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Europaweit mehr als 2/3 der Schulen mit schnellem Internetzugang ausgestattet - Deutschlands Lehrer setzen den Computer jedoch selten ein

Jeanette Christu, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: EU Kommission IP/06/1285 und Bericht vom 29.09.06

An den europäischen Schulen gehören das Surfen im Web, aber auch virtuelle Kommunikations- und Lehrmethoden immer mehr zum Schulalltag. Wie eine am 29. September 2006 veröffentlichte Umfrage der Europäischen Kommission ergeben hat, sind die meisten europäischen Schulen nun mit schnellen 'Breitband'-Internetanschlüssen ausgestattet, allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. In Deutschland ist die Qualität des Zugangs stark vom Schultyp abhängig. Aber auch die Motivation der Lehrer wird für Deutschland als kritischer Faktor für die Verbreitung der Nutzung von Computern und Internet an Schulen gesehen.

In Europa spüren wir nun langsam die Vorteile der Breitbandanbindung in den Schulen, wo die Grundlagen einer wissensgestützten Gesellschaft gelegt werden, meint die für die Informationsgesellschaft und Medien verantwortliche EU-Kommissarin Viviane Reding. Ich gratuliere all jenen EU-Staaten, die dank der effizienten Umsetzung des EU-Rechts den Wettbewerb im Bereich der Breitbanddienste und -infrastrukturen angekurbelt haben und dadurch nun auch vielversprechende Ergebnisse in ihnen Bildungssystemen erzielen. Der Breitband-Internetzugang könnte sich als eine der wirksamsten Triebkräfte sowohl im wirtschaftlichen als auch im sozialen Wettbewerb erweisen. Ján Figel', der EU-Kommissar für Allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit, ergänzte: Die digitale Kompetenz ist eine der acht Schlüsselkompetenzen, die die Kommission letztes Jahr in ihrer Empfehlung herausgestellt hat. Weiter fordert er die laut Umfrage zurückgebliebenen Länder auf ihre Bemühungen im Interesse der jungen Generationen zu verstärken.

Die Studie 'Leistungsvergleich - IKT-Zugang und -Nutzung in europäischen Schulen 2006' wurde im Frühjahr 2006 in allen 25 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen und Island durchgeführt und umfasste zwei Umfragen: eine Schulumfrage unter über 10000 Schulleitern und eine IKT-Nutzungsumfrage unter über 20 000 Lehrern.

Aus den Umfrageergebnissen geht hervor, dass 96 % aller Schulen in Europa über einen Internetzugang verfügen und 67 % bereits über eine Breitbandverbindung. Allerdings ist die Breitbandverbreitung noch immer sehr unterschiedlich, von 90 % in den Schulen der skandinavischen Länder, den Niederlanden, Estland und Malta bis zu unter 35 % in Griechenland, Polen, Zypern und Litauen. Der Bericht stellt hierzu fest, dass in Europa die Breitbandanbindung der Schulen offenbar der allgemeinen landesweiten Entwicklung der Breitbandverbreitung entspricht. Ausnahmen davon stellen die Länder Estland, Malta, Slowenien und Spanien dar - hier ist die Breitbandausstattung der Schulen viel weiter vorangeschritten als die allgemeine Breitbandverbreitung in diesen Ländern.

Über 90 % der Lehrer benutzen Computer oder das Internet zur Unterrichtsvorbereitung, 74 % von ihnen auch als Lehrhilfe, wobei es hier auch wieder große Unterschiede gibt: von 96 % im Vereinigten Königreich und 95 % in Dänemark bis zu 36 % in Griechenland und 35 % in Lettland. Mehr als 80 % der Lehrer sind der Meinung, dass die Schüler motivierter und aufmerksamer sind, wenn Computer und das Internet im Unterricht eingesetzt werden, und dass dies spürbare Lernvorteile bietet.

75 % aller Lehrer sind der Meinung, dass die technische Unterstützung und Wartung an den Schulen verbessert werden muss. Nicht einmal die Hälfte der Schulen haben Unterstützungs- oder Wartungsverträge mit einem Dienstleister abgeschlossen. In den Ländern, in denen die IKT besser in die Lehrmethoden einbezogen werden, verfügen die meisten Schulen allerdings über solche Verträge, angeführt vom Vereinigten Königreich (89 %) und den Niederlanden (69 %).

Ergebnisse für Deutschland:

In Deutschland sind fast alle Schulen inzwischen mit Computern ausgestattet und haben Zugang zum Internet. 63 Prozent nutzen das Internet über eine Breitband-Verbindung. Damit liegt Deutschland allerdings lediglich auf Platz 21 von 27 untersuchten EU Ländern.

Ein unterscheidendes Kriterium für das Vorhandensein eines Breitbandzugangs ist in Deutschland der Schultyp: Während 54 Prozent der Grundschulen einen Breitbandzugang zum Internet haben, sind es an den höheren Schulen 82 Prozent.

Insgesamt nutzen 78 Prozent der Lehrer in Deutschland Computer in der Klasse - dies unterscheidet sich kaum nach Schultypen, kaum danach ob es sich um eine ländliche oder städtische Schule handelt und überraschender Weise auch nicht nach Schulfächern. Ein Blick auf die Häufigkeit der Internetnutzung gibt hier weitere Einblicke und zeigt Probleme auf:
Von den Lehrern, die Computer benutzen, setzt eine Mehrheit von 56 Prozent diese in weniger als 10 Prozent aller Unterrichtsstunden ein. Lediglich sechs Prozent geben an, dass sie Computer in mehr als der Hälfte ihrer Unterrichtsstunden einsetzen. Die Nutzungshäufigkeit unterscheidet sich auch nach Schultypen: Lehrer an berufsbildenden Schulen setzen Computer sehr viel häufiger ein als ihre Kollegen an den allgemeinbildenden Schulen.

22 Prozent der Lehrer in Deutschland benutzen überhaupt keinen Computer in der Klasse. Von diesen geben 49 Prozent an, dies läge an einem Mangel an Computern in ihrer Schule. Ebenfalls ein sehr hoher Anteil (48%) setzt keine Computer ein, weil sie keinen Gewinn in der Nutzung von Computern im Unterricht erkennen können. 46 Prozent sind der Meinung, dass Lehrer nicht über das notwendige Wissen zur Verwendung von Computern im Unterricht haben. Die hohen Werte in den Antwort-Kategorien: 'Mangel an Fähigkeiten', 'keine Vorteile des Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) im Unterricht' , und 'Mangel an Interesse' zeigen ein spezifisch deutsches Problem an – die Ergebnisse sind hier zwei bis dreimal so hoch wie im europäischen Durchschnitt!

Der länderspezifische Bericht gelangt daher zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland anscheinend notwendig ist, das Problem der mangelnden Motivation der Lehrer, Computer im Unterricht einzusetzen, sowie deren IuK-Weiterbildung aktiv anzugehen.

Das Fazit für Deutschland:

Der Umfrage zufolge stellen in Deutschland zum einen eine immer noch suboptimale Qualität der Internetverbindungen in manchen Schulen zum anderen die mangelnde Motivation der Lehrer, den Computer im Unterricht einzusetzen, die kritischen Faktoren für eine Verbreitung von Computern und Internet an deutschen Schulen dar.

Die Studie inklusive einer Kurzübersicht für jedes Land und einem Abschlussbericht finden Sie unter

http://ec.europa.eu/information_society/eeurope/i2010/benchmarking/index_en.htm
http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=2888


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