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Die Entwicklung der Internetdiffusion zwischen 2001-2004: Ergebnisse aus der @facts-Studie

Michael Doh, Deutsches Zentrum für Alternsforschung (DZFA)
Quelle: SevenOne Interactive GmbH vom 19.07.05

Anhand Sonderanalysen aus der @facts-Studie werden hier Ergebnisse zur Entwicklung der Internetdiffusion in Deutschland präsentiert.

Hintergrund
Die @facts-Studie, eine Kooperation von SevenOne Interactice, IP Newmedia und Lycos Europe, ist die größte kontinuierliche Repräsentativ-Befragung zum Internet-Nutzungsverhalten in Deutschland. Zwischen Dezember 1998 und September 2004 wurden täglich telefonisch etwa 500 Personen ab 14 Jahren befragt. Das sind im Monat etwa 10.000 Personen, von Oktober bis Dezember 2004 wurden jeweils etwa 5.000 Personen befragt. Mit den Ergebnissen der Dezember-Welle 2004 endet nach sechs Jahren und über 700.000 Interviews die @facts-Reichweitenstudie. In der Folge werden die internet facts' der AGOF die Reichweitenzahlen aus der @facts-Studie ablösen.
Seit Oktober 2001 erhielt das Deutsche Zentrum für Alternsforschung zu den monatlichen Veröffentlichungen Sonderanalysen mit differenzierteren Daten zu Alter und Geschlecht.

Ergebnisse
Im Betrachtungszeitraum Oktober 2001 bis Dezember 2004 nahm der Anteil an Onlinern bei Personen ab 14 Jahren von 43 Prozent auf 55,1 Prozent zu - als Onliner gilt im übrigen, wer in den letzten 12 Monaten das, unabhängig von Ort und Zeit, Internet genutzt hat. Im August 2002 wurde dabei erstmals die 50-Prozentmarke überschritten.
Über den gesamten Beobachtungszeitraum erhöhte sich die Internetdiffusion um 12,1 Prozentpunkte. Auffallend ist dabei die jährliche Abnahme der Zuwachsraten; im Jahr 2004 stagnierte das Wachstum nahezu völlig. Dies deutet auf eine Sättigungsgrenze hin, in der das Potenzial an neuen Onliner vorerst ausgeschöpft zu sein scheint. Auch die Daten aus der ARD/ZDF-Online-Studie weisen in diese Richtung: zwischen 1997 und 2001 gab es noch jährliche Zuwachsraten von über 60 Prozent, danach sanken die Zuwächse stark ab auf bis zu 4 Prozent von 2003 auf 2004 (van Eimeren et al., 2004, S.351).

Entwicklung

Die Internet-Diffusion ist über die Altersklassen nicht gleich verteilt. Mit dem Alter nimmt der Anteil an Onliner stetig ab, vor allem ab 60 Jahren ist die Nutzung des Internets noch stark unterrepräsentiert. Die Diskrepanz ist besonders eklatant, betrachtet man die beiden Extremgruppen: von den 14-19-Jährigen sind mittlerweile 85,8 Prozent Onliner, also über 30 Prozentpunkte über dem Gesamtdurchschnitt; von den ab 70-Jährigen sind lediglich 8 Prozent Onliner, fast 50 Prozentpunkte unter dem Gesamtdurchschnitt.

Über die Jahre hinweg hat sich an der Rangfolge nichts geändert, dennoch hat das Wachstum in den einzelnen Altersgruppen unterschiedlich stark zugenommen. Ausgehend von einem sehr hohen Niveau stieg die Internet-Diffusion in der jüngsten Altersgruppe um 11,8 Prozentpunkte, was etwa dem Gesamtdurchschnitt entspricht (12,1 Pp) bei den 20-29-Jährigen unterdurchschnittlich um 8,2 Prozentpunkte auf 80,7 Prozent. Beide Gruppen hatten im Oktober 2001 bereits eine Internetnutzungsrate von knapp ¾.
Die weitaus höchste Zuwachsrate verzeichnet die Altersgruppe der 30-39-Jährigen von 20,2 Prozentpunkten. Mit einem Onliner-Anteil von 77,5 Prozent haben sie zu der Altersgruppe der 20-29-Jährigen fast aufgeschlossen. Ein ebenfalls weit überdurchschnittliches Wachstum entfällt auf die 'jungen Silver-Surfer' der 50-59-Jährigen: gehörten anfänglich ein Drittel dieser Altersgruppe zu den Onlinern, so ist es nun jeder Zweite – ein Anstieg um 17 Prozentpunkte. Die 60-69-Jährigen konnten im Zeitverlauf um 12 Prozentpunkte auf nunmehr 26,8 Prozent zulegen und damit die Kluft zum Gesamtdurchschnitt nicht verringern. Weit entfernt von einer digitalen Inklusion sind die Über-70-Jährigen, die zwar ihren Anteil von 3 auf 8 Prozent mehr als Verdoppeln konnten, doch hat sich der Abstand zu den jüngeren Altersgruppen weiter vergrößert.

