Computeraustattung und -nutzung an deutschen Schulen
München/Berlin/Bielefeld. Der aktuelle (N)ONLINER Atlas, der von Initiative D21 und TNS Infratest seit 2001 jährlich erhoben wird und im Rahmen des Informatikjahres am 1. August in Berlin präsentiert wurde, stellt mit Intel als Sponsor die Ergebnisse der Sonderumfrage 'Lehre oder Leere? Computerausstattung und -nutzung an deutschen Schulen' vor.
Insgesamt wurden dafür 1.150 deutschsprachige Schüler im Alter von 14 bis 24 Jahren an allgemeinbildenden Schulen (Klassen 5 bis
13) in Deutschland detailliert nach der Nutzung von Computern bzw. Laptops im Unterricht befragt.
Danach sind annähernd 90 Prozent der Schulen mit Computern oder Laptops ausgestattet und nutzen diese im Unterricht. Dabei bilden in diesen Schulen spezielle Computerräume mit einem Anteil von 90 Prozent den Schwerpunkt der PC- und Laptop-Ausstattung.
Trotz der hohen Anzahl von Computerräumen ist die individuelle Nutzung sehr gering. Damit einher geht die geringe Einbindung von Computern in den Unterricht. Hier sehen wir noch Entwicklungsbedarf.
Wir müssen insbesondere bei den Lehrenden mehr Aufmerksamkeit für die Integration von Computern im Unterricht schaffen. Im Zeitalter der Informationsgesellschaft brauchen wir eine moderne Lernkultur.
, so Hannes Schwaderer, Vorstand der Initiative D21 und Geschäftsführer von Intel.
18 % der Schüler nutzen einen Computer häufig im Unterricht, ein international eher durchschnittlicher Wert. Vor allem in technisch-naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern bietet sich ein häufigerer Einsatz eines Computers an. Diese Fächer liegen überraschenderweise lediglich im Mittelfeld der Nutzungshäufigkeit. Deutlich häufiger kommen PC und Laptop in den Sozialwissenschaften und Sprachen zum Einsatz.
, führt Reinhold Horstmann, Projektleiter der Sonderumfrage von TNS Infratest aus.
Der Einsatz neuer Technologien bietet eine große Chance, die Unterrichtsqualität zu steigern und den Schülerinnen und Schülern wichtige Kompetenzen zu vermitteln, die im Berufsleben als selbstverständlich gelten. Gleichwohl wissen wir aber, dass den Lehrenden dafür geeignete Hilfestellungen angeboten werden müssen - von Fortbildungen über Unterrichtsmaterialien bis hin zu einer flexibel einsetzbaren, hochwertigen Ausstattung in Klassenzimmern und einer verlässlichen Wartung der Geräte und Programme
, ergänzt Johannes Böttcher, Institutsrektor der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung ALP (Dillingen), die Beratung und Fortbildungsangebote rund um das Thema 'Computer in der Schule' bietet.
Die Ergebnisse im Detail
Vergleich der Ausstattung nach Schulform und Region
Gymnasien liegen aufgrund der deutlich besseren Ausstattung mit Computerräumen im Vergleich der Schulformen insgesamt vorn. Auf Klassenebene bieten dagegen die Haupt- und Volksschulen die beste Infrastruktur (> 15 Prozent). Im direkten Vergleich nach Sekundarstufen sind insgesamt mehr Nutzungsmöglichkeiten für den Unterricht in der Sekundarstufe II (Klassen
11-13) vorhanden. Grund dafür ist auch hier die allgemein bessere Ausstattung mit Computerräumen. Allerdings kann bereits jeder zehnte Schüler der Sekundarstufe I PCs oder Laptops sogar direkt in der eigenen Klasse nutzen.
Im Ost-West Vergleich liegen die ostdeutschen Schulen bei bei der PC Ausstattung überraschend vorn, was in erster Linie ebenfalls auf die bessere Ausstattung mit speziellen Computerräumen zurückzuführen ist. Werden die Ortsgrößen betrachtet, so haben die Schüler kleinerer Gemeinden aufgrund eines deutlich größeren Angebotes an Computerräumen insgesamt betrachtet eine überdurchschnittliche Nutzungsmöglichkeit. Relativ betrachtet, schneiden die kleinsten Gemeinden mit unter 5.000 Einwohnern sogar am besten ab. Ein Stadt-Land-Gefälle ist somit nicht festzustellen.
Nutzung Laptops und PCs nach Schulfächern
In den sozialwissenschaftlichen Fächern werden Computer und Laptops am häufigsten in den Unterricht einbezogen. 26 Prozent nutzen den Rechner dafür mindestens 'mehrmals im Monat'. Darauf folgen die Fremdsprachen und Deutsch mit jeweils 19 Prozent. Die Naturwissenschaften liegen lediglich im Mittelfeld: Mindestens 'mehrmals im Monat' wird der Rechner im Unterricht für Mathematik (17 Prozent), Physik (13 Prozent), Biologie (elf Prozent), Chemie (sieben
Prozent) genutzt. Das Schlusslicht bilden die künstlerischen Fächer Kunst und Musik mit sechs bzw. fünf Prozent.
Im Ost-West Vergleich liegt Ostdeutschland bei der Nutzungshäufigkeit allerdings bei fast allen Unterrichtsfächern hinter Westdeutschland. Lediglich in den künstlerischen Fächern und Chemie herrscht Gleichstand. Betrachtet man die Computernutzung in den einzelnen Fächern nach Geschlechtern, so zeigt sich ein deutliches Bild. Schüler nutzen mit Ausnahme von Kunst in allen Fächern den Computer häufiger als Schülerinnen. Dies gilt besonders für das Fach Physik (17 Prozent Nutzung bei Schülern und acht Prozent Nutzung bei Schülerinnen).
Interessant ist auch der Vergleich der Computernutzung nach besuchter Schulform: In den Haupt- und Volksschulen werden PCs und Laptops mit Ausnahme der Fremdsprachen häufiger als in den Realschulen und Gymnasien in den Unterricht einbezogen.
Methodensteckbrief Sonderumfrage (N)ONLINER Atlas 2006: 'Lehre oder Leere?: Computerausstattung und -
nutzung an deutschen Schulen'
Grundgesamtheit: Deutschsprachige Schüler im Alter von 14 bis 24 Jahren an allgemeinbildenden Schulen (Klassen 5 bis 13) in Deutschland; 3,65 Mio. Personen;
Auswahl:
Standardisiertes Zufallsverfahren nach Branchenstandard (RL2D);
Stichprobe: repräsentative Zufallsstichprobe mit 1.150 Interviews;
Erhebung: Durchführung als computergestützte Telefoninterviews (CATI) im Rahmen der TNS Infratest Omnibusse in der Zeit vom 12. April bis 24. Mai 2006.
Die folgende Präsentation enthält Tabellenmaterial zur Sonderauswertung. Sie steht auf Seiten von TNS Infratest zum Download bereit und kann auch über folgenden Link abgerufen werden (Link öffnet das PDF):
Präsentation Lehre oder Leere