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Neue Arbeitsplätze für den ländlichen Raum
LEADER Vogelsberg, LEADER GmbH
Quelle: LEADER Magazine Frühjahr 1999
Betreuung und Begleitung, Aus- und Fortbildung, Beratung, Vernetzung...
Die lokale Aktionsgruppe im Vogelsberg wird schon früh im Vorfeld der Projektförderung aktiv. Hier kommt die Bedeutung der Abkürzung"L.E.A.D.E.R., Liaison Entre Actions de
Développement de l'Economie Rurale", ("Verbindungen zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft") voll zum Tragen. Hier steht die Beschäftigung im Mittelpunkt.
"LEADER I ist zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort angekommen", bestätigt Hans-Ulrich Lipphardt, Landrat des Vogelsbergkreises. "In der Mitte der 80er Jahre hat der Kreis eine 'Task-Force', 'Arbeit und Umwelt' ins Leben gerufen, die Ideen gesammelt und Projekte entwickelt hat, die wenige Jahre später umgesetzt wurden, dank des Zusammenspiels regionaler sowie nationaler und europäischer Instrumente, z.B. das hessische Programm der Dorferneuerung und sicher, LEADER. Ich behaupte, daß der Vogelsberg einer der ersten Kreise in Hessen gewesen ist, der einen integrierten ländlichen bottom-up Entwicklungsansatz gefahren hat. Wir haben es auch verstanden, die Potentiale zu vernetzen - wie sonst kann ein ländliches Gebiet wie das unsere, im Konzert der europäischen Regionen mitspielen. Das funktioniert nur über die Mobilisierung aller sozial-ökonomischen wichtigen Gruppen und Akteure, über politische Sensibilitäten und Interessengegensätze hinaus. Das ist das Ziel der Einrichtung, die wir aufgebaut haben, größtenteils dank des LEADER Programms der EU."
"LEADER" ist einfach der Name, und GmbH der juristische Status, die gewählt wurden für "LEADER Gesellschaft für Regionalentwicklung im Vogelsberg mbH". Die LEADER GmbH ist eine komplette Entwicklungsgesellschaft: Die "lokale Aktionsgruppe" (LAG) bildet den Kern zusammen mit dem Landkreis, den 19 Gemeinden, den Kammern und einer großen Zahl lokaler Vereinigungen aller Sektoren und wichtiger gesellschaftlicher Gruppen, die im Aufsichtsrat der LEADER GmbH repräsentiert sind.
Als Mittelgebirgsregion, nordöstlich von Frankfurt, ist der Vogelsberg der "Prototyp" eines deutschen Ziel 5b-Gebietes. Der Vogelsberg ist keine Einöde, die Isolation nur relativ, denn die Autobahnen sind nicht sehr weit. Der Vogelsbergkreis weist eine vergleichsweise mittlere Arbeitslosenquote auf, die geringer als der nationale Durchschnitt (12%) ist. Es besteht aber eine strukturelle Unterbeschäftigung, die Zahl der täglichen Auspendler ist sehr hoch, der Agrarsektor ist durch die Mittelgebirgslage benachteiligt und die Größe des Landkreises verursacht Mobilitätsprobleme bei benachteiligten Gruppen (sozial und beruflich). Vor allem Jugendliche und Frauen haben unter dem unzureichend ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr zu leiden.
"Wir haben zwei Millionen Euro für arbeitsplatzschaffende Investitionen verwendet", präzisiert Thomas Schaumberg, Geschäftsführer der LEADER-GmbH und fügt hinzu: "Wir schätzen, dass weit über 100 Arbeitsplätze am Ende von LEADER II geschaffen sein werden. Dazu kommen noch die Arbeitsplätze, die in der Folge in den geförderten Unternehmen entstanden sind und Arbeitsplätze, die durch Beratung der LEADER GmbH gesichert oder geschaffen worden sind. Über die individuellen Projektträger hinaus, die wir direkt begleiten - mehr als 100 zwischen 1995 und 1998 - besteht unsere Arbeit auch und vor allem in der Verbesserung der langfristigen Voraussetzungen, geeignete Bedingungen für nachhaltige und zukunftsweisende Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Heute Abend komme ich gerade aus einem Sprechtag für Erfinder, den wir zum dritten Mal zusammen mit der IHK und einem Patentanwalt veranstaltet haben. Zu den Fragen: 'wie schütze ich meine Produktidee, wie stellt man erfolgreich einen Patentantrag'? haben wir bisher über 40 Erfinder beraten. Die Förderung und Beschleunigung der Innovationstätigkeit in Vogelsberger Unternehmen ist ein wichtiges Arbeitsfeld für die LEADER GmbH, da die Innovationen von heute die Arbeitsplätze von morgen garantieren werden." Im Vogelsberg ist die Förderung der Unternehmen die Hauptachse des LEADER-Programms.
