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Gott und die Welt im Internet

Hoover, Stewart M., Lynn Schofield Clark, Lee Rainie übersetzt von Anne Bausch
Quelle: Pew Internet & American Life Project vom 07.04.04

64 Prozent der amerikanischen Onliner suchen spirituelle oder religiöse Inhalte im Netz

Fast zwei Drittel der Erwachsenen, die in den USA das Internet nutzen, haben dies schon zu religiösen Zwecken getan, das sind fast 82 Millionen Amerikaner. Die beliebtesten und wichtigsten Online-Aktivitäten im Zusammenhang mit spirituellen Inhalten sind:
  • 38 Prozent der 128 Millionen Internetnutzer haben E-Mail-Nachrichten mit spirituellem Inhalt verschickt und erhalten
  • 35 Prozent haben im Zusammenhang mit religiösen Feiertagen elektronische Grußkarten verschickt oder erhalten
  • 32 Prozent sind ins Internet gegangen, um Nachrichten über religiöse Veranstaltungen und Angelegenheiten zu lesen
  • 21 Prozent haben nach Informationen über das Feiern von religiösen Feiertagen gesucht
  • 17 Prozent haben sich informiert, wo sie an Gottesdiensten teilnehmen könnten
Diese Zahlen zeigen, dass inzwischen eine erheblich größere Zahl von Menschen online nach Glaubensinhalten sucht, als durch das Pew Internet & American Life Project je zuvor festgestellt wurde. In der aktuellen Studie wurde eine Reihe neuer Fragen gestellt, um den Internetnutzern ihre Online-Aktivitäten im Hinblick auf spirituelle Aktivitäten in Erinnerung zu rufen.

Diejenigen, die das Internet zu religiösen oder spirituellen Zwecken nutzen, sind vorwiegend Frauen, von weißer Hautfarbe, mittleren Alters, relativ wohlhabend und höher gebildet.

Die Online-Gläubigen sind graduell geringfügig aktiver im Internet als der Rest der Internetnutzer. An einem durchschnittlichen Tag sind 63 Prozent von ihnen online. Etwa 56 Prozent nutzen das Internet seit sechs oder mehr Jahren. Und 60 Prozent haben einen Breitband-Anschluss (entweder zu Hause oder am Arbeitsplatz) im Vergleich zu 54 Prozent aller Internetnutzer.
  • 55 Prozent der Online-Gläubigen sind Frauen im Vergleich dazu ist das Geschlechterverhältnis unter den Internetnutzern in der Gesamtbevölkerung 50 : 50.
  • 83 Prozent sind von weißer Hautfarbe im Vergleich zu 75 Prozent der Internetnutzer in der Gesamtbevölkerung. 49 Prozent haben eine College-Ausbildung im Vergleich zu 36 Prozent der Internetnutzer in der Gesamtbevölkerung.
  • 47 Prozent sind zwischen 30 und 49 Jahre alt. Dies ist der gleiche Anteil dieser Altersgruppe wie bei den Internetnutzern in der Gesamtbevölkerung.
  • 31 Prozent leben in Haushalten mit einem Einkommen von über 75.000 $ im Vergleich zu 26 Prozent der Internetnutzer in der Gesamtbevölkerung.


Die "Online-Gläubigen" sind strenggläubig. Sie nutzen das Internet in erster Linie für persönliche spirituelle Zwecke und weniger für traditionelle religiöse Aufgaben oder Arbeiten, die im Zusammenhang mit dem Ort ihrer Religionsausübung stehen. Dennoch scheinen ihre religiösen Online-Aktivitäten ihr ohnehin schon starkes Engagement in ihren Gemeinden noch zu erhöhen.

Als Gruppe sind diese 82 Millionen Menschen strenggläubig und eher mit religiösen Institutionen und Bräuchen verbunden als andere Internetnutzer. Die Hälfte der Online-Gläubigen geht mindestens einmal in der Woche in die Kirche, und viele bezeichnen sich als überzeugte Botschafter des christlichen Glaubens.

Ein hoher Prozentsatz von Online-Gläubigen berichtet über Online-Aktivitäten im Zusammenhang mit persönlicher Spiritualität und Religiosität. Internetangebote, die mit einem Engagement bei traditionellen religiösen Aufgaben oder Organisationen verbunden sind, werden seltener genutzt. Bisher vermuteten viele Analysten, dass die Menschen zugunsten von flexibleren Online-Möglichkeiten religiöser oder spiritueller Betätigung den Kirchen den Rücken kehren. Aber die Ergebnisse der PEW-Studie zeigen nun, dass mit dem Glauben zusammenhängende Online-Aktivitäten eher eine Ergänzung sind als ein Ersatz für das religiöse Leben außerhalb des Internet.

