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Internetverbreitung ist kein selbstlaufender Prozess oder Die kritische Masse ist kritisch

Prof. Dr. Herbert Kubicek

Thesen anläßlich des Parlamentarischen Abends der Stiftungsinitiative Informationsgesellschaft Vielfach wird verbreitet, die Internetnutzung boome, der Abstand zu den USA werde bald aufgeholt, in wenigen Jahren sei jeder angeschlossen. Dies ist sachlich falsch und politisch gefährlich. Deutschland liegt im europäischen Vergleich in Bezug auf die Internetnutzung immer noch im hinteren Mittelfeld, insbes. bei privaten Internetzugängen pro 100 Einwohner, noch mehr bei privaten E-Mail-Adressen. Die Überrepräsentation von männlichen, besser gebildeten und besser verdienenden Nutzern nimmt entgegen mancher Behauptungen nicht ab. Der von den Amerikanern so genannte Digital Divide, der Abstand zwischen den oberen und den unteren Schichten, nimmt in Bezug auf Bildung und Geschlecht auch hierzulande zu. Dadurch baut sich sozialer Zündstoff auf: Wer schlecht ausgebildet ist, hat im Zweifel keinen Netzanschluss und erwirbt keine entsprechende Kompetenzen und wird bei der Suche eines Jobs benachteiligt. Insofern geht es bei der Frage nach dem Zugang zum Internet um ein ernstes wirtschafts- und gesellschaftspolitischees Problem. Die üblicherweise erhobenen und veröffentlichten Daten lassen die Defizite und Probleme nicht ohne Weiteres erkennen. Die Datenerhebung und Analyse muss deutlich verbessert werden. Das US-Department of Commerce gibt jährlich entsprechende Untersuchungen beim Statistischen Bundesamt in Auftrag (Falling Through the Net I, II und III). Hier muss Deutschland nachholen. Die Ursache für die Unterrepräsentation sind vielfältig und bisher nicht gründlich untersucht. Kosten sind nur ein Faktor von vielen. Die Hauptprobleme liegen bei den fehlenden attraktiven Inhalten und den neuen Selektions- und Bewertungskompetenzen, die man erwerben muss, um das Netz nutzbringend zu nutzen. Ein hoher Anteil von Befragten sagt, dass er keinen Bedarf an Internetdiensten habe. Dies beruht auf Vorurteilen, die jedoch handlungsrelevant sind. Die hohen Investitionen in Rechner und Anschlüsse sowie fehlende Bekanntschaft mit Nutzern verhindern eine Korrektur dieser Vorurteile. Daher sind Gelegenheiten zur Erfahrungsgewinnung erforderlich, die in den USA Digital Stepping Stones genannt werden: Bibliotheken, Internet-Cafés, Community Technology Centers. Sie werden dort massiv gefördert durch Technikausstattung und Qualifizierung ihres Personals. Obwohl in den USA ein sehr viel höherer Anteil der Bevölkerung im Netz ist, werden die Fördermaßnahmen dort verstärkt. Für das Haushaltsjahr 2000 werden neben der Förderung von Projekten und Einrichtungen auch erhebliche Mittel für Steuererleichterungen bereitgestellt, für Unternehmen, die Sach- oder Geldspenden zur Förderung des Internetzugangs tätigen. Um das Wissen über Problemgruppen und Erfahrungen mit Fördermaßnahmen zu verbessern und zu verbreitern, haben die AOL Stiftung und die Benton Foundation das Digital Divide Clearinghouse gegründet. Inzwischen wurde daraus unter Beteiligung einer ganzen Reihe von Firmen das Digital Divide Network. Ein solches Netzwerk ist in Deutschland dringend notwendig. Web-Sites zum Digital Divide in den USA

http://www.ntia.doc.gov

http://www.digitaldivide.gov

http://www.digitaldivide.org

http://www.helping.org

http://www.digitaldividenetwork.org

http://www.benton.org

http://www.gatesfoundation.org




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