Unter den Arbeitskräften in der US Informationstechnologie (IT) bleiben Frauen und die meisten ethnischen Minderheiten nach wie vor erheblich unterrepräsentiert. Dies ergab eine im Juni 2005 veröffentlichte Studie der Information Technology Association of America
(ITAA).
Dem Report mit dem Titel 'Untapped Talent: Diversity, Competition and America's High Tech Future' (Ungenutzte Talente: Diversität, Wettbewerb und Amerikas High-Tech-Zukunft) zufolge, ist der Prozentsatz von Frauen in der Informationstechnik seit 1996 um 21 % gesunken, hauptsächlich wegen der rückläufigen Beschäftigungsquote in der IT-Verwaltung. Inzwischen sind einige ethnische Minderheiten unter den Arbeitskräften in der Industrie um mehr als 50 % unterrepräsentiert.
'Amerika stellt sich dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt mit einem großen Handicap. Im Wettlauf mit Wettbewerbern wie China, Indien und Westeuropa können wir es uns kaum leisten, auf Menschen zu verzichten, die die richtige Begabung, Fähigkeiten und Motivation für Erfolge im technischen Bereich haben. Die Führungspersonen in der Industrie, im Bildungswesen und in der Regierung müssen ihre Bemühungen verdoppeln, um sicherzustellen, dass alle Amerikaner, insbesondere Frauen und Minderheiten, die Chancen erkennen, die in den Naturwissenschaften, in den technischen Bereichen, im Ingenieurswesen und in der Mathematik liegen,' erklärte der Präsident der ITAA, Harris N. Miller.
Der Anteil von Frauen an den Beschäftigten in der IT-Branche fiel von einem Spitzenwert von 41 % im Jahre 1996 auf 32,4 % im Jahre 2004. Im gleichen Zeitraum blieb der Anteil weiblicher Beschäftigter in Relation zur gesamten arbeitenden Bevölkerung fast unverändert (Veränderung von 46% zu 46,5%).
Der Rückgang des Frauenanteils liegt zum größten Teil daran, dass eine von drei Frauen in der Verwaltung der IT-Branche beschäftigt war, die in den letzten Jahren einen starken Rückgang zu verzeichnen hatte. Berücksichtigt man diese Kategorie nicht, fällt der Anteil von Frauen in der IT von 32,4 auf 24,9 %. Die Zahlen zeigen keinen Verbesserung des Prozentsatzes an Frauen in berufsqualifizierten oder Managementrängen von den relativ niedrigen 25,4 % in 2002.
Lateinamerikaner waren in 2004 die am stärksten unterrepräsentierte ethnische Gruppe - mit einem Unterschied von mehr als 50%. Während diese Gruppe einen Anteil an der arbeitenden Bevölkerung von 12,9 % hat, bringt sie es in der IT jedoch nur 6,4 %. Diese Zahl zeigt einen kleinen Anstieg im Vergleich zum Prozentsatz von 5,3 % im Jahr 1996.
Afroamerikaner sind mit 22,4 % unterrepräsentiert. Und es gibt 6,6% weniger Weiße unter den IT-Arbeitskräften als auf dem Arbeitsmarkt insgesamt. Verglichen mit ihrer Anzahl bei den Arbeitskräften insgesamt sind die Asiaten in der IT weiterhin stark überrepräsentiert, nämlich mit fast 200 %.
In der Studie wurde darüber hinaus festgestellt, dass die Arbeitskräfte in der US-IT-Branche älter werden. Das Durchschnittsalter der in der Informationstechnik arbeitenden Bevölkerung nähert sich dem der Arbeitskräfte insgesamt und nahm von 2000 bis 2004 um 2,1 Jahre zu. Das Durchschnittsalter der arbeitenden Bevölkerung insgesamt stieg um 1,1 Jahre im gleichen Zeitraum.
Die beobachteten Barrieren für Frauen und Minderheiten haben sich seit der Veröffentlichung des letzten ITAA-Reports im Jahr 2003 nicht wesentlich verändert. Dazu gehören gesellschaftliche Barrieren, z.B. stereotype Vorstellungen, dass Frauen und bestimmte Minderheiten nicht über technische und mathematische Fähigkeiten verfügen, ein Mangel an unterstützenden Mentoren, fehlende Rollenmodelle für Führungspositionen sowie eine negative Wahrnehmung der Arbeit im IT-Bereich. Ein Rückgang an flexiblen Arbeitsplätzen nach dem Dot-Com-Boom könnte ebenfalls ein Grund für den geringeren Anteil an Frauen im IT-Bereich sein.