"Der Tourismus ist ein wichtiger Sektor im Vogelsbergkreis",bestätigt Thomas Schaumberg, "auch im Hinblick auf das Image der Region und die Attraktivität als Standort. Das touristische Potential der Region ist noch nicht ausgeschöpft. Hier bieten sich auch noch Beschäftigungsmöglichkeiten. Das größte Beschäftigungspotential liegt bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) des Handwerks, des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors. Eine große Anzahl dieser Unternehmen ist leistungsfähig und exportiert Produkte und Dienstleistungen weltweit."
Diese KMU sind vor allem Industriebetriebe. Daher vielleicht die Häufigkeit technischer Metaphern wie "Motor", "Strom", "Hebel"... die die meisten befragten Personen verwenden, um die Rolle von LEADER zu umschreiben.
Busfahrerinnen für den Öffentlichen Personennahverkehr
"Wie üblich war erst einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, denn damals waren nur zwei Frauen, Töchter eines Busunternehmers, als Busfahrerinnen aktiv", erinnert sich Sabine Berger. "Die Vorstellung für einige Verkehrsunternehmen, daß auch Frauen Busse fahren können, war für einige Unternehmer und Unternehmerinnen völliges Neuland." Diese Zurückhaltung ließ sich erst überwinden, als sicher war, daß die Kosten für die Ausbildung und die Ausbildungsgehälter für die zukünftigen Busfahrerinnen voll und ganz vom Projekt übernommen wurden. Denn 1994 wurde mit der Beteiligung des Europäischen Sozialfonds, des Programms "Arbeit statt Sozialhilfe " des Kreises und des hessischen Verkehrsausschusses ein zweijähriges bezahltes Fortbildungsprogramm durchgeführt, das zum anerkannten Diplom der "Berufskraftfahrerin- Fachrichtung Personenverkehr" führte.
Von 50 Kandidatinnen wurden 10 Frauen ausgewählt. Zwei der Frauen waren nur 19 und 20
Jahre alt, während die anderen zwischen 30 und 40 Jahre alt waren und mindestens zwei Kinder hatten. Zielgruppen für das Vorhaben waren langzeitarbeitslose Frauen sowie Frauen, die aus anderen Gründen auf den Arbeitsmarkt zurückkehren wollten.
Die Ausbildung dauerte von April 1994 bis Ende 1996. In den drei ersten Monaten (die
notwendige Frist für den Busführerschein) bestand das Programm aus drei Tagen theoretischer und 3 Tagen praktischer Ausbildung im Unternehmen. Anschließend veränderte sich dieser Rhythmus auf 2 Tage Theorie und 3 Tage praktische Arbeit in einem Transportunternehmen.
Parallel zum Fortgang der Ausbildung wurden 12 neue AST- bzw. Buslinien eingerichtet. "Einige funktionieren auf Anruf, erklärt Sabine Berger, "Sie kommen z.B. im Bahnhof Alsfeld an und ein Minibus holt sie ab um Sie zu dem einen oder anderen Ort zu fahren, auch wenn Sie der einzige,Fahrgast sind. Das System kombiniert auf diese Weise die Vorteile des regulären Verkehrs mit Minibussen und Taxi. 14.000 Fahrten wurden auf diese Weise zwischen 1997 und 1998 angeboten..."
8 Frauen sind derzeit beschäftigt, 4 Frauen vollzeitlich und 4 Frauen teilzeitlich. Und Sabine Berger merkt an: "Ohne LEADER hätte das Projekt niemals existiert. Das Programm und die LAG waren bis ins letzte Detail bestimmend für Begleitung, Beratung und Organisation dieses Ausbildungsganges. Im Rahmen des Projektes gehörte sogar die Kinderbetreuung zum
Ausbildungsangebot. Dies ist ein besonders schönes Projekt, mit dem lokale Mobilitätsprobleme gelöst, Arbeitsplätze für Frauen geschaffen und 6 Verkehrsunternehmen sowie 12 der 19 Gemeinden an einen Tisch gebracht wurden."
Die gleiche Strategie soll jetzt in eine Aktion zur Entwicklung der Telearbeit einfließen, die im März 1999 von der hessischen Landesregierung gestartet wurde: Sensibilisierung und Identifizierung potentieller Arbeitnehmer und interessierter Unternehmen - im Vogelsberg und in Frankfurt -, Aus- und Fortbildung usw.
"Ich werde Ihnen sagen wie wir die Dinge idealerweise sehen", fährt Thomas Schaumberg fort: "Schulausbildung und Betriebsausbildung = Qualifizierung. Darauf kann lebenslanges Lernen aufbauen. So bestehen Chancen und entstehen Aktivitäten und Unternehmen, die zur lokalen Entwicklung und zur Beschäftigung führen."
Im Angebot der SDC seit 12.09.01 (pko)
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