpfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust sowie von Bund, Ländern und Medienvertretern ins Leben gerufen wurde, ist der VPRT aktiv beteiligt.
Die prämierten Beiträge
Der Siegerbeitrag der Klasse R8c der Realschule Heinrich-von-Gagern in Weilburg:
In ihrem Konzept thematisieren die Schüler die Gewalt an Schulen, indem sie den Tagesablauf einer typischen Familie nachzeichnen: Nach dem morgendlichen Frühstück bricht der Vater ins Büro auf und das Kind geht in die Schule. Abends antworten sie auf die Frage der Mutter, wie ihr Tag verlaufen sei, mit Wie immer.'. Währenddessen zeigt eine Rückblende den Vater während seiner Arbeit beim Telefonieren und in Meetings sowie das Kind in der Schule, wo es Gewalt in Form von Hänseleien bis hin zu Schlägen ausgesetzt ist. Am Ende des Spots folgt die Botschaft: Gewalt ist Alltag an unseren Schulen. Fragen Sie Ihr Kind. Sprich mit Deinen Eltern.'
Die Realschule Heinrich-von-Gagern in Weilburg hat es sich zum Ziel gesetzt, Eigeninitiative, Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein ihrer Schüler zu fördern. Ein besonderes Anliegen ist es, einen respektvollen und wertschätzenden Umgang von Schülern und Lehrern im Schulalltag zu fördern.
Die beiden befreundeten Schüler Amir Moniri (15 Jahre) und Dogan Dersüneli (14 Jahre) wurden durch Amirs 22-jährigen Bruder Erfan und dessen Studienkommilitonen Abraam Tawdorous auf das Projekt Gewalt ist keine Lösung!' aufmerksam gemacht. Die kleine Gruppe motivierte die gesamte Klasse R8c, sich am Wettbewerb zu beteiligen.
Der zweite Platz: Beitrag der KKL-Gruppe der Schillerschule in Aalen:
Die Schüler beschreiben in ihrem Betrag, wie Kinder ihre ersten Gewalterfahrungen in der Familie machen. Der Beitrag zeigt, wie über vier Generationen hinweg in einer Familie die Väter ihre Söhne schlagen. Szenisch umgesetzt wird diese Geschichte, indem sie bei gleicher Kameraeinstellung und Ausleuchtung ein Zimmer in fünf verschiedenen Epochen, beginnend um 1900 bis heute, zeigt, in welchem jeweils der Vater seinen Sohn schlägt. In dem Spot bricht erst die fünfte Generation mit der Gewalt: Als der Sohn das Modellauto seines Vaters versehentlich zu Boden fallen lässt, erwarten die Zuschauer, dass der Vater seinen Sohn erneut schlägt. Dann aber zeigt die nächste Szene, wie der Vater mit seinem Sohn das Auto repariert. Es folgt die Botschaft: Vorbild sein ist eine Lösung.'
Die Aalener Schillerschule liegt in einem Einzugsgebiet mit einem Ausländeranteil von rund 80 Prozent, in dem soziale Missstände und Arbeitslosigkeit den Alltag dominieren. In der KKL-Gruppe arbeiten Lehrer mit Schülern, die sich im Schulalltag sozial besonders auffällig gezeigt haben. Sie sollen durch gezielte Maßnahmen für den Unterricht und das soziale Leben stabilisiert werden. Mit Unterstützung des Lehrbeauftragten Gerold Wenzel entstand im Rahmen dieser Arbeit der Wettbewerbsbeitrag. Stellvertretend für die Gruppe nahmen Andreas Reske (16 Jahre) und Iven Stahl (16 Jahre) an der Preisverleihung teil.
Der dritte Platz: Beitrag von Goran Budimir und Amir Mahfouz, Klasse 9a der Hauptschule an der Knappertsbuschstraße, München:
Die Schüler befassen sich in ihrem Spot mit der Gewalt unter Kindern und Jugendlichen. Ein kleiner Junge geht im Dunklen durch eine unbeleuchtete Nebenstraße und hat Angst. Plötzlich steht er einer stadtbekannten Gang gegenüber, die ihn verbal bedroht und einschüchtert. Der zunächst ängstliche Junge wird sich plötzlich seiner Kraft bewusst, plustert sich auf, schreit und verscheucht mit einem Pups die nun selbst eingeschüchterte Gang. Lächelnd spricht der Junge seine Botschaft in die Kamera: Gewalt ist keine Lösung!'
Die Hauptschule an der Knappertsbuschstraße in München engagiert sich mit unterschiedlichen Projekten für Gewaltvermeidung. Die beiden befreundeten Schüler der Klasse 9a, Goran Budimir (15 Jahre) und Amir Mahfouz (15 Jahre) fanden das Thema des Wettbewerbs spannend und arbeiteten in ihrer Freizeit mit Unterstützung ihres Lehrers Klaus Petri an ihrem Spot-Vorschlag.
Das Preisgeld für den Sieger beträgt 1.000,- Euro, für den zweiten Platz 500,- Euro und für den dritten Gewinner 250,- Euro.