Bereich net.werker Bereich Experten Bereich Presse Bereich Einsteiger Bereich Experten
Logo der Stiftung Digitale Chancen
Über die Stiftung
Service für Experten
Schriftgrad ändern  
Schriftgrad 1Schriftgrad 2Schriftgrad 3
   Start    Suche News    Termine  Forum    Newsletter    Broschüren    Kontakt


Internationale Aspekte / Nachhaltigkeit > Artikel
Zugangsorte finden:
:   

  ::  detailliert suchen
  ::  Zugangsort melden

Die Bilderwelt des Internet - hautnah dabei im Irak-Krieg

übersetzt von Anne Bausch, Pew Internet Project

30 Millionen Amerikaner haben online Kriegsbilder gesehen, die von den bekannten Nachrichtenagenturen nicht gezeigt wurden, weil sie für zu drastisch oder verstörend gehalten wurden Washington, D.C., 8.7.2004 Eine aktuelle Studie des Pew Internet Project zeigt, dass während der dramatischsten Wochen des Irakkrieges fast ein Viertel der Internetnutzer (24 %) in den USA sich online die drastischen Kriegsbilder angesehen haben, die für eine Veröffentlichung in Print- und Rundfunkmedien aufgrund ihrer Grausamkeit für ungeeignet gehalten wurden. 28 Prozent derjenigen, die diese Bilder angesehen haben, haben aktiv nach derartigen Darstellungen gesucht.

Die Einstellung der Amerikaner zur Bereitstellung dieser Bilder im Internet ist uneinheitlich. Während 49 Prozent der Befragten es ablehnen, dass solche Bilder ins Netz gestellt werden, sind 40 Prozent dafür. Hier gibt es eine starke kulturelle Kluft zwischen den Internetnutzern und den Nicht-Nutzern: Internetnutzer befürworten zu 47 Prozent, dass die Bilder online zu sehen sind, 44 Prozent sind dagegen. Die Nicht-Nutzer des Internet lehnen die grausamen Darstellungen mit überwältigenden 58 Prozent ab, nur 29 Prozent sind dafür.

Dies sind einige der Ergebnisse einer landesweiten Telefonumfrage, die vom 14. Mai bis 17. Juni durchgeführt wurde - kurz nach der weltweiten, massiven Berichterstattung über den Mord und die Zerstückelung von amerikanischen Vertragsarbeitern in der kampfgebeutelten Stadt Falludscha, der Veröffentlichung von Fotos aus dem Gefängnis Abu Ghraib in Bagdad und der Gefangennahme und Enthauptung des amerikanischen Zivilisten Nicholas Berg.

Das Grauenvolle dieser online erschienenen Kriegsbilder erzeugte bei den Internetnutzern eine Reihe unterschiedlicher Gefühle. 'Millionen von Internetnutzern wollen die deutlichen Kriegsbilder sehen können, und sie betrachten das Internet als eine alternative Quelle für Nachrichten und Informationen gegenüber den traditionellen Medien', erklärte Deborah Fallows, Wissenschaftlerin beim Projekt und Ko-Autorin des Berichts. 'Aber viele derjenigen, die sich außerhalb der traditionellen und gewohnten Maßstäbe der etablierten Nachrichtenorganisationen begeben und die Bilder online anschauen, fühlen sich sehr unbehaglich.'

Etwas mehr als die Hälfte (51% ) derjenigen, die die Bilder angesehen haben, war der Ansicht, damit eine gute Entscheidung getroffen zu haben. Ein Drittel wünschte sich, die Bilder lieber nicht gesehen zu haben. 7 Prozent waren unentschieden und weitere 8 Prozent konnten oder wollten nicht antworten.

Die Beunruhigung durch die drastischen Online-Bilder war bei Frauen besonders groß. Die wichtigsten Ergebnisse dazu:
  • Nur 29 Prozent der Frauen begrüßen es, dass die Bilder online zur Verfügung stehen, im Vergleich zu 53 Prozent der Männer.
  • Nur halb so viele Frauen wie Männer haben die Bilder online angesehen und nur zwei Drittel haben nach ihnen gesucht.
  • 39 Prozent der Frauen, die die Bilder angesehen haben, meinten, das sei eine gute Entscheidung gewesen, verglichen mit 68 Prozent bei den Männern.
  • 55 Prozent der Frauen wünschten, sie hätten die Bilder nicht gesehen, im Gegensatz zu nur 34 Prozent der Männer.
Auch im Hinblick auf das Alter der Internetnutzer gibt es starke Unterschiede in der Bewertung der Kriegsbilder. Während sich 52 Prozent der jüngeren erwachsenen Internetnutzer unter 30 Jahre dafür aussprachen, extreme Bilder online zu zeigen, waren 44 Prozent der 30-49-Jährigen und nur 31 Prozent der über 50-Jährigen der gleichen Ansicht. 'Allerdings,' so Fallows, 'wollen die jüngeren Internetnutzer diese Bilder sehen, aber sie haben Probleme damit, sie zu verarbeiten.' Etwa 48 Prozent der jungen Amerikaner, die die Bilder online gesehen haben, wünschten, sie hätten es nicht getan, im Gegensatz zu 31 Prozent der über 50-Jährigen.

Es ergeben sich auch Unterschiede nach Parteizugehörigkeit. Ca. 42 Prozent der Republikaner meinen, Kriegsbilder sollten online zur Verfügung stehen, im Vergleich zu 52 Prozent der Demokraten und 53 Prozent der Unabhängigen.

Der Bericht des Pew Internet & American Life Project basiert auf Daten von Telefoninterviews, die von Princeton Survey Research Associates bei einer Stichprobe von 2.200 Erwachsenen von 18 Jahren und älter durchgeführt wurden. Für Ergebnisse, die auf der Gesamtprobe beruhen, kann man mit 95% Sicherheit sagen, dass die der Repräsentativbefragung zuzurechnenden Fehlerrate zwischen ± zwei Prozentpunkten liegt.

Die gesamte Studie in englischer Sprache steht hier zum Download zur Verfügung


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.pewinternet.org

Im Angebot der SDC seit 08.07.04 (jcr)

Logo: Pew Internet & American Life Project

Pew Internet & American Life Project

Das Pew Internet & American Life Project ist eine überparteiliche Non-Profit-Organisation mit Sitz in Washington, DC. Sie untersucht die sozialen Effekte des Internet auf das Leben in den USA.

Weitere inhaltlich zusammenhängende Materialien finden Sie hier.

Verwandte
Themenbereiche:
Medienkompetenz, Zensur von Inhalten, Mediennutzung allgemein




 Nach oben

Copyright 2012, SDC.