Die Studie stellte fest, dass das Internet den Menschen Informationsquellen, symbolische religiöse Handlungen und Gelegenheiten zur Vernetzung und Interaktion jenseits formaler religiöser Organisationen oder Traditionen bietet. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Online-Gläubigen mehr daran interessiert sind, ihre traditionellen Glaubenspraktiken und -erfahrungen zu erweitern, indem sie ihrem Glauben und ihrer Spiritualität persönlich Ausdruck verleihen, als dass sie online etwas Neuem oder Andersartigen suchen.

26 Prozent der Online-Gläubigen suchen Informationen über den Glauben anderer - die meisten aus Neugier.

Etwa 28 Prozent der Online-Gläubigen gaben an, sie hätten das Internet genutzt, um Informationen über ihren eigenen Glauben oder religiöse Traditionen zu suchen oder sich mit anderen darüber auszutauschen. Für einen fast gleich hohen Anteil von 26 Prozent ist das Internet die Quelle, um Informationen über den Glauben und die religiösen Traditionen von anderen zu suchen oder auszutauschen.

Auf eine vertiefende Frage nach den Motiven derer, die Informationen über Andersgläubige suchen, antworteten 51 Prozent, sie täten dies aus Neugier und Interesse am Glauben anderer. 13 Prozent sagten, sie täten es für ihr eigenes spirituelles Wachstum, und 31 Prozent gaben an, dass beide Gründe für sie wichtig wären.

Die Mehrheit der Online-Gläubigen beschreibt sich selbst als "spirituell und religiös".

Im Rahmen der Studie wurde auch untersucht, in welchem Umfang anti-institutionelle Einstellungen und Vorbehalte gegenüber der Suche nach religiösen oder spirituellen Inhalten bei den Internetnutzern vorhanden sind. Die Annahme war, dass Internetnutzer weniger religiös im konventionellen Sinne sind und sich daher eher als "spirituell", denn als "religiös" bezeichnen würden. Angesichts eines wachsenden Misstrauens gegenüber religiösen Institutionen, gibt es generell eine zunehmende Tendenz, sich eher als "spirituell" zu bezeichnen. Bei dieser Untersuchung stellte sich allerdings heraus, dass sich eine Mehrheit trotzdem mit beiden Bezeichnungen - "spirituell" und "religiös" - wohl fühlt.

Diejenigen, die sich als "spirituell, aber nicht religiös" bezeichnen, sind tendenziell die intensivsten Internetnutzer. Sie weisen auch eher das persönliche spirituelle und religiöse Verhalten auf, das mit der Online-Suche nach religiösen Inhalten in Verbindung steht, als sich aktiv im Zusammenhang mit religiösen Gemeinden oder Organisationen online zu betätigen. Allerdings sind diejenigen, die sich als "spirituell und religiös" bezeichnen, noch aktiver im Bezug auf die religiös orientierte Persönlichkeitsfindung und bilden die Mehrheit der Online-Gläubigen.
  • 54 Prozent der Online-Gläubigen beschreiben sich als religiös und spirituell.
  • 33 Prozent bezeichnen sich als spirituell, aber nicht religiös.
  • 6 Prozent bezeichnen sich als religiös, aber nicht spirituell.
  • 4 Prozent bezeichnen sich als nicht religiös und nicht spirituell.
Die Botschafter des christlichen Glaubens gehören zu den eifrigsten Internetnutzern, was religiöse und spirituelle Inhalte angeht.

Überzeugte Christen, die das Internet nutzen und für die Botschaft des Glaubens eintreten, sind eine signifikante Untergruppe der Religionslandschaft Amerikas. Sie haben einerseits etwas weniger Erfahrung im Umgang mit dem Internet als andere religiöse Gruppen. Andererseits ist es bei ihnen wahrscheinlicher, dass sie das Internet für alle Arten religiöser Aktivität nutzen. Beispielsweise berichten 69 Prozent, dass sie aus persönlichen religiösen oder spirituellen Gründen ins Internet gehen, und sie suchen häufiger als die übrigen Online-Gläubigen nach Informationen über ihre eigene Religion (36 Prozent) sowie über andere Religionen (33 Prozent).

Die Studie steht hier in englischer Sprache zum Download zur Verfügung.


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.pewinternet.org/reports/toc.asp?Report=119

Im Angebot der SDC seit 20.04.04 (jcr)

Logo: Pew Internet & American Life Project

Pew Internet & American Life Project

Das Pew Internet & American Life Project ist eine überparteiliche Non-Profit-Organisation mit Sitz in Washington, DC. Sie untersucht die sozialen Effekte des Internet auf das Leben in den USA.

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Themenbereiche:
Internationale Aspekte, Mediennutzung allgemein, Kirchen




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