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Die Weiterentwicklung von Bayern Online
Eberhard Sinner-Staatsminister Main-Spessart, Ministerium für Gesundheit, Ernährung, Verbraucherschutz
Quelle: Presseberichte und Reden des Staatsministers-www.csu-main-spessart.de
Netze und Netzbetreiber
Neben dem Bürgernetz werden in Bayern das Hochschulnetz, das Behördennetz und weitere logische Netze betrieben. Das Behördennetz besteht aus vielen einzelnen physikalischen Standleitungen die einzelne Behörden bzw. Ämter miteinander verbinden. So existiert z. B. eine Standleitung vom Finanzamt in Lohr nach Nürnberg oder eine Leitung vom den diversen Zweigstellen des Landratsamtes nach Karlstadt. Außerdem liegen noch Leitungen nach Flensburg zur Verkehrssünderkartei.
Physische Netze werden von der DEUTSCHEN TELEKOM und von der VIAG-INTERCOM aufgebaut und auch Providern zur Verfügung gestellt. Eine Vielzahl von Anbietern, die auf diese Netze zurückgreifen, befindet sich am Markt. Der Wettbewerb ist scheinbar groß, in Wirklichkeit verfügen die meisten Provider nicht über ein eigenes Netz. Dieses Nebeneinander von verschiedenen Netzen hat besonders für den ländlichen Raum große Nachteile. Das Hochschulnetz ist mit einer Kapazität von 153 Megabit pro Sekunde zwischen Nürnberg und München installiert. Die übrigen Standorte von Universitäten und Fachhochschulen sind mit 34 Megabit pro Sekunde angebunden. Der Zugang zu diesem Netz ist in den Ballungsgebieten mit relativ geringen Kosten möglich. Je weiter ein Landkreis
von einem Hochschulstandort entfernt ist, desto teurer war bisher die Anbindung über eine
Standleitung an das Hochschulnetz. Bei einer freien Wahl der Provider aufgrund von Ausschreibungsergebnissen wird sich dieser Kostenfaktor für den ländlichen Raum massiv erhöhen. Der Zugang zum Internet ist mit sehr unterschiedlichen Kosten für die Standleitung belastet, dazu kommen noch die Kosten für die Backbone-Nutzung. Die Kosten für die Backbone-Nutzung der großen Provider sind mittlerweile auf ein den realen Kosten entsprechendes Niveau gesunken. Die Kosten für die dafür notwendigen physikalischen Leitungen sind durch das defakto immer noch bestehende alte Telekom-Monopol noch immer viel zu teuer. Bisher mussten die Bürgernetze nur die Leitungskosten bezahlen
Eine bessere Netztopologie wäre der Aufbau eines "Bayern-Backbones" über den alle Datendienste, die in einer Region benötigt werden, abgewickelt werden können. Ein solches Netz würde aus Knotenpunkten z. B. in der geographischen Mitte der Landkreise bestehen und so aus allen Richtungen gleich leicht oder schwer erreichbar sein. Allerdings wäre es nun nicht mehr möglich, die Verantwortung über die Technik einem Verein mit ehrenamtlichen Mitgliedern zu überlassen, da ja eine sehr hohe Ausfallsicherheit garantiert werden müsste. Außerdem wäre als Standort auch ein sicheres (öffentliches?) Gebäude notwendig. (z. B. Gemeindeverwaltung etc.) Für die Ausfallsicherheit müsste ein 24h-Notfalldienst eingerichtet werden, da bei einem technischen Problem am Knotenpunkt die ganze Region offline wäre. Ein gutes Vorbild wäre die Struktur des deutschen Provider-Austauschpunktes cix in Frankfurt (www.cix.de). Dort stellt eine Betreibergesellschaft jedem Teilnehmer klimatisierten Raum für die Technik und die dazugehörende Infrastruktur zur Verfügung.
Außerdem ist ein technischer Notdienst eingerichtet.
