Systematische Datenschutzverletzungen?
07.09.2001
Die Privacy Foundation, die sich dem Datenschutz und dem Schutz der Privatsphäre verschrieben hat, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Jobbörse monster.com. Angeblich verkauft das Unternehmen die Daten und Informationen seiner Bewerber an Dritte.
http://www.privacyfoundation.org/privacywatch/monster.asp
Die Stiftung stützt sich bei ihren Vorwürfen auf eigene Nachforschungen, die im Laufe der vergangenen Monate gemacht wurden. Dass es bei diesem Report nur um diese eine Jobbörse geht, hat einen einfachen Grund: Monster.com ist mit Abstand das größte Unternehmen unter den Online-Jobbörsen. Der von den Autoren vorgelegte Bericht beinhaltet konkret folgende Vorwürfe:
- Monster.com soll Marketing-Unternehmen die Daten und insbesondere die Bewerbungen der Job-Suchenden angeboten haben. Dieser Vorwurf stützt sich auch auf Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern.
- Bewerbungsunterlagen, die von den Bewerbern vermeintlich gelöscht worden waren, sollen für den späteren Gebrauch gespeichert worden sein. In diesem Punkt stützt man sich auf Interviews mit Mitarbeitern sowie auf die Ergebnisse eines Urheberrechtsverfahrens.
- Bewerbungen, die zur Weiterleitung an bestimmte Kunden von monster.com weiter geleitet werden sollten, gingen in die zentrale Datenbank der Jobbörse ein. Damit standen sie auch anderen Kunden und möglicherweise sogar dem aktuellen (Noch-) Arbeitgeber zur Verfügung.
- Den Marketing-Partner AOL Time Warner soll monster.com mit Informationen über das Bewerbungsverhalten der Job-Suchenden versorgt haben, die eine Reidentifizierung zuließen.
- MonsterTrak, ein Angebot, das sich insbesondere an Schüler und Studenten wendet, soll Daten seiner Klienten gesammelt haben, ohne in einer speziellen Privacy Policy den Verwendungszweck zu erläutern.
Die Jobbörse hat mittlerweile auf die Vorwürfe der Privacy Foundation reagiert und bestreitet einen Großteil der Angaben. Doch gleichzeitig ist es beispielsweise dem Wired Magazine gelungen, zumindest den Vorwurf der zentralen Speicherung und Offenlegung von gezielt abgegebenen Bewerbungen zu bestätigen.
http://www.wired.com/news/business/0,1367,46559,00.html
Inwieweit hinter diesen Vorwürfen wirklich ein System des bewussten Missbrauchs gesehen werden kann, steht noch nicht fest. Doch eines macht der Bericht der Privacy Foundation deutlich: Die Arbeitsvermittlung online stellt besonders hohe Anforderungen an den Datenschutz und eröffnet gleichzeitig eine Vielzahl neuer bzw. ausgefeilterer Missbrauchsmöglichkeiten.
Das gilt nicht nur für Jobbörsen in den USA und schon gar nicht nur für monster.com.