ITAA fordert daher:
- ein stärkeres Engagement der Firmenleitungen,
- verstärkte Unterstützungs- und Mentorenprogramme der Unternehmen,
- mehr Partnerschaften zwischen Firmen und Colleges und Universitäten,
- und von den Arbeitgeber im IT-Bereich soll mehr flexible Arbeitsvereinbarungen anbieten.
ITAA forderte den Kongress auf, für eine Verdoppelung der Abschlüsse in Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurswissenschaften und Mathematik aktiv zu werden. Wenn dies auf angemessene Weise durchgeführt würde, könnte auch der Unterrepräsentanz von Frauen und Minderheiten in entsprechenden Universitätsprogrammen entgegengewirkt werden.
Der ITAA-Diversity-Report wird von Keane, Northrop Grumman IT und ITT finanziell unterstützt.
ITAA startete vor kurzem die National Information Technology Education Alliance (NITEA), an der zwei- und vierjährige Colleges sowie Universitäten und Einrichtungen für die Personalentwicklung beteiligt sind. NITEA dient als Forum für einen verbesserten Dialog zwischen akademischen Institutionen, Arbeitnehmerorganisationen und IT-Arbeitgebern. Die wichtigste Funktion der Gruppe ist es klarzustellen, welche Fähigkeiten von den an der Entwicklung von IT-Personal Beteiligten erwartet werden. Daneben ist auch Diversität ein wichtiges Thema. In der NITEA sind interessierte Schulen und Einrichtungen für Personalentwicklung natürliche Mitglieder.
Die in der Studie dargestellten Befunde sind Ergebnisse einer Analyse der Daten einer kürzlich vom Amt für Arbeitsstatistik des US-Arbeitsministeriums durchgeführten Bevölkerungserhebung. Das Amt für Arbeitsstatistik führt jeden Monat eine Bevölkerungserhebung durch; die in dem Bericht angeführten, für das Jahr geltenden Zahlen sind der Durchschnitt der Monatsangaben. Der Bericht folgt ähnlichen, in den Jahren 1998 und 2003 von der ITAA durchgeführten Studien, dokumentiert die Prozentzahlen von Frauen und Minderheiten in den vom Amt für Statistik festgelegten Berufssparten einschließlich der IT-Arbeitnehmer im Jahr 2004 und vergleicht sie mit den Vorjahren, um die Fort- und Rückschritte der Vielfalt zu bestimmen.
Die Information Technology Association of America (ITAA) liefert Strategien für weltweite Maßnahmen, geschäftliche Vernetzung und nationale Führung zur Förderung eines weiterhin schnellen Wachstums der IT-Industrie. ITAA besteht aus mehr als 380 Mitgliedsfirmen aus den ganzen USA. Sie spielt die Hauptrolle bei allen Angelegenheiten der IT-Industrie wie z. B. Informationssicherheit, Steuern und Finanzpolitik, Urheberrecht im digitalen Bereich, Wettbewerb in der Telekommunikation, Arbeitskräfte und Bildung, Einwanderung, Online-Daten- und Verbraucherschutz, IT-Beschaffung der Verwaltung, Humankapital und E-Commerce-Politik. ITAA-Mitglieder sind ebenso kleinste, neu gegründete IT-Firmen wie führende Firmen in den Bereichen Internet, Software, IT-Dienstleistungen, ASP, digitale Inhalte, Systemintegration, Telekommunikation und Firmenlösungen. Weitere Informationen unter www.itaa.org.
ITAA ist das Sekretariat der World Information Technology and Services Alliance, die 65 IT-Industrievereinigungen auf der ganzen Welt umfasst.
*Diversity/ Diversität: Unter dem Begriff Diversity wird in den USA der gleichberechtigte Zugang zu Arbeitsplätzen in Unternehmen für ethnische Minderheiten und andere Bevölkerungsgruppen (z.B. Frauen) verstanden.