Datenautobahn mit 2 Megabit
In Bayern steht flächendeckend ISDN zur Verfügung. Dieses digitale Telefonnetz mit einer Kapazität von 64 Kilobit pro Sekunde, die auf 128 Kilobit pro Sekunde gesteigert werden kann, reicht für viele Anwendungen aus. Im Zeitalter von Multimedia ist jedoch ein Netz mit einer Kapazität von 2 Megabit pro Sekunde keine Utopie mehr. Zumindest müsste dieses zwei Megabitnetz in jedem Landkreis zur Verfügung stehen, um die letzte Meile zum Hochgeschwindigkeitsnetz so kurz wie möglich zu machen. Dies ist in ländlichen Räumen, die nur knapp mehr als 100 Einwohner pro Quadratkilometer haben, nur möglich, wenn alle denkbaren Nutzer ihre Interessen bündeln und damit die Leitungskosten auf ein wirtschaftlich erträgliches Maß senken. Konkret bedeutet dies, dass nicht jeder mit einem anderen Provider sich um einen Zugang zum Internet bemüht, sondern dass Bürgernetz und Behördennetz
gemeinsamen betrieben werden.
Großstadt contra Land
In den Ballungsgebieten ist die Situation grundsätzlich anders. In jeder Großstadt und den
benachbarten Landkreisen gibt es eine Vielzahl von Nutzern, die den Betrieb von
Hochgeschwindigkeitsnetzen von sich aus wirtschaftlich machen. Damit wird zwischen Großstadt und ländlichen Bereich ein massiver Wettbewerbsunterschied auftreten, der vor allen Dingen den einzelnen Bürger und den Mittelstand betrifft. Große Betriebe können auch in ländlichen Gebieten Standleitungen mieten, da sie einen großen Bedarf an Telematiknutzung haben. Ganz anders ist dies jedoch bei kleinen mittelständischen Betrieben, die niemals ein Nutzungspotential haben, das den Betrieb einer Leitung im Megabitbereich wirtschaftlich macht. Im ländlichen Bereich wird manche Multimedia-Anwendung überhaupt nicht möglich sein, generell wird die Geschwindigkeit im Netz viel langsamer als in den Großstädten sein.
Staat muss Infrastruktur für Telematik vorhalten
Um dieses Problem zu lösen, ist der Freistaat Bayern massiv gefordert. Ebenso wie im Straßenbau der Staat eine Infrastruktur bereitstellt, die nicht von Privaten geliefert wird, müsste auch beim Aufbau von Telematiknetzen der Staat eine Infrastruktur bereitstellen. Anstatt aus einer Vielzahl von Fördertöpfen einzelne Maßnahmen zu unterstützen, wäre es sinnvoller, ein Netz als Infrastruktur vorzuhalten, das mit einer Kapazität von 2 Megabit jeden Landkreis erreicht. Dies ist ohnehin für die Behörden erforderlich, zusätzlich könnten über dieses Netz die Kommunen und die kommunalen Einrichtungen der Landkreise und Städte, wie beispielsweise Krankenhäuser, ihren Verkehr abwickeln.
Auch die Schulen könnten dieses Netz nutzen. Durch diese Bündelung der Interessen wäre ein
Betrieb eines Hochgeschwindigkeitsnetzes auch im ländlichen Raum leichter zu realisieren als wenn jeder für sich versucht, seine Probleme zu lösen. Durch eine flexible Koordinierung wäre es z. B. möglich "virtuelle Standleitungen" für kleine Betriebe zu realisieren - d. h. ein Betrieb ist aus Sicht des Internets (als von außen gesehen) permanent mit dem Netz verbunden - in Wirklichkeit besteht aber nur eine Wählleitung die im Bedarfsfall aufgebaut wird. Das senkt die Kosten ohne die Erreichbarkeit wesentlich zu beeinträchtigen. Dies sind Dienste, die von kommerziellen Providern nur für sehr viel Geld angeboten werden.
