Kostenlose Kontrollsoftware für Eltern in Frankreich
Als Ergebnis einer am 16. November 2005 geschlossenen Vereinbarung zwischen den Internet Service Providern (ISP) und dem Familienministerium in Frankreich stellen die meisten ISP ihren Kunden seit dem 1. April 2006 eine kostenlose Kontrollsoftware für Eltern zur Verfügung stellen.
Die Vereinbarung zwischen den ISP und den französischen Behörden war das Resultat heftiger Proteste in den Medien, nachdem das EDRi-Mitglied
IRIS im September 2005 die Absicht der Regierung enthüllte, standardmäßiges Filtern durch die ISP zum Zwecke der elterlichen Kontrolle per Gesetz vorzuschreiben. Danach schraubte die Regierung ihre Absichten zurück, und die standardmäßige, von den ISP installierte elterliche Kontrolle wurde ausgeschlossen. Die jetzt abgeschlossene Vereinbarung hat noch nicht alle Bedenken ausgeräumt, insbesondere weil nicht umfassend über die Software und ihre Kriterien informiert wurde.
Ab 1. April 2006 ist diese Software für Neukunden im Internetanschluss-Paket enthalten; ein entsprechendes Fenster öffnet sich automatisch. Frühere Beschwerden betrafen den Mangel an einfachen Zugangsmöglichkeiten zu dieser Art Software und ihre unzureichende Effizienz.
Für bestehende Kundenstämme werden die ISP eine Informationskampagne per E-Mail, Newsletter und Mitteilungen auf ihren Homepages durchführen; Interessierte können dann die Software über die Website ihres Providers erhalten.
Einige Provider sind bereits in der Lage, die Software zur Verfügung zu stellen, während andere noch dabei sind, ihr Kontrollsystem für Eltern abschließend zu gestalten. Provider wie AOL, die in dieser Hinsicht bereits fortgeschritten sind, können verschiedene Profile - entsprechend dem Alter der Kinder – anbieten, wobei ein semantischer Filter eingesetzt wird, der effizienter ist als URL-Filtersysteme. Andere Provider wie Wanadoo fragen neue Neukunden beim Anschluss explizit, ob die Filtersoftware installiert werden soll oder nicht.
Zum Einsatz kommt bei vielen Providern eine Software (und aktualisierte Listen) der spanischen Firma Optenet, welche im letzten April einen Vertrag mit dem französischen Bildungsministerium geschlossen hat.
Meryem Marzouki vom EDRi-Mitglied IRIS problematisiert, dass der Nutzer nur sehr wenig Information darüber erhalte, wer die vordefinierten schwarzen und weißen Listen zusammenstelle und nach welchen Kriterien ausgewählt werde.
Mehr über die ISP-Filter im Internet (nur auf französisch, 4.4.06):
www.01net.com/editorial/311150/securite/les-fai-filtrent-plus-net/
Obligatorische und kostenlose elterliche Kontrolle im Internet (nur auf französisch, 16.11.05):
www.01net.com/article/295101.html
Automatisches Filtern von Inhalten: Die moralische Ordnung wird strenger (nur auf französisch, 16.9.05):
www.iris.sgdg.org/info-debat/comm-filtrage0905.html