Der 2. Prohliser Medientag fand am 16. März 2006 in Prohlis (Dresden) unter dem Motto: "Digitale Chancengleichheit für Prohliser Bürger" statt.
"Digitale Chancengleichheit? Internet für alle?"
Wer sind eigentlich Alle? Diese zunächst simpel erscheinende Frage eröffnete einen spannenden Nachmittag im Palitzschhof in Prohlis. Ingrid Körner, Betreiberin des Portals Prohlis-Online, hatte zum 2. Prohliser Medientag eingeladen. Diana Ruth, Susanne Rössner und Alexander Haffner als Fachleute der TU Dresden eröffneten mit der erwähnten Frage die Veranstaltung.
Für viele Menschen ist mittlerweile das Internet zur Informationsquelle Nummer 1 geworden. Aber wie stehen die Chancen für Alle? Immerhin etwa 10 Prozent der Deutschen sind beispielsweise sehbehindert oder blind. Welche Möglichkeiten haben diese Menschen, mit dem Internet umzugehen? Wo liegen die Stolpersteine – oder auch die schier unüberwindlichen Mauern? Sicher, es gibt zahlreiche Hilfsmittel für unterschiedliche Behinderungen. Von Schriftvergrößerungsprogrammen, Braille-Tastaturen (Blindenschrift), über Sprachsoftware, die Textinhalte vorliest bis hin zu Geräten, die Augenbewegungen in Befehle übersetzen, können sich Betroffene ausrüsten. Aber das ist eben nur die Hälfte des Problems.
Alle diese Hilfsmittel benötigen eine „Unterstützung“ von der jeweiligen Website, die betrachtet werden soll. Und da hört in der Praxis häufig der Spaß auf. Viele „Designer“ von Webseiten scheren sich herzlich wenig darum, wie Behinderte mit ihren Produkten klarkommen. Die Wege zur Besserung sind gar nicht so sehr kompliziert. Das Wissen und die Technik sind vorhanden. Nur – das Interesse fehlt. Wenn selbst Behindertenverbände mit grausigen Schachtelsätzen ihre Seiten eröffnen, Ämter und Behörden bei der Nutzung ihrer Angebote Informatikstudien vorauszusetzen scheinen, dann sind eben die Chancen nicht für Alle gleich.
Und da meldet sich das nächste Problem: Es scheint zunehmend Sitte zu werden, Kunden, Verbrauchern oder Nutzern die Verantwortung unterzujubeln. Gut versteckte Geschäftsbedingungen, Preise oder Kündigungsmöglichkeiten nehmen zu. Die lapidare Mitteilung: „Laden Sie sich doch dieses Formular oder jene Information aus dem Netz“ geht auch in Amtsstuben immer lockerer über die Lippen. Und dann muss man das Formular „nur“ noch finden! (Dessen Einreichung oder Nichteinreichung hat dann allerdings gnadenlos Konsequenzen.) Da steht es eben mit der Chancengleichheit nicht zum Besten – und man muss noch nicht einmal „behindert“ sein.
Für Interessenten: An der Technischen Universität Dresden, Fakultät Informatik, Institut für Angewandte Informatik existiert die Professur Mensch-Maschine-Kommunikation, insbesondere für Sehgeschädigte. Anfragen sind sehr erwünscht.
Im Rahmen des Programmes „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ (LOS) entstanden mehrere kleine, mediale Projekte, die kurz vorgestellt wurden. So kann die Prohliser Bürgerpost (in ehrenamtlicher Arbeit) auf ihre mittlerweile fünfte Ausgabe verweisen. Bildpräsentationen über Prohlis sind als Ausstellung ebenso in Vorbereitung wie als CD-Edition.
Wie der Gästeliste zu entnehmen war, hat der 2. Prohliser Medientag durchaus weit über den Stadtteil hinaus Interesse geweckt. Das Thema hat es verdient! Es wird also nicht der letzte gewesen sein.
Nähere Informationen bei Ingrid Körner, Online-Treff Dresden, Tel.: 0351 - 270 97 93,
info@online-treff.net
Zum Bild: Links sehen Sie Alexander Haffner von der TU Dresden im Gespräch mit Günter Silbernagl vom URANIA-Stadtverband Dresden e.V.; Quelle: Online-Treff Dresden