Für Kinder und Jugendliche ist das Internet ein Spielplatz. Sie treffen sich dort mit Freunden und Gleichaltrigen – und das nicht nur im virtuellen Raum. Gemeinsam vor dem Rechner zu sitzen, sich auszutauschen, wo man die tollsten Bilder und die spannendsten Spiele findet oder die coolsten Leute im Chat trifft, ist angesagt. Auch Kinder und Jugendliche, die das Internet zu Hause nutzen können, gehen deshalb gern in Internetcafés. Die Peer-Group dient als Orientierungshilfe und Wegweiser im digitalen Dschungel. Aber worauf müssen Eltern achten, wenn Sie ihren Kindern erlauben, außerhalb des eigenen Aufsichtsradius im Internet zu surfen?
Internetcafé ist nicht gleich Internetcafé
In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 10.000 Einrichtungen, in denen man das Internet öffentlich nutzen kann. Zählt man Internetterminals und -kioske, die in Kneipen, Bahnhöfen oder Hotels aufgestellt sind, dazu, sind es noch ein paar tausend mehr. Doch nicht jeder dieser Zugangsorte ist für Kinder und Jugendliche geeignet. Als Eltern sollte man sich daher informieren, bevor man dem Nachwuchs erlaubt, dort zu surfen.
Einige Auswahlkriterien sind leicht zu setzen. So sind Lokale, in denen neben der Internetnutzung auch Spielautomaten angeboten werden und Alkohol ausgeschenkt wird, für jüngere Kinder jedenfalls nicht geeignet. Bei eher kommerziell geführten Internetcafés sind auch Fragen nach altersgerechter Spielsoftware und nach der Installation von Jugendschutzsoftware auf den angebotenen Rechnern sinnvoll.
Sehen Sie sich im Internetcafé um, häufig gibt bereits die Einrichtung Auskunft darüber, ob man sich hier um die Belange des Jugendschutzes kümmert. So sollten zum Beispiel die Monitore grundsätzlich so aufgestellt sein, dass die Aufsichtsperson stets einen Überblick über die dargestellten Inhalte behalten kann.
Aufsichtsperson oder Ansprechpartner?
Kinder und Jugendliche können beim freien Surfen im Internet immer wieder auf Inhalte stoßen, die nicht für sie geeignet sind. Das kann auch die beste Jugendschutzsoftware nicht völlig verhindern. Deshalb ist es wichtig, dass in der öffentlichen Einrichtung immer ein Ansprechpartner vor Ort ist, der – am besten pädagogisch geschult – mit den Kindern und Jugendlichen über die Erfahrungen im Internet sprechen kann. Das fällt Kindern gegenüber der Vertrauensperson oft sogar leichter als gegenüber den eigenen Eltern. Jugendsozialarbeiter haben es inzwischen meist gelernt, mit solchen Situationen umzugehen. Im Falle schwerwiegender Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz werden die Ansprechpartner in einer geeigneten Einrichtung Sie als Eltern informieren.
Die meisten Einrichtungen haben darüber hinaus einen Verhaltenskodex für das Surfen der Kinder und Jugendlichen entwickelt. Dort wird darauf geachtet, dass keine ungeeigneten Inhalte bewusst aufgerufen werden. Jugendliche werden darüber informiert, dass eine so genannte Logfile-Analyse am Ende der freien Nutzungszeiten dem pädagogischen Personal schnellen Aufschluss über die aufgerufenen Seiten gibt.
Stichwort Medienkompetenz
Zunehmend verfügen Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit über Internetzugänge und setzen diese in ihrer pädagogischen Arbeit ein. Wenn Ihr Kind zu solchen Kindertreffs oder Jugendzentren geht, sollten sie sich über die medienpädagogischen Angebote vor Ort informieren.
Aus pädagogischer Sicht sind feste Kursangebote ebenso wichtig wie Zeiten der freien Nutzung. Medienkompetenz vermittelnde Kurse sollten altersspezifisch angelegt sein und die unterschiedliche Nutzungsweise von Mädchen und Jungen berücksichtigen. Sie sollten den Kindern und Jugendlichen sowohl erklären, wie man Medien nutzt als auch wie diese entstehen oder hergestellt werden. Andererseits bleibt alles graue Theorie, wenn man es nicht selbst ausprobiert. Deshalb ist es wichtig, dass auch die selbständige Nutzung erlaubt wird und die Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen können.
Kinder brauchen Kommunikation
Auch wenn Ihre Kinder das Internet zu Hause nutzen können: Erlauben Sie ihnen den Besuch von Internetcafés, aber schauen Sie genau hin, wo Ihre Kinder surfen. Stellen sie Fragen, wenn die Kinder nach Hause kommen und diskutieren Sie, wie lange die Kinder surfen dürfen. Das ist nicht nur eine Frage der Kosten, es kommt auch darauf an, sinnvolle zeitliche Grenzen zu ziehen, damit die digitale Welt nicht überhand gewinnt und den ganz normalen Familienalltag verdrängt.
Und wenn der nächste Urlaub bevorsteht, dann schauen Sie doch mal nach, ob der Ferienort auch ein Internetcafé zu bieten hat. Viele Kurverwaltungen haben bereits Internetzugänge eingerichtet, manchmal ist das Surfen sogar durch die Kurtaxe abgedeckt. Ihre Kinder werden sich freuen, wenn der Kontakt zu ihren Freunden auch in den Ferien nicht abreißen muss, und Sie selbst versenden die Urlaubsgrüße diesmal vielleicht digital.
Auskunft über rd. 8.000 öffentliche Internetcafés gibt die Datenbank der Internetzugangs- und Lernorte der Stiftung Digitale Chancen unter
http://www.digitale-chancen.de/einsteiger.