1994, als erst wenige Amerikaner überhaupt vom Internet gehört hatten, gingen die meisten Leute noch zur nächsten Zweigstelle ihrer Bank und erledigten dort die finanziellen Angelegenheiten - wie Scheck einlösen oder Rechnung bezahlen - die sie nicht in ihrem Eckladen oder per Post erledigen konnten. Als die in einem Haushalt für die Zahlung von Rechnungen zuständigen Personen in einer Umfrage des Pew Research Center for the People & the Press gefragt wurden
Erledigen Sie Ihre Bankgeschäfte elektronisch von zu Hause aus, d.h. nutzen Sie einen Computer oder das Telefon, um Rechnungen zu bezahlen oder um Geld von einem Konto zu einem anderen zu bewegen?
antworteten weniger als einer von 10 (9%) mit ja. Bis 1995 stieg die Anzahl dieser Personen auf 13% der Rechnungszahler. 1998 befragte das Pew Research Center alle Internetnutzer, ob sie ihre Bankgeschäfte online ausführten, und 13 % dieser größeren Gruppe, d.h. ca. 10 Mio. erwachsene Amerikaner, antworteten mit ja.
Bis 2000, als das Pew Internet & American Life Project seine erste Erhebung durchführte, war der Anteil der Internetnutzer, die angaben, sie hätten ihre Bankgeschäfte online abgewickelt, auf 17% oder ca. 16 Mio. Amerikaner gestiegen. In den nächsten Jahren führten die Internetnutzer immer mehr Finanztransaktionen online aus und vertrauten damit dem Internet zunehmend persönliche Finanzinformationen an. Unter den Kategorien von Aktivitäten nahmen Online-Banking und Online-Auktionen am schnellsten zu, insbesondere bei Männern, bei privaten Breitbandnutzern und bei Internetnutzern unter 50 (1).
Grafik: Prozentsatz der Internet-Nutzer, die Online-Banking machen
Andere Formen von beliebten Online-Aktivitäten neben dem Banking kamen hinzu. Im Januar 2005 gaben 38 % der Internetnutzer an, sie zahlten Rechnungen online. Im Dezember des gleichen Jahres wurde in einer Studie von Harris Interactive festgestellt, dass 35 % aller Rechnungen online bezahlt wurden; im Vorjahr waren es noch 25 % (2). Zum Vergleich: 37,5 % der Rechnungen werden per Scheck bezahlt und 27,5 % auf andere Weise, z. B. bar oder per Debitkarte (3).
Immer mehr Internetnutzer suchen im Netz auch nach finanziellen Ratschlägen und Informationen. Während der Anteil der Internetnutzer, die angeben, sie suchten online nach Finanzinformationen wie Aktienkurse oder Zinssätze, konstant bei 44 % liegt, seit die Forscher 2000 mit ihren Erhebungen begannen, ist der das Internet nutzende Bevölkerungsanteil stetig gestiegen (4). So zeigen Daten von comScore Media Metrix, dass bis April 2006 vier Websites mit Inhalten zu Geldmanagement und Finanzdienstleistungen unter den zwanzig beliebtesten Websites der Kategorie Wirtschaft/Finanzen: AOL Money & Finance, MSN Money, Yahoo! Finance, and CNN Money rangierten (5). Zusätzlich liefert eine Gruppe von Online-Magazinen und Websites wie z. B. 'Motley Fool' Inhalte an größere Informationsprovider im Print- und Online-Bereich.
Finanz-Websites machen sich auch den Erfolg im Bereich der sozialen Vernetzung zunutze. Vor kurzem fand eine von Forrester Research unterstützte Konferenz statt, die sich mit der Verlagerung des Verkaufs von Finanzdienstleistungen auf das Netz befasste. Firmen wie Yahoo! und Google diskutierten, welche Vorteile soziale Netzwerke im Internet haben, über die Ratschläge ausgetauscht und Kreditnehmer mit Kreditgebern zusammengeführt werden. (6)
Eine Pew-Erhebung vom Dezember 2005 bestätigte, dass Online-Banking als allgemein verbreitete Internetaktivität konstant bleibt und mit der Internetnutzung insgesamt zunimmt, das Wachstum sich allerdings nicht beschleunigt, wie es bei anderen Formen von Internetaktivitäten der Fall ist. Volle 43 % der Internetnutzer, d.h. ca. 63 Mio. erwachsene Amerikaner führen ihre Bankgeschäfte online durch. Private Breitbandnutzer stehen dabei nach wie vor an der Spitze; 55 % dieser Internetnutzergruppe betreiben Online-Banking, verglichen mit 35 % der privaten Nutzer, die sich ins Internet einwählen.
Online-Banking ist bei allen Altersgruppen unter 65 gleich weit verbreitet. 42 % der Internetnutzer zwischen 18 und 29, 47 % der Internetnutzer zwischen 30 und 49 und 43 % der Internetnutzer zwischen 50 und 64 betreiben Online-Banking. Jedoch nur 27 % der Internetnutzer im Alter von 65 und älter nutzen ihren Internetanschluss für Online-Banking. Außerdem haben die Forscher des Pew-Instituts festgestellt, dass Männer und Frauen beim Online-Banking gleich stark vertreten sind.
