Die Studie "Internet 2002 - International Key Facts", von der IP-Vermarktungsgesellschaft und der RTL-Group publiziert, fasst Daten aus dem Jahre 2001/2002 zur Internet-Nutzung in den 15 Mitgliedsländern der EU sowie in Norwegen, Polen, Tschechien, Ungarn, der Schweiz und den USA, aus nationalen repräsentativen Studien zusammen (siehe dazu auch Artikel vom 3.12.2003:
IP-Internet 2002
Aufgrund heterogener Operationalisierungsmethoden der jeweiligen Länderstudien sind die Ergebnisse jedoch nur bedingt miteinander vergleichbar: So wird z.B. der Begriff "Onliner" in Schweden sehr eng definiert (Internetnutzung mind. einmal in der Woche), in Ungarn dagegen sehr weit (Nutzung in den letzten 12 Monaten). Auch unterscheiden sich die Studien in der Altersbemessung (z.B. USA: ab 3 Jahren bis 50+; Irland: 15-74 Jahre) und im Erhebungszeitraum und -beginn: In manchen Länder umfassen die Erhebungszeiträume Jahresdurchschnittswerte (Tschechien, Polen), Halbjahre (z.B. Ungarn Dänemark), Quartale (z.B. Österreich, Portugal) oder Monate (z.B. Deutschland, USA); Griechenland hat den frühesten Erhebungsbeginn mit April/Mai 2001, Belgien den spätesten mit Juni 2002.
Die Daten sind daher im Ländervergleich eher als ungefähre Richtwerte zu sehen - dies gilt insbesondere für die differenzierteren Ergebnisse zu den älteren Onlinern (siehe unten).
Einen allgemeinen Länderüberblick zeigen die Daten, die zum 1. Halbjahr 2002 zusammengetragen werden konnten:
Allgemeine Ergebnisse, Stand: 1.Halbjahr 2002
Der Studie zufolge waren im 1.Halbjahr 2002 ca. 40 Prozent der 20 untersuchten europäischen Länder online. Damit liegt die Internet-Nutzung in Europa insgesamt noch deutlich hinter den USA mit 59 Prozent regelmäßigen Internet-Nutzern. Innerhalb Europas gibt es ein großes geographisches Gefälle zwischen einem fortgeschrittenen Norden und einen eher "rückständigen" Süden und Osten. Während die Verbreitung des Internets in den skandinavischen Ländern mit 60 bis 70 Prozent sogar noch über der Internet-Verbreitung in den USA liegt, hinken Portugal, Italien und Spanien mit 22 bis 24 Prozent und allen voran Griechenland mit 10 Prozent noch deutlich hinterher. Auch im Osten ist die Internet-Verbreitung zum Teil noch sehr gering ausgeprägt: Polen 16 Prozent und Ungarn 13 Prozent. Deutschland gehört mit 47 Prozent zum oberen Mittelfeld.
Insgesamt entspricht dies etwa 128 Mio. Europäer, die regelmäßig im Internet unterwegs sind, in den USA waren es im selben Zeitraum 143 Mio. Personen. Etwa die Hälfte aller Onliner aus den 20 betrachteten europäischen Länder entfällt auf drei Länder: Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Der bedeutendste europäische Internet-Markt ist dabei Deutschland, das ein Viertel der gesamten Internet-Nutzer in Europa stellt. Dahinter folgen Großbritannien mit 15 und Frankreich mit 13 Prozent.
Ergebnisse zu älteren Onlinern, Stand: 2001/2002
Der Anteil an älteren Internetnutzern und -nutzerinnen ist in allen Ländern stark unterrepräsentiert. Es besteht ein großes Gefälle zwischen Menschen diesseits und jenseits von 50 Jahren. Und noch deutlicher tritt der Unterschied hervor, wenn man die Altersgrenze erst bei 60 Jahren zieht. Dabei ist die sogenannte "digitale Spaltung" in Ländern mit einem hohen Diffusionsniveau nicht so massiv ausgeprägt wie in Ländern mit einer niedrigen Internet-Diffusionsrate: So ist in Schweden immerhin jeder vierte Onliner 50 Jahre und älter, in Dänemark und Finnland wie auch in den USA jeder fünfte. In Deutschland sind über 18 Prozent aller Onliner 50 Jahre und älter. Dagegen sind nur es 7 Prozent in Ungarn und 9 Prozent in Tschechien.
Noch geringer liegen die Werte für die südlichen Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal und Italien: Von allen Onlinern sind lediglich 3 bis 4 Prozent 55 Jahre und älter.
Am deutlichsten wird die Unterrepräsentanz bei Betrachtung der älteren Onlinern ab 60 Jahren: Mit 7 und 8 Prozent sind deren Anteile an allen Onlinern in Dänemark, Großbritannien, Finnland und Norwegen noch am höchsten. In Deutschland sind nicht einmal drei Prozent aller Onliner 60 Jahre und älter, in Tschechien, Ungarn und Polen gerade mal 1 Prozent.
In Spiegelung zu den Anteilen der älteren Menschen verhält es sich mit den Anteilen jüngerer Onliner. So entfällt auf Polen der höchste Wert an jungen Menschen: von den 12 Prozent, die zu den Onlinern zählen, sind 83 Prozent zwischen 15 und 39 Jahre alt. Aehnlich hoch liegt der Wert für Ungarn (81 Prozent). In Deutschland sind es 63 Prozent, in Dänemark 57 Prozent. In Schweden und in Finnland, wo es weltweit das höchste Internet-Diffusionsniveau gibt, ist auch die Dominanz an jüngeren Onlinern am geringsten ausgeprägt: etwas über 40 Prozent aller Onliner sind zwischen 15 und 35 Jahre alt.
Anteil jüngerer Onliner an allen Onlinern:
Fazit:
Neben geographischen Disparitäten kommen also unterschiedliche soziale Inklusionsniveaus innerhalb der einzelnen Länder hinzu, abhängig vom absoluten Niveau der Internet-Nutzung in der Bevölkerung. (Mitbedenken muss man natürlich auch die tatsächliche Bevölkerungszusammensetzung in den einzelnen Ländern, sprich der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung). Als ungefähre Richtlinie lässt sich aber ausgeben. Je höher das Intnernet-Diffusionsniveau in einem Land ist, desto höher auch der Anteil an älteren Onlinern und umgekehrt (vgl. Hüsing, 2003 und Rogers, 2003).
Ausnahmen bestehen allerdings für Großbritannien und für insbesondere Frankreich, die bei mittlerer bzw. geringer Diffusionsrate in der Bevölkerung einen relativ hohen Anteil von etwa 20 Prozent Onlinern ab 50 Jahren aufweisen. Und umgekehrt sind die Niederlande eine negative Ausnahme, da obwohl fast die Hälfte aller Befragten zu den Onlinern zählen, lediglich 6 Prozent davon 55 Jahre und älter sind.
Literatur:
Hüsing, T. (2003). Zunehmendes Nord-Süd Gefälle der digitalen Spaltung in der EU. Zur Messung von Ungleichheit in der Diffusion von Informations- und Kommunikationstechnologien. Informationsdienst Soziale Indikatoren, 30, 1-5.
Rogers, E. M. (2003). Diffusion of Innovations, 5th Edition. New York: The Free Press.
Hier gibt es die Grafiken zum Download:
Studie 'Internet 2002': Aeltere Onliner im europäischen Vergleich