High-Tech-Initiative für Bayernnetz
Die High-Tech Initiative, die jetzt von der Staatsregierung auf den Weg gebracht wurde, hat auch die Anbindung von Gewerbe- und Industriegebieten im ländlichen Bereich an das
Datenhochgeschwindigkeitsnetz zum Inhalt. Dies ist ein wichtiger Ansatz, um auch den Mittelstand im ländlichen Bereich den Zugriff zur Telematik zu ermöglichen. Im Zusammenhang mit der geplanten High-Tech Offensive wird sehr stark die Verteilung der Mittel auf die einzelnen Regionen diskutiert. Dabei ist es sehr schwierig zu bestimmen, wo Innovation stattfinden soll und was Innovation ist. Innovation wird im ganzen Land gebraucht. In zahlreichen Betrieben sind innovative Köpfe am Werk, um Produkte für die Märkte von morgen zu entwickeln. Es lässt sich nicht durch staatliche Festlegungen vorher bestimmen, dass im Gewerbe- oder Industriegebiet in X- Stadt oder Y- Stadt Innovation stattfindet.
Virtuelles Gründerzentrum
Das Angebot eines Hochgeschwindigkeitsnetzes im ganzen Land würde überall im Land die Nutzung dieser Technik erlauben und wird damit die Diskussion über die regionale Verteilung der Mittel entspannen. Innovative Betriebe aus dem Mittelstand könnten die Telematik nutzen, gleichgültig an welchem Standort sie sich befinden. Man könnte sich auch ein Netzwerk vorstellen, das als " virtuelles Gründerzentrum " allen im Freistaat Bayern interessierten Gründern zur Verfügung steht. Dies würde im Gegensatz zur bisherigen Praxis, die Gründerzentren nur an bestimmten zentralen Orten vorsieht, einen großen Schub für Existenzgründungen auslösen....
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Bayernnetz öffentlich statt privat
Ein solches Projekt wäre im Rahmen der High- Tech-Offensive Bayern als " Bayern-Netz " eine sinnvolle Voraussetzung für den Sprung ins nächste Jahrtausend. Man kann sich fragen, ob diese Aufgabe nicht auch von Privaten wahrgenommen werden könnte. Sicher gibt es sehr viele Firmen, die in diesen Bereichen tätig sind. Der technische Ausbau eines landesweiten physischen Netzes soll auch nicht Aufgabe des Staates sein. Die Rolle des Staates soll sich primär auf das Bündeln der verschiedenen Nutzerinteressen und die Finanzierung der erforderlichen Kapazitäten beschränken. Die Vorhaltekosten für das Netz sind als Fördermaßnahme zu betrachten, die sehr einfach und ohne großen Verwaltungsaufwand abzuwickeln ist. Davon können jedoch unendlich viele Bürger Bayerns profitieren, ohne dass im Einzelfall der Mechanismus einer Fördermaßnahme in Gang gesetzt werden muss. Mit Hilfe der in den Bürgernetzen vorhandenen technischen Kompetenz wäre es möglich dieses Projekt sehr kostengünstig durchzuführen, da damit einerseits Leute da sind, die entscheiden können, welche Anschaffungen sinnvoll wären und außerdem könnte die Installation und möglicherweise auch die Wartung von Freiwilligen durchgeführt werden. Das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung sollte dabei sicherlich die grundsätzliche Koordinierung übernehmen - vor Ort könnte aber mit Hilfe der Ehrenamtlichen Helfer eine sehr effiziente Installation erfolgen. Damit wäre auch der staatliche Einfluss auf ein vernünftiges Niveau gesenkt ohne dass gleich Firmen die Chance wittern, sich an Zuschüssen und Fördergeldern gesund zu stoßen.
Kompetenzzentrum Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
Wesentlich erscheint mir, dass innerhalb der Staatsregierung ein Kompetenzzentrum für das
Bayernnetz zuständig ist. Dieses Kompetenzzentrum sollte beim Landesamt für Statistik und
Date
Im Angebot der SDC seit 11.09.01 (pko)
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Themenbereiche:
- Ländliche Regionen, Kosten des Zugangs, Bürgernetze