Wozu braucht ein Obdachloser, dem die Erfüllung der Grundbedürfnisse wie Wohnung, Arbeit und soziales Umfeld fehlt, so etwas wie ein Internetcafé? "Genau um diese Lage zu überwinden", gibt Uwe Kunz vom Verein "die Stütze - Aufbruch von unten e.V." in Berlin-Wedding zur Antwort. "Das Surfen im Internet bietet Obdachlosen die Möglichkeit, sich schnell und ohne jegliche Zwänge auf die Suche nach Arbeit, einer Integrationsmaßnahme oder einer Ausbildung zu begeben, auf dem Laufenden zu bleiben in sozialen Fragen und Informationen über ihre Rechte zu erhalten", erklärt der Redakteur der Berliner Straßenzeitung "die Stütze", der auch für das Internetcafé zuständig ist.
Mit der Einrichtung des Internetcafés für Obdachlose im Berliner Stadtteil Wedding im Jahr 2001 ist dem Verein ein außergewöhnlicher Kraftakt gelungen. Die schwierige Finanzierung konnte durch die Bereitstellung eigener Ressourcen sowie mit der Unterstützung durch die Veolia Stiftung (früher Vivendi Universal) und Berliner Spenderinnen und Spender sichergestellt werden. Bei der Entwicklung der Idee war der Verein weitgehend auf sich selbst gestellt, Erfahrungsaustausch war schwierig, denn bundesweit gibt es nur vier vergleichbare Projekte:
das com.rein in Düsseldorf,
mob - Obdachlose machen mobil e.V. Berlin, die Stadtmission am Lehrter Bahnhof in Berlin und
sternstraße e.V. in Hamburg.
Doch der Aufwand hat sich gelohnt, gegenwärtig wird das Internetcafé regelmäßig von Obdachlosen, aber auch von Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen genutzt. Im Internetcafé stehen fünf vernetzte Rechner täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr kostenlos zur Verfügung, die Auslastung liegt gegenwärtig bei ca. 80 Prozent. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Vereins betreut das Netzwerk und garantiert die permanente fachliche Betreuung der freien Surfzeiten, indem er bei Bedarf Interessenten eine kurze Einführung in das Internet gibt.
Für die regelmäßige Teilnahme an Kursen ist die Zielgruppe der Einrichtung nach Ansicht von Uwe Kunz kaum zu gewinnen. Trotzdem ist es das Ziel des Vereins, ein Training zu entwickeln, das die besonderen Bedürfnisse der Wohnungslosen, aber auch Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger berücksichtigt. Schnell und unkompliziert sollen die Grundbegriffe der Internetnutzung vermittelt werden, so dass die Klientel von den Webangeboten profitieren kann. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. hat der Verein bereits im Jahr 2001 einen Interneteinführungskurs für Migrantinnen angeboten, der aufgrund des regen Zuspruchs in diesem Jahr erneut aufgelegt wird. Diese Zusammenarbeit soll bei der Entwicklung eines Trainings für die Zielgruppe des Vereins fortgesetzt werden, so Uwe Kunz. Die Stiftung Digitale Chancen wird sich an der Trainingsentwicklung im Hinblick auf die Vermittlung von Fähigkeiten zur Jobsuche online beteiligen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins beraten.