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'ECOSIS' (Entwicklung von Electronic Commerce-Strukturen in ländlichen Regionen Sachsens)

Prof. Dr. Wolfgang Uhr und Dipl.-Wirtsch.-Inf. Ernest Kosilek

Kurzfassung des Endberichtes zum Projekt "ECOSIS" (Entwicklung von Electronic Commerce-Strukturen in ländlichen Regionen Sachsens) von Prof. Dr. Wolfgang Uhr und Dipl.-Wirtsch.-Inf. Ernest Kosilek Dresden, September 2000 Zielstellung des Projektes Das Ziel des Projektes "ECOSIS" bestand darin, zu untersuchen, wie durch internetba-sierte IT-Systeme, der Online-Vertrieb ländlicher Produkte und Dienstleistungen umfassend unterstützt werden kann. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Untersuchungen und Bewertungen galt es in einem weiteren Schritt, eine entsprechende Lösung beispielhaft einzuführen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens wurde die zentrale Aufgabenstellung in weitere Teilziele untergliedert. Dabei galt es insbesondere: - die Anforderungen und die Erwartungen der ländlichen Anbieter und der Verbraucher an einen elektronischen Markt für landwirtschaftliche Produkte/Dienstleistungen zu identifizieren, - Konzepte und Geschäftsmodelle zur Wahrnehmung der sich neu bietenden Absatzmöglichkeiten zu entwickeln, - geeignete Softwarelösungen entsprechend den Anforderungen zu bewerten sowie - organisatorische und technologische Strukturen zu untersuchen und gegebenenfalls Vorschläge zu ihrer Erweiterung und Verbesserung zu erarbeiten. Anforderungen der Marktteilnehmer Um die Erwartungen und Anforderungen der Marktteilnehmer (private Endkunden, gewerbliche Endkunden und gewerbliche Anbieter) an den geplanten elektronischen Marktplatz zu identifizieren, wurden - z. T. in Zusammenarbeit mit der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Verkehrsbetriebslehre und Logistik - Daten sowohl aus primären als auch sekundären Quellen erhoben und ausgewertet. Darauf aufbauend lassen sich bezüglich der privaten Endkunden folgende Erkenntnisse konkretisieren: - trotz prinzipiellem Interesse ländliche Produkte auch über das Internet zu bestellen, nehmen bisher erst wenige private Endkunden diese Möglichkeit auch tatsächlich wahr, - funktionale Anforderungen (wie z. B. eine schnelle, bequeme und zuverlässige Bestellabwicklung) an ein Online-System stehen im Mittelpunkt des Kundeninteresses und - die Zustellkosten sollten 5 bis 6 DM nicht übersteigen. In Bezug auf die gewerblichen Endkunden lassen sich folgende Untersuchungsergebnisse festhalten: - als Voraussetzungen für Online-Bestellungen sind eine konstante Qualität der Produkte und eine durchgehende Lieferfähigkeit ausschlaggebend, - als mögliche Vorteile eines Online-Kaufs werden insbes. Bequemlichkeit, Unabhängigkeit von Öffnungszeiten, Qualität der Preis- und Produktinformationen sowie Zeitersparnis erwähnt und - die Online-Beschaffung darf sich preislich weder in höheren Produktkosten noch in Zusatzkosten für die Produktbeschaffung auswirken. Im Rahmen einer durch die Professur für Betriebswirtschaftslehre durchgeführten Befragung der Direktvermarkter wurde des weiteren festgestellt, dass in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße, die Unternehmensziele der Anbieter stark differieren, was seinerseits entsprechende Implikationen bezüglich der Gestaltung eines möglichen Vertriebsweges nach sich zieht. Während große Anbieter eine elektronische Verkaufsplattform primär als ein neues Instrument zur qualitativen Erhöhung der Vertriebsleistung betrachten, steht für kleine Unternehmen die Erhöhung der Kundenbindung im Vordergrund. Teilnehmer- und Geschäftsmodelle Unter Berücksichtigung der erlangten Wissensbasis wurden im nachfolgenden Schritt zwei mögliche Teilnehmer-/Geschäftsmodelle (Business-to-Business-to-Business ‹B2B2B› und Business-to-Business-to-Consumer ‹B2B2C›) definiert und deren Erfolgspotential erörtert. Die Realisierbarkeit des B2B2B-Geschäftsmodells ist dabei insgesamt mit Zurückhaltung zu betrachten, wird jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen. Begründet wird diese Perspektive durch: - die hohen Anforderungen der Gastronomiebetriebe an die logistische Kompetenz der Direktvermarkter, - die Ablehnung der Nachfrager, für die höhere Produktqualität einen höheren Preis zu bezahlen sowie - die Tatsache, dass alle Zusatzaufwendungen der Anbieter (für Logistik, IT-Plattform, etc.) über die sehr knapp zu kalkulierende Gewinnmarge finanziert werden müssten. Bei einer Konzentration auf Nachfrager in Ballungszentren ist dem