Generell haben über den beobachteten Zeitraum also die Diffusionsraten in den einzelnen Altersgruppen zugenommen, wenngleich unterschiedlich stark und auch Fluktuationen zu verzeichnen sind, und: nahezu alle Altersgruppen weisen eine allmähliche Annäherung an ihr jeweiliges Ausschöpfungspotenzial auf. So haben z.B. die jüngste und die älteste Altersgruppe bereits im Juli 2003 ihren höchsten Wert erreicht gehabt und konnten seitdem nicht mehr weiter zulegen. Lediglich die 30-39-Jährigen und die 60-69-Jährigen konnten gegen Ende 2004 noch neue Höchstwerte erzielen.

Bei Betrachtung der Entwicklungsverläufe nach absoluten Zahlen zeigen sich interessante Differenzen. Die Anzahl der Onlinergruppe nahm zwischen 2001 und 2004 von 27,5 Millionen auf 35,5 Millionen zu. Die größte Onlinergruppe stellt dabei fortlaufend die Gruppe der 30-39-Jährigen dar mit nunmehr 9 Millionen Onlinern, gefolgt von den 40-49-Jährigen mit 7,5 Millionen. Die kleinsten Altersgruppen unter den Onlinern stellen gemäß ihren niedrigen prozentualen Internet-Diffusionsraten fortlaufend die drei ältesten Altersgruppen dar: die 50-59-Jährigen mit 4,4 Millionen Onlinern, die 60-69-Jährigen mit 3,4 Millionen und die Über-70-Jährigen mit lediglich 0,5 Millionen. Doch ergaben sich im Beobachtungszeitraum sehr unterschiedliche Zuwächse in diesen Gruppen. So verzeichneten die 60-69-Jährigen einen Anstieg um 2 Millionen Onlinern, was zusammen mit den 40-49-Jährigen der höchste Zuwachs darstellt. Und auch bei den 50-59-Jährigen fand mit einem Zuwachs von 1,4 Millionen Onlinern ein verhältnismäßig großer Sprung statt; ihr Anteil liegt nunmehr knapp hinter den der 14-19-Jährigen (4,7 Millionen).

Entwicklung

Entsprechend haben sich auch die Altersgruppen-Verhältnisse in der Onliner-Struktur über den Zeitraum verändert. So hat der hohe Anteil der zahlenmäßig größten Altersgruppe unter den Onlinern, den 30-39-Jährigen, von 29 auf 25 Prozent abgenommen. Die 40-49-Jährigen erhöhten ihren Anteil unter allen Onlinern von 19 auf 21 Prozent, während die 20-29-Jährigen bei fast gleicher Ausgangsbasis nunmehr nur noch 17 Prozent aufweisen. Auch die 14-19-Jährigen verloren etwas an Gewicht und liegen mit 13 Prozent knapp vor den 50-59-Jährigen. Den größten Sprung nach vorne machten die 60-60-Jähirgen, die ihren Anteil zwischen 2001 und 2004 fast verdoppeln konnten: jeder Zehnte Onliner ist nun im Alter zwischen 60 und 69 Jahren. Der Anteil der Über-70-Jährigen erhöhte sich nur minimal von 1 auf 1,5 Prozent. Der Anteil der 50plus-Gruppe erhöhte sich dabei von 18 auf fast 24 Prozent.

Struktur

Die Grafiken gibt es hier zum Download: Die Entwicklung der Internetdiffusion zwischen 2001 und 2004
Literatur:
van Eimeren, B., Gerhard, H. & Frees, B. (2004). ARD/ZDF-Online-Studie 2004: Internetverbreitung in Deutschland: Potenzial vorerst ausgeschöpft? Media Perspektiven, 8, 350-370.


Im Angebot der SDC seit 19.07.05 (mdo)

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