Ein Grund, warum Online-Banking das Wachstum der Internetnutzung insgesamt nicht überschreitet, könnte der von Wirtschaftsanalysten so genannte 'trust gap', also der Mangel an Vertrauen auf Seiten der Verbraucher sein. Vertrauen ist ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für Online-Banking trotz der Schlagzeilen über Identitätsdiebstahl und Phishing. Einige Wirtschaftsanalysten prophezeien, dass Websites für Online-Banking wegen dieser 'Vertrauens-Kluft' zwischen den Internetnutzern, die mit Finanztransaktionen im Netz Erfahrungen haben und denen, die keine haben, Probleme mit der Neugewinnung von Kunden bekommen werden (7). In einem 2005 von Consumer WebWatch erstellten Bericht wurde darauf hingewiesen, dass Internetnutzer, die eine E-Commerce- oder eine Finanzmanagement-Website genutzt hatten, mehr Vertrauen in Online-Banking-Websites, Websites zur automatischen Zahlung von Rechnungen, Kreditwebsites und ähnlichem hatten. Und Internetnutzer, die bereits online eingekauft hatten, sagten eher, sie hätten viel Vertrauen in Online-Banking-Websites. (8)
Es überrascht nicht, dass Besserverdienende eher die zusätzlichen Vorteile des Online-Banking nutzen wie z. B. den 24-stündigen Zugang zu den Konten und höhere Zinsen. Im Dezember 2005 erklärten 55 % der Internetnutzer in Haushalten mit einem Einkommen von 75.000 $ und darüber, sie betrieben Online-Banking, verglichen mit 29 % der Internetnutzer, die in einem Haushalt mit einem Jahreseinkommen von unter 30.0000 $ lebten.
Die Frage der Pew-Erhebung unterschied nicht zwischen Internetnutzern, die ihre Bankfiliale in der materiellen Welt online aufsuchen, um den Kontostand abzufragen oder Rechnungen zu bezahlen, und solchen, die Konten auf reinen Internetbanken unterhielten. Aber es gibt Hinweise darauf, dass Internetnutzer eine ganze Menge Geld auf ihre Konten bei reinen Internet-Banken überweisen. 2005 stand in einem Bericht der Federal Deposit Insurance Corporation, dass das durchschnittliche Gesamtguthaben auf einer Internetbank im Dezember 2003, als das Online-Banking bei den Internetnutzern noch eine starkes Wachstum aufwies, 3,5 Milliarden Dollar betrug, im Durchschnitt aller Banken war es nur eine Milliarde. (9)
Ein Grund für diesen Unterschied ist, dass einige sehr große Internetbanken den Durchschnitt verzerren. Zum Beispiel hat die 2000 gegründete ING Direct bereits 4 Millionen Kunden und 59 Milliarden Dollar Kapital (10). Ein anderer Grund für den Unterschied ist, dass viele Banken und Sparkassen einen örtlichen Kundenstamm haben und keinen landesweit verteilten. Beispielsweise verfügt die 1907 gegründete Adams County Building and Loan Company in West Union, Ohio, zurzeit über 24 Mio. Dollar Kapital (11). Die beiden Banken arbeiten einfach für unterschiedliche Kunden und unterschiedliche Bedürfnisse. Hinzu kommt, dass der Prozentsatz der Internetnutzer, die Online-Banking betreiben, gleich bleibt, während die Häufigkeit ihrer Besuche von Bank- und anderen Finanzwebsites zunimmt. Laut comScore Media Metrix stieg die Zahl der Einzelbesucher von Wirtschafts- und Finanzwebsites von April 2005 bis April 2006 um 9 Prozent (12). Die ersten fünf Websites in dieser Kategorie waren im April 2006 die von Bank of America, PayPal, JPMorgan Chase Property, AOL Money & Finance und Capital One. Und wer lag im April an sechster Stelle der beliebtesten Finanzwebsites? IRS.gov, natürlich, das Finanzamt.
Anmerkungen:
(1)vgl. '
America's Online Pursuits' von Mary Madden, Pew Internet & American Life Project, 12.12.2003.
(2)vgl. '
Internet Activities', Pew Internet & American Life Project.
(3)vgl. 'Pay Bills With a Click? More Americans Are Doing It and Banks Are Loving It', Bob Tedeschi, The New York Times, 29.05.2006.
(4)vgl. '
Usage Over Time', Pew Internet & American Life Project.
(siehe dort entsprechender Text)
(5)Daten am 31. Mai 2006 von Andrew Lipsman, comScore Networks, Inc., zur Verfügung gestellt.
(6)Vgl. 'Banking Shift: Advice, Service Get Less Formal' von Marilyn Geewax, The Atlanta Journal-Constitution, 31.05.2006.
(7)Vgl.'
Online Banking Customers: Attitudes and Activities' von David Hallerman, eMarketer, November 2005.
(8)Vgl. '
Leap of Faith: Using the Internet Despite the Dangers', Princeton Survey Research Associates International for Consumer Reports WebWatch, 26.10.2005.
(9)Vgl. "Limited-Purpose Banks: Their Specialties, Performance, and Prospects," by Chiwon Yom, FDIC Banking Review, 2005, Vol. 17, No. 1.
(10)Vgl.
www2.fdic.gov/structur/search/isinsured.asp?CERT=35489
(11)Vgl.
www2.fdic.gov/idasp/main_bankfind.asp
(Suche nach: FDIC Certificate #32304)
(12)Daten am 31. Mai 2006 von Andrew Lipsman, comScore Networks, Inc., zur Verfügung gestellt.