B2B2C-Geschäfts-modell ein insgesamt höheres Entwicklungspotential als dem B2B2B-Modell zuzuschreiben. Als entscheidende Erfolgsfaktoren sind zu bewerten: - das Geschick der Plattform-Betreiber eine "kritische Masse" von Anbietern ländlicher Produkte und Dienstleistungen zu gewinnen, - die Fähigkeit der Plattform-Betreiber und der einzelnen Anbieter kontinuierlich neue Kunden zu gewinnen und diese zu binden sowie - die Kompetenz, die Produktzustellung zur Zufriedenheit der Kunden abzuwi-ckeln. Systemanforderungen und Softwareplattformen Um eine objektivere Bewertung der Systemcharakteristika von Softwareanwendungen zum Aufbau elektronischer Shopping-Systeme sicherzustellen, wurde ein Forderungs-katalog - der betriebswirtschaftliche, technische und funktionale Anforderungen umfasst - definiert. Darauf aufbauend wurde eine Auswahl von 8 eShopping-Systemen, welche durch regionale IT-Dienstleister vertrieben werden, bewertet und kategorisiert. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass elektronische Kataloge die unter einer einzelnen Präsentationsoberfläche mehrere Produktdatenbanken (Multilieferantenkataloge) aggregieren können, die geeignetste Lösung darstellen. Als entscheidendes Kriterium gegen eine entsprechende Implementierung sprechen jedoch die sehr hohen Anschaffungskosten. Als zweitbeste Lösung ist ein angepasstes Konzept eines elektronischen Kaufhauses zu betrachten, das ebenfalls über eine für alle Shops gemeinsame Präsentationsoberfläche verfügt. Dieser Ansatz sollte berücksichtigt werden, sofern es gelingt einen Service-Provider zu finden, der unter Kostenaspekten ein akzeptables Lizenzmodell anbieten kann. Shop-Prototyp Als vorbereitende Diskussionsgrundlage mit Anbietern ländlicher Produkte, die im Rahmen von Gesprächen mit den Mitarbeitern der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Verkehrsbetriebslehre und Logistik, Interesse an einer Online-Präsenz gezeigt haben, wurden 15 Online-Shops mit über 400 Produkten vorbereitet. Zentrales Ziel des Systemdesigns war es, einerseits den Einkaufsvorgang möglichst einfach und nachvollziehbar zu gestalten. Andererseits die Kunden aber auch umfassend mit Informationen zu versorgen, um dadurch die Anbieter-Kunden-Beziehung zu vertiefen und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Der Prototyp wurde Anfang Dezember 1999 fertiggestellt, die realisierten Shops kön-nen unter der Adresse http://wiis3.wiwi.tu-dresden.de/isroot/ecosis.html betrachtet werden. Zusammenfassung Im Laufe des Projektes wurden entsprechend der Zielstellung und z. T. in Zusam-menarbeit mit der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Verkehrsbetriebslehre und Logistik - Anforderungen der Marktteilnehmer an eine elektronische Vertriebsplattform für ländliche Produkte identifiziert und die Erfolgschancen zweier Geschäftsmodelle diskutiert. Um eine objektive Bewertung am Markt verfügbarer eShopping-Systeme zu ermöglichen, wurde darauf aufbauend, ein funktionales Bewertungsschema entwickelt und Softwarepakete, welche von sächsischen IT-Dienstleistern angebotenen werden, einer Prüfung unterzogen. Um eine gemeinsame Diskussionsbasis zu schaffen sowie die Möglichkeiten des Internets zur umfassenden Prozessunterstützung zu dokumentieren wurde, parallel zu den dargelegten Schritten, ein Prototyp entwickelt. Ergebnisse des Vorhabens wurden ergänzend zum Projekt-Endbericht - auch in einem Leitfaden zusammengefasst, der einem großen Kreis von am Themenkomplex "Electronic Commerce" Interessierten, einen leichten Einstieg in die Thematik ermöglichen soll. Dabei werden die Vorteile einer Internet-Präsenz vorgestellt und mögliche Funktionen eines eShops erörtert, am Markt verfügbare eShop-Anwendungen klassifiziert und die Kosten, die im Rahmen des Aufbaus einer Online-Präsenz anfallen können, aufgeschlüsselt. Im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Herrn Staatsminister Flath und dem Verein der Direktvermarkter im April 2000 wurde die Bedeutung dieser Interessensvertretung für die regionale ländliche Entwicklung, auch bezüglich des Einsatzes innovativer Technologien, hervorgehoben. In diesem Kontext wurde daher auch die produktionsnahe Implementierung der Landwarenbörse nicht weiter verfolgt, sondern der Verantwortung des Vereins der Direktvermarkter übertragen. Die im Rahmen des Projekts erzielten Erkenntnisse und Erfahrungen stehen dem Verein auf Wunsch umfassend zur Verfügung.


Im Angebot der SDC seit 12.09.01